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Taiji und Wettkämpfe

Es scheint ein Urbedürfnis des Menschen zu sein, sich zu messen. Auch im Taiji. Es finden verschiedene Formen der Wettkämpfe statt. Das Paradox, eine friedliebende Kampfkunst in Wettkämpfen zu beurteilen, wird durch vielerlei andere Komponenten noch verschärft.

Die Situation

Kurz zusammengefasst kann man sagen, dass Taiji heute nach äusseren Merkmalen beurteilt wird (Grösse der Schritte, Flexibilität, Höhe der Kicks und so weiter...) . Das ist insofern problematisch, als dass man eine vor allem innere Kunst nach äusseren Masstäben beurteilt.
Da ich einen Motor eines Autos nicht beurteilen kann, wenn ich nicht weiss, wie ich die Haube öffne, muss ich bei der Beurteilung auf andere Masstäbe ausweichen - auf das Design des Autos und seine Ausstattung. (Später werden wir sehen, dass wir diesen Vergleich weiter ziehen können - und merken, dass auch nicht das Fahrverhalten des Autos beurteilt wird, das immerhin noch einiges auf den Motor schliessen lassen könnte.)

Wenn also schon Wettkämpfe veranstaltet werden sollen, dann kann man sich überlegen, ob es nicht angemessenere Formen der Beurteilung gibt.

Wie man die energetischen Komponenten des Taiji erfasst

Man kann Energie sehen, wenn man weiss, worauf man schauen soll. Man muss dazu nicht zwangsläufig hellsichtig sein. Da es ja schon in den Klassikern heisst, dass der Körper dem Qi folgt, kann man die Bewegung der Energie körperlich wahrnmehmen.
Die energetische Bewegung des Körpers lässt sich nach folgenden Kriterien beurteilen:

  • Bewegt sich der Körper als Einheit, oder bewegen sich die Arme und auch die Beine isoliert?
  • Entspringt die Bewegung aus den zwei Zentren? Das heisst: Sind zwei Wellen sichtbar, die sich durch den Körper ausbreiten? Die eine Welle kommt aus dem Boden und bewegt sich durch Sprunggelenk, Knie und Hüftgelenk nach oben. Dort entsteht die zweite Welle, die sich vom Dantian her ausbreitet in die Arme.
  • Bezieht die zweite Welle aus dem Dantian die Wirbelsäule mit ein? Bewegt sich die Wirbelsäule wie ein hängendes Seil, das die Impulse aufnimmt und weiterleitet, oder wie ein Besenstiel, starr und rigide?
  • Bezieht die zweite Welle alle drei oberen Gelenke mit ein - Schulter, Ellbogen und Handgelenk?
  • Entfaltet sich die Bewegung von innen nach aussen, oder geschieht sie nur an der Perihperie?
  • Entfaltet sich die Bewegung von unten nach oben, oder geschieht sie nur oben?
  • Sind die sechs Hauptgelenke miteinander verbunden? Das heisst: Hüftgelenk und Schultern, Knie und Ellbogen, Sprunggelenk und Handgelenk? Diese Gelenke sind von unten nach oben miteinander verbunden. Das heisst, die Schultern bewegen sich nicht isoliert, sondern werden von den Hüften gesteuert. Die Bewegung der Ellbogen entstehen durch eine Bewegung der Knie. Die Bewegung der Hand entsteht durch einen Impuls aus dem Fussgelenk.
  • Entstehen Schritte und Tritte aus einem Impuls aus dem Dantian?

Dies sind einfache Kriterien, mit denen man den Energiefluss im und durch den Körper auf einer ganz körperlichen Ebene beobachten kann. Es braucht also keinen speziellen Blick dafür, lediglich eine genaue Wahrnehmung für subtile Bewegungen. Neben all den anderen Kriterien, die man noch beurteilen könnte (Wie stark ist die Intention? Wo ist das Bewusstsein? Wieviel Energie fliesst?), scheinen mir das Kriterien zu sein, die genauso konkret und objektiv beurteilbar wären wie die Weite eines Schrittes und die Höhe eines Trittes.

Warum man Form und Push Hands zusammen beurteilen sollte

Taiji ist nicht nur Form. Taiji ist eine Kampfkunst, also die Kunst der Begegnung. Deshalb sollte nicht nur ein Aspekt des Taiji beurteilt werden, sondern Taiji in seiner Gesamtheit. Deshalb gehören die Beurteilung von Form und Push Hands zusammen.
Um wieder den Vergleich mit dem Auto zu nehmen: Wenn wir das Auto in seiner Gesamtheit beurteilen wollen, schauen wir uns nicht nur Design und Austattung an, sondern auch sein Fahrverhalten. Das Fahrverhalten im Taiji prüfen wir mit Hilfe des Push Hands.
Andererseits ist es auch so, dass an Push Hands Wettkämpfen gerne Teilnehmer anderer Kampfkünste teilnehmen und in ihrer aggressiven Art den Geist des Push Hands missachten. Ausserdem ist es bei Wettkämpfen mit solchen Partnern schon zu Verletzungen gekommen. Wenn also auch bei einem Push Hands Wettkampf die Taiji Form beurteilt wird, verhindert man solche Trittbrettfahrer.

Die Kriterien zur Beurteilung des Push Hands kann man weiter ausfächern als einfach nur, wer öfters aus dem Gleichgweicht fällt. Folgende Kriterien sollten zu einer Beurteilung unbedingt auch herangezogen werden:

  • Wie ist der Geist des Teilnehmers? Entspricht er dem Taiji-Geist, findet also ein Tanz von Energie statt? Oder geht es nur ums Gewinnen?
  • Zeigt der Teilnehmer seinem Partner gegenüber die gebührende Hochachtung und den gebührenden Respekt?
  • Ist der Teilnehmer darauf Bedacht, den "Schützenden Geist" zu wahren, um ein optimales Klima sicher zu stellen, in dem Achtung und Sicherheit an erster Stelle stehen?
  • Ist der Teilnehmer immer am Stossen? Lässt er sich auch Stossen?
  • "Hört" er beim Stossen, oder stösst er einfach?
  • Kommt sein Stoss aus dem Boden und dem Dantian, oder stossen die Arme?
  • Wenn der Teilnehmer gestossen wird und aus dem Zentrum fällt, hält er sich am Gegner? Kompensiert er fehlende Wurzelkraft mit harten Armen?