In östlichen Kulturkreisen wird Kunst als Weg aufgefasst, bei dem ein eventuelles Produkt als angenehme Nebenerscheinung betrachtet wird, wogegen die traditionelle Auffassung der westlichen Kultur Kunst mit einem Werk, einem Endprodukt definiert. Der Weg zu diesem Produkt ist dabei nicht wichtig. Es zeigen sich hier also sich diametral entgegengesetzte Auffassungen. Es ist aber dazu zu bemerken, dass sich der westliche Ansatz allmählich weitet und relativiert zugunsten eines Weges, eines Prozesses.
Was aller wahrhaft grossen Kunst jedoch gemeinsam ist, sind folgende zwei Punkte:
Grosse Kunst führt also über sich selbst hinaus und bettet diese Erfahrung in ein sinnvolles Umfeld. Unter diesem Gesichtspunkt möchte ich die oben gestellte Frage, was Kunst eigentlich sei, angehen.
Sehen wir uns zuerst ein 'Produkt' des Weges der Kampfkunst an, einen Meister also, um zu sehen, was wir vor uns haben. Wie wir noch genauer erfahren werden,
Das ist zweifellos nicht so einfach zu verstehen. Spürbar wird aber gleich der transzendente Charakter dieser Aussage, hervorgebracht durch das scheinbare Paradox, das gleich dreifach angeführt wird. Dieser Meister hat den Kampf in irgend einer Weise transzendiert und diese neue Haltung integriert. Er hat das Prinzip der Interaktion kultiviert. Er konnte das nur durch intensive Arbeit an sich selbst, seinem Ego, seinem Schatten (man nennt Taiji ja auch Schattenboxen), seinem Potential.
Das Schöne daran ist, dass dieser Meister, wie eine grosse Sinfonie, in seinen Mitmenschen Resonanz auslösen kann, die sie diesem Ziel, eben dem Ziel der Transzendenz, auch näher bringt.