Diese Seite enthält meine Notizen aus dem Jahr 2005 (ausser die Notizen, die in Korsika entstanden sind und im Journal zu finden sind).
Zentrieren und erden - tief, voll, unablässig - sind essenziell im Push Hands. Aber erst der Anfang. Es ist die Grundlage. Damit funktionieren wir einigermassen.
Dann kommt die vielschichtige Entspannung in den Wandel - tief, voll, unablässig - und das (scheinbare) Auflösen (scheinbarer) Grenzen in ein grösseres, dynamisches Ganzes (welches ohnehin existiert), während die Eigenständigkeit im wahrsten Sinn des Wortes gewahrt wird.
Eigenständige Wesen, die die Entzweiung aufheben und jeden Moment in gemeinsamer Kreativität entstehen lassen.
Wir funktionieren in Mustern: Entweder ist Push Hands hart und ein (wenn auch hinter einem Lächeln versteckter) Wettbewerb, oder es ist ein energieloses New-Age-Wohlfühl-Hin-Und-Her ohne Dynamik in seliger Scheinharmonie.
Die Aufgabe ist es, beides loszulassen, um zu einem wirklichen, dynamischen, authentischen Austausch zu gelangen. Beides ist nicht leicht. Die Wettbewerbler müssen sich klar darüber werden, wer sie sind, wenn sie sich nicht mehr beweisen müssen oder können, und die daraus resultierende Erkenntnis kann ernüchternd ausfallen. Die Harmonieler müssen sich klar darüber werden, was Leben (und damit wirkliche Harmonie) bedeutet. Beide müssen aus ihrem Narzissmus heraustreten, egal, ob er sich hart oder weich zeigt. Eine spannende Geschichte.
Die Grundlage ist, ins Lernen zu entspannen. Solange du nicht bereit bist, nackt und hilflos dazustehen, kannst du nicht Push Hands machen.
Öffne dich dem Lernen, entspanne in das Lernen.
Push Hands:
Sich festhalten ist das Ego, das sich vor dem sicheren Tod retten will.
Push Hands:
Je weniger du tust, desto mehr bist du.
Je weniger du willst, desto mehr bekommst du.
Je mehr du in den Wandel entspannst, desto mehr fliesst du.
Push Hands:
Um zu fliessen, brauchen wir eine Verbindung.
Es klingt so einfach, doch nur, wenn man es zu schnell zu verstehen meint.
Denn es ist nicht nur eine physische Verbindung, sondern ebenso eine psychische,
energetische, intentionale Verbindung.
Push Hands ist wie grossartiger Tanz mit einem wunderbaren Tanzpartner/einer
wunderbaren Tanzpartnerin. Oder wie grossartiger Sex, der eine Verbindung auf allen Ebenen zu Gott schafft. Sowohl dieses Tanzen als auch dieser Sex als auch Push Hands ist weit weg von "Ich tue mein Ding, du tust dein Ding".
Sie sind ein Fliessen und Verbinden auf allen Ebenen hin zur Verkörperlichung des Unfassbaren.
Push Hands:
Was wirklich der entscheidende Punkt ist, ist nicht wie gut du stösst oder neutralisierst, sondern die Qualität und Tiefe der Verbindung.
Wenn es eine Verbindung gab, fühlt sich die Push Hands-Session danach gut an.
Wenn es keine Verbindung gab, fühlst du dich einsam.
Vier Gründe für Schmerzen im Taiji:
- Chronische (nicht durch die Übungen verursachte) Schmerzen werden so chronisch, dass man sie nicht mehr spürt. Durch Taiji/Qigong/IET werden diese Schmerzen aufgetaut, gelöst. Der Schmerz wird freigesetzt.
- Wir bewegen uns in mehr oder wenig engen Verhaltens- und Bewegungsmustern. Durch Taiji/Qigong/IET werden diese Muster gedehnt, geweitet, durchbrochen.
- Durch Taiji/Qigong/IET wird unser Energievolumen erhöht. Das Nervensystem muss sich daran gewöhnen. Solange mehr Energie da ist, als das Nervensystem Kapazität hat, kann das zu Schmerzen führen.
- Das Knie schmerzt unterhalb (nicht unter) der Kniescheibe. Ein einfacher Test verrät, dass dies das Ende des Oberschenkels ist, der, macht man die Übungen richtig, hart arbeiten muss und sich meldet. Das ist völlig in Ordnung.
All dies sind Schmerzen, die nicht durch Taiji verursacht, sondern durch Taiji freigesetzt werden, indem sie uns in unseren natürlichen Zustand bringen. Es besteht also kein Grund zur Sorge (vorausgesetzt, man forciert nichts).
