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Die Bewegung der Wirbelsäule

Die Arbeit mit der Wirbelsäule ist sehr subtil. Die Bewegungen sind sehr klein und dementsprechend muss ein gutes Körperbewusstsein ausgebildet sein, um sie überhaupt wahrnehmen zu können.
Um die Bewegungen wahrzunehmen und zu verfeinern ist eine entspannte Wirbelsäule notwendig. Es gibt immer wieder Lehrer, die ihren Studentinnen und Studenten vorschlagen sich vorzustellen, sie hätten einen Besenstiel verschluckt, um die Wirbelsäule gerade zu halten. Genauso wirkt dann auch ihr Taiji. Denn dieser Rat fördert nicht ein Bewusstsein für den natürlichen inneren Auftrieb einer integrierten Wirbelsäule, sondern im Gegenteil eine rigide Verkrampfung der gesamten Wirbelsäulenmuskulatur.
Stellen Sie sich viel eher vor, wie Ihr Schädel an einem Faden am Himmel befestigt ist, und die gesamte Wirbelsäule mit dem Becken schwingt frei und ohne Gewicht wie ein Seil darunter. Dies fördert den inneren Auftrieb und eine Entspannung der Muskulatur. Jeder einzelne Wirbel wird dadurch beweglich wie die Glieder einer Kette. Und dies ist Voraussetzung, damit die Energie, die aus den zwei Zentren, dem des Menschen und dem der Erde sich ausbreitet, dies auch ungehindert tun kann. Denn wie kommt die Energie vom Becken zu den Schultern? Nicht, indem sich der gesamte Rumpf in einer Bewegung wie eine Statue bewegt, sondern indem sich die Energiewellen der Wirbelsäule entlang ausbreiten. Hier liegt meiner Meinung nach einer der Kernpunkte des Taiji, der gerne übersehen wird.

Die Wirbel der Wirbelsäule können sich auf zwei Arten bewegen: in Wellenform und kreisförmig. Es gibt dabei zwei Arten von Wellen und zwei Richtungen des Kreises. Je mehr von diesen Bewegungen in eine einzige Bewegung integriert werden, desto kraftvoller wird sie.
Die kreisförmige Bewegung ist einfacher zu verstehen. Sie geschieht, wenn wir den Kopf drehen, oder unsere Schultern, ohne das Becken auch zu drehen.

Die wellenförmigen Bewegungen sind nicht so offensichtlich. Die wellenförmige Bewegung findet sich, wenn wir den Rumpf nach links und rechts oder nach vorne und hinten bewegen. Natürlich macht eine solche Bewegung noch keine Welle, jedoch viele subtile.
Es gibt also zwei Formen der Wellenbewegung: die eine seitlich, die andere vor und zurück.

Eine Übung um die seitlichen Wellen zu erfahren ist folgende: Stellen Sie sich in einem Parallelstand hin. Nun machen Sie - entspannt - eine peitschenartige, kleine Bewegung des Beckens zur Seite, und lassen Sie es sofort in die Ausgangsposition zurückschnellen. Sie sollten spüren, wie sich die Bewegung wie an einem Seil die Wirbelsäule hinauf fortsetzt. (Mit der Zeit können Sie auch noch eine zweite Wellenbewegung wahrnehmen, die die Beine hinunter in den Boden fährt und von dort reflektiert wird und bis in den Kopf hinaufsteigen kann.)

Die Kombination der Wellenbewegungen und der Kreisbewegungen führt zu einer spiralförmigen Bewegung. Dies ist die kraftvollste Bewegung.