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Die Quelle des Taiji

Durch Taiji werden wir zur lebendigen Verbindung von Himmel und Erde. Das heißt, zum Gefäß, das den Geist in sich trägt. Und das in einer Art und Weise, in der Handeln durch zulassen (wu wei) genausostattfinden kann wie disziplinierte Spontaneität (tzu jan).

Die Quelle des Taiji liegt nicht in einer Technik, in überragender Flexibilität, einem Bewegungsablauf oder einem Stil. Die Quelle liegt da, wo spontane Kreativität entstehen kann, ohne dass unsere Persönlichkeit oder unser Verstand dem im Weg stehen. Die Quelle ermöglicht es uns, dass jede Aktion entstehen kann, dass jede Bewegung entstehen kann.

Wie erreichen wir diese Quelle? Nun, sie ist da. Wir müssen sie nicht erreichen, wir müssen es zulassen, dass sie durch uns wirkt.
Auf der physischen Ebene können wir uns ihr öffnen, indem wir Blockaden abbauen, loslassen, entspannen, uns gut ernähren und ausreichen Schlaf haben.
Auf der physisch-energetischen Ebene erhöhen wir die Kapazität des Nervensystems, Energie aufzunehmen, quantitativ und qualitativ erhöhen. Das heißt, wir können dafür sorgen, dass es mehr Energie aufnehmen und halten kann, und dass es feinere, subtilere Energien aufnehmen und halten kann.
Auf der physisch-dynamischen Ebene erforschen wir unsere eingeengten Bewegungsmuster und erforschen ganz neue Bewegungen.
Auf der Persönlichkeitsebene können wir unsere eingeengten Handlungs- und Reaktionsmuster beobachten und damit bewusst machen, und somit die Grundlage für eine Veränderung jenseits des Automatismus schaffen. Ebenso arbeiten wir mit unseren
Glaubenssätzen.
Auf der Verstandesebene können wir unseren Verstand mit so viel gutem Futter füttern, dass er satt wird, und damit ruhig und zufrieden. Dann muss er sich nicht mehr dauernd dazwischen melden und seine Fragen stellen, wozu auch Kritik und Zweifel
gehören.
Auf der seelischen Ebene können wir uns mit unserem ureigenen Potenzial auseinandersetzen, mit unserer Bestimmung in dieser Welt.
Auf der spirituellen Ebene öffnen wir uns dem Universum.

All dies, und alle Kombinationen und Ergänzungen, die sich ergeben, können wir in unserer Taiji-Praxis erforschen. Wir setzen damit dem Taiji nichts auf, schwängern es nicht mit Bedeutung, sondern erforschen ganz einfach uns durch das Taiji, so wie sich
vermutlich Bewusstsein durch uns erforscht. Und ich glaube, dass das bei jedem großen Weg so ist - er ist da, damit wir uns entdecken.
Das wird natürlich nicht gelingen, wenn wir uns auf vorgefertigte Bewegungsabläufe beschränken. Wenn wir aber spontane Bewegungen mit einbeziehen, sowie Push Hands oder andere Formen der Interaktion wie Schwertsparring, und es wirklich ernst meinen, werden wir uns ganz von selbst mit all diesen Ebenen befassen. Ganz von alleine. Denn wir müssen zum Beispiel ganz klar einengende Muster auf allen Ebenen, also nicht nur der
körperlichen, sondern auch auf der Wahrnehmungsebene, der Ebene des Verstandes, der psychischen Ebene, wahrnehmen, wenn wir uns im Push Hands nicht dauernd selbst im Weg stehen wollen, und in die Fallen trampeln wollen, die wir, nur wir, uns selbst aufstellen.
Und Push Hands ist bekanntlich ein Spiegel für das Leben.

So wie sich unser Körper durch Taiji allmählich von einer Ansammlung isolierter Einzelteile wieder in ein harmonisches, dynamisches Ganzes wandelt, geschieht das mit allen unseren Ebenen, wenn wir dafür offen sind. Was wir geschenkt bekommen, ist unser ureigenes Taiji, die Weisheit des Universums, die durch uns klingt, wirkt und handelt, jenseits von Technik, von Stil, Tradition und Form.