Knieschmerzen, welche innerhalb des Knies oder seitlich auftreten, sind Schmerzen, die unbedingt zu verhindern sind! Sie sind leicht zu verhindern, indem die Aussenkante genügend belastet wird. Dadurch befindet sich das belastete Knie immer über dem Fuss - da, wo es hingehört. (Die ganze Regel lautet: Sprunggelenk, Knie und Hüftgelenk sind auf einer geraden Linie).
Intention (Yi) ist Seele in Bewegung.
Wille ist Persönlichkeit in Bewegung.
Yi führt die Energie. Die Energie führt den Körper.
Ich liebe Push Hands. Darum, weil der Lernprozess dabei eine ganz eigene Dynamik annimmt. Man führt Neulinge ins Push Hands ein, physisch, psychologisch, energetisch, spirituell, und führt sie dann mit anderen PushHandslern zusammen. Ab dann läuft die Kiste von alleine, und der Lehrer wird Zeuge der Entfaltung. Es braucht ihn ganz einfach nicht mehr. Die Gruppe lernt an und durch sich selbst, es ist ein kollektives und individuelles Wachstum.
Wichtig ist dabei das Bewusstsein, dass wir "Gefährten derselben Disziplin" sind, was wir auch als Wohlwollen oder den Schützenden Geist und Lernfreude bezeichnen könnten. Das ist die Grundlage. Weitere wichtige Elemente sind Kreativität und Spontaneität.
Das ist wunderbares Lernen. Das ist das freie Entfalten von Potenzial.
Wie bist du zu Taiji gekommen?
Es ist zu dir gekommen.
Du kannst das nicht entscheiden, und wenn du meinst, du hättest es entschieden, dann bist nicht du zur Entscheidung gekommen, sondern die Entscheidung zu dir.
Die Dinge geschehen.
Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
Die wichtigste Taiji-Praxis: Yin und Yang klar differenzieren und in die Langsamkeit entspannen.
Wie entspannen wir?
Entspannung geschieht.
Es gibt nichts, was wir tun können,
Entspannung ist nicht-tun.
Sein ist unvermeidlich. Im Sein geschieht Entspannung.
Es gibt nichts, was wir nicht tun können, wenn wir es nicht tun.
Wenn wir es nicht tun, tun wir es nicht.
Entspannung geschieht, so wie Inspiration geschieht, so wie eine Einsicht geschieht.
Entspannung ist wie ein weiterer Gedanke, der kommt und geht,
wir können nicht einmal wollen, dass etwas kommt, etwas bleibt, etwas geht, geschweige denn alle unsere Gedanken selber produzieren, denn auch das Wollen entzieht sich jeglicher Kontrolle.
Im Taiji geht es um Präsenz.
Wo bist du?
Bist du nicht nur körperlich, sondern auch energetisch, psychisch, seelisch, intentional, geistig hier?
Wo bist du?
Wo bist du, wenn du nicht in deinen Gedanken, deinen Konzepten, deinen Definitionen, deinen Weltanschauungen und Ansichten und Meinungen (über Taiji, über Formen, Stile etc.) spazieren gehst?
Und wie fühlst du dich dann?
Präsenz ist nicht anstrengend. Präsenz ist ganz natürlich. Manche Menschen meinen, Präsenz heisse, nicht daran denken zu dürfen, was man noch einkaufen sollte. Nicht an gestern oder morgen zu denken. Eine solche Vorstellung von Präsenz macht uns zu einer Amöbe, oder zumindest zu einem Hippie. Das sind Vorstellungen, Konzepte, Ideen, das ist nicht Präsenz.
Präsenz heißt ganz einfach, ganz zu sein.
Entspanne in die Entspannung.
Entspannung ist eine Idee, ein Konzept. Lass es gehen.
Gehen lassen ist eine Idee, ein Konzept. Lass es los.
Loslassen ist eine Idee, ein Konzept. Fliesse.
Fliessen ist eine Idee, ein Konzept. Steh dir damit nicht im Weg.
Sich nicht im Weg stehen ist eine Idee, ein Konzept. Sei damit.
Sein ist eine Idee, ein Konzept. Nimm es wahr.
Wahrnehmung ist eine Idee, ein Konzept. Erfahre.
Erfahrung ist eine Idee, ein Konzept. Erlebe.
Erleben ist eine Idee, ein Konzept. Integriere.
Integration ist eine Idee, ein Konzept. Löse dich.
Sich lösen ist eine Idee, ein Konzept. Befreie dich.
Befreiung ist eine Idee, ein Konzept. Öffne dich.
Öffnung ist eine Idee, ein Konzept. Werde still.
Stille ist eine Idee, ein Konzept.
Ideen und Konzepte bestehen, selbst über Nicht-Ideen und Nicht-Konzepte und Nicht-Bestehen.
So drehen wir uns von Konzept zu Idee zu Nicht-Konzept zu Nicht-Idee.
Ohne zu vereinen oder nicht zu vereinen,
vereine Stille und Nicht-Stille,
öffnen und nicht-öffnen,
Befreiung und Nicht-Befreiung,
Lösung und Nicht-Lösung,
Integration und Nicht-Integration,
Erleben und Nicht-Erleben,
Erfahrung und Nicht-Erfahrung,
Wahrnehmung und Nicht-Wahrnehmung
Sein und Nicht-Sein,
im Weg stehen und nicht im Weg stehen,
Fliessen und Nicht-Fliessen,
Loslassen und Nicht-Loslassen,
Gehen lassen und Nicht-Gehen lassen,
Entspannung und Nicht-Entspannung.
Beginne hier und ende hier,
ohne hier zu beginnen und zu enden,
ohne hier nicht zu beginnen und nicht zu enden.
Entspanne in die Wahrnehmung.
zu Push Hands:
Es geht nicht darum,
sich aus einer Situation zu befreien;
es geht nicht darum,
nicht in eine bestimmte Situation zu kommen;
es geht um geerdete Entspannung ins dynamische Jetzt
und sanftvolle Präsenz im authentischen Kontakt.

Peitsche

den Tiger umarmen und zum Berg zurückkehren

Push Hands

Schwert
Entspanne in die Präsenz.
Dehne dich aus in die Mitte und sinke in die Höhe.
In den Klassikern heißt es: Intention lenkt Energie, Energie lenkt den Körper.
Erfahre den Körper.
Erfahre Qi.
Erfahre Intention.
Lass dich ein auf eine Verbindung zu deinem Körper, so wie du dich jeden Tag und jeden Moment einlässt auf eine Verbindung zu einem geliebten Menschen, so wie du diesen Menschen in seiner Einzigartigkeit Moment für Moment neu entdeckst, so wie du dich in ihm unaufhörlich neu entdeckst.
Lass dich ein auf das Empfinden und Erkennen von Energie in ihrem weiten und tiefen Spektrum, lerne sie kennen, lerne mit ihr zu fließen, zu tanzen, wie mit einem Tanzpartner, lerne auf sie zu hören, mache sie zu deinem Mentor, wertschätze sie als Quelle der inneren Weisheit.
Lass dich ein auf die Ebene der Intention, der Absicht jenseits der Absicht, empfange sie, ihre Sprache der unbenennbaren Empfindungen, der leisen Sehnsucht, der Vision, verkörpere die Klarheit, die Integrität, erkenne sie als Teil von dir, erkenne dich als Teil von ihr, lass dich von ihr führen wie von einem weisen Lehrer im unerschütterlichen, aber nicht blinden oder unreflektierten Vertrauen; spüre die Klarheit in deinem Körper, deinem Nervensystem, deiner Energie, sei die Integrität, sei die tiefe Stille inmitten des Orkans.
Und dann, öffne dich der Ganzheit, der vielfältigen Interaktion zwischen diesen Ebenen. Erfahre dich als vielschichtiges Wesen, das unaufhörlich fließt.
Dann lenkt die Intention die Energie, und die Energie den Körper, und diese Dreieinigkeit ist genau dies, eine dynamische, fliessende Einheit.
Die drei Grundpfeiler, nicht nur des Taiji: Präsenz, Wahrnehmung, Kommunikation.
In Formen, im IET, im Qigong können wir Präsenz und Wahrnehmung kultivieren.
Tui Shou Push Hands bietet uns das Gefäss, um Präsenz, Wahrnehmung und Kommunikation zu üben. Auf allen Ebenen. Körperlich, energetisch, geistig.
Die [IET-, Taiji-, Qigong-, Yigong-, Push Hands-] Übungen sind ein Wahrnehmungs-, Erlebnis-, Differenzierungs- und Integrationsgefäss.
Präsenz und Absenz könnten gegensätzlicher nicht sein; und doch verwechselt man sie gerne. Präsenz integriert, Absenz isoliert. Ob man völlig präsent (wobei sich das Ich völlig in die Präsenz integriert und die Trennung in Wahrnehmenden, Wahrnehmung und Wahrgenommenes nicht existiert) oder absent war (wobei sich das Ich völlig verliert), merkt man, wenn man aus diesem Zustand zurückkehrt. Jedes Mal, wenn wir aus der Tiefe der Präsenz auftauchen, nehmen wir etwas Tiefe mit in unser alltägliches Wesen, d.h. etwas von unserem göttlichen Wesen, von unserer Seele, von unserem Potenzial, von unserer Vision. Jedes Mal, wenn wir aus der Weite der Absenz zurückkehren, lassen wir etwas in der Absenz, hängen Illusionen und Träumen nach.
Phase I: die Übung machen
Phase II: die Übung sein
Dazwischen (obwohl ein Dazwischen nicht zwingend ist): Immer weniger machen, immer mehr sein.
Sein heißt nicht Stillstand, sein heißt Dynamik.
Machen heißt Widerstand
und strebt dem Stillstand zu.
Was ist deine emotionale Beziehung zum Taiji?
Nimm