Taiji: komplexe Bewegungen
Qigong:
einfache, sich wiederholende Bewegungen (äusseres Qigong) oder gar keine äussere Bewegung (inneres Qigong)
Taiji ist in seiner ganzen Einfachheit auch sehr vielschichtig und komplex, und so ist auch seine Wirkung sehr breit gefächert. Qigong ist seinem Wesen nach repetitiv (oder nur innerlich, ohne äussere Bewegung), und seine Wirkung daher spezifischer. So wird Medizinisches Qigong zum Beispiel gezielt eingesetzt, um zum Beispiel die Nieren mit Qi zu nähren oder die Leber zu reinigen.
Grundlage von Taiji und Qigong ist die daoistische Philosophie, die das Wesen und die Wirkung des Dao, der Urkraft, untersucht.
Qigong ist ein Gesundheitssystem, das den Menschen in die Natur (oder das Universum) einbettet und ihm dadurch ermöglicht, seine Gesundheit zu erhalten und seine Lebensqualität zu steigern. Es untersucht die Wirkungsweise des Dao und des Qi auf den menschlichen Körper-Geist komplex. Es wird darin sehr spezifisch, so dass zum Beispiel die energetischen Zusammenhänge und Eigenschaften von Organen erkannt werden.
Taiji ist nicht so sehr spezifisch im medizinischen Sinne, untersucht aber zusätzlich genau die Wirkungsweise und Kraft des Dao im Zusammenspiel zweier oder mehrerer Menschen, befasst sich also eingehend mit der Interaktion.
Wenn wir 'Qigong' übersetzen, heisst es 'Arbeit mit' oder 'Kultivierung der' (gong) 'inneren Energie' (qi). Was ist Taiji anderes als Arbeit mit der inneren Energie? Sogar in einem Austausch wie im Push Hands arbeiten wir nur mit innerer Energie, mit der unseren und der unseres Partners. Diese Gemeinsamkeit wird nur sehr gerne übersehen, wenn Taiji nicht richtig praktiziert wird.
Medizinisches Qigong wird gezielt eingesetzt, um viele Krankheiten erfolgreich heilen und noch mehr vorbeugen zu können. Ich bin jedoch der Meinung, dass Gesundheit sich nicht nur auf die körperliche Verfassung bezieht, und auch nicht nur auf Körper und Geist, sondern auf Körper, Mensch und Geist.
Kampfkunst heisst die Kunst, miteinander in Beziehung zu treten und liebevoll miteinander umzugehen. Wenn wir uns vorstellen, dass eine Krankheit nicht 'plötzlich Auftritt', man von ihr 'heimgesucht wird', sondern dass sie in subtilen Bereichen des Geistes und der Psyche startet und sich dann allmählich so sehr verdichtet, bis ein körperliches Symptom daraus wird, dann ist auch klar, wo viele Krankheiten ihren Ursprung haben: aus dem Konflikt mit den Mitmenschen. Wir sind Wesen, die sich durch Beziehungen entwickeln, und viele Krankheiten entstehen aus gestörten Beziehungs- und Interaktionsmustern.
Deshalb heisst Heilung nicht nur die Beseitigung der körperlichen Manifestation der Krankheit, sondern auch die Lösung krankmachender Beziehungsmuster.