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Die Qualitäten der Schwertform

Die Handformen des Taiji sind energetisch eher nach innen und unten gerichtet, während die Schwertform eine dynamische, steigende Energie hat. Es gibt grosse Bewegungen, Sprünge und weite Schritte, und dies geschieht alles geerdet und zentriert. Die Impulse des Dantien gelangen bis zur Schwertspitze und bewegen sie. Die Erdung wird noch wichtiger, da sonst die grossen Bewegungen nicht ausgeführt werden können. Vom Körper wird eine noch grössere Flexibilität verlangt als in den Handformen. Das Wahrnehmungsfeld öffnet und weitet sich.

Daneben bietet die Schwertform viele weitere Qualitäten:

Qualität des Alltags

In der Taiji Schwertform (und in allen Waffenformen des Taiji) geht es nicht darum zu lernen, wie jemand mit einem Schwert verletzt wird. Die wichtigsten Lektionen der Schwertform haben damit zu tun, die Aufmerksamkeit und Achtsamkeit, und somit die Energie auszudehnen. In der Schwertform lernen wir, Energie ins Schwert zu führen. Wir lernen, mit Objekten in einer entspannten, energetischen Art umzugehen und einen Austausch zu führen, genauso wie es ein Kalligraphie-Meister mit seinem Pinsel macht.

Wie wir mit den Objekten um uns herum umgehen, hat massgeblich mit unserer Gesundheit zu tun. Stellen Sie sich vor, sie brauchen dauernd viel mehr Energie als nötig wäre: beim Schreiben mit einem Kugelschreiber, beim Autofahren, beim Halten des Kochlöffels, beim Schliessen der Türe... Wir sind den ganzen Tag damit beschäftigt, in unserer Umgebung Energie zu verschwenden, nicht viel, meinen Sie vielleicht, aber es räppelt sich über den ganzen Tag gesehen ganz schön etwas zusammen (ganz zu schweigen von den Interaktionen mit den Menschen, in denen wir nicht gelernt haben, unsere Energie sinnvoll einzusetzen oder für uns zu behalten). In der Schwertform lernen wir, bewusst mit den Objekten unserer Umgebung umzugehen.

Qualität des transformierten Kriegers

Viele von uns kennen zwei Verhaltensmuster: Kontrolle und Hilflosigkeit. Wenn wir kontrollieren, führen wir Krieg, es muss nach unserem Willen geschehen. Wenn wir hilflos sind, sind wir das Opfer anderer Menschen und Umstände.

In der Kontrolle führen wir unser Schwert blind und zornerfüllt gegen jeden in seiner Reichweite. In der Hilflosigkeit werfen wir es von uns und liefern uns mit ausgebreiteten Armen den anderen aus. Der transformierte Krieger hat gelernt, mit seinem Schwert umzugehen. Er hat aber auch gelernt, es nicht gebrauchen zu müssen.

Für viele ist schon die reine Auseinandersetzung mit einem Schwert in den eigenen Händen eine Herausforderung - die es sich auf jeden Fall lohnt anzunehmen. Dadurch, dass die Energie der Schwertform viel grösser ist, lernen wir unsere äusseren, energetischen Grenzen kennen - und ihre Stärken und Schwächen. Die Schwertform füllt dann das gesamte Energiefeld mit Qi, so dass unsere Grenzen flexibler, aber auch stärker werden.


Qualität des Heilers

In der Schwertform lernen wir, Energie dauernd aus unserer Hand in das Schwert fliessen zu lassen. Dies ist für Heiler und Therapeuten sehr wichtig, die mit dem Qi anderer Menschen arbeiten. Es geht nicht nur darum, Qi zu übermitteln, sonder auch um eine um ein Vielfaches gesteigerte Sensitivität der Hände. Denn dadurch, dass ich Qi in einen anderen Körper führen kann, bekomme ich mehr und tiefere Informationen über den Zustand dieses Menschen. Für alle Heiler und Therapeuten ist daher die Schwertform eine wertvolle Ergänzung.

Qualität der Frau

Die Schwertform ist nicht etwa nur etwas für Männer! Viele Frauen haben den natürlichen, sanften Umgang mit dem Schwert schon in sich und erreichen eine hohe Geschmeidigkeit und Schönheit ihrer Form. Ausserdem kann die Schwertform einen positiven Einfluss auf prämenstruelle Beschwerden haben, da die aufsteigende, dynamische Energie der Schwertform der schweren, sinkenden Energie der Menstruation, deren Stauung Schmerzen verursachen kann, engegenwirkt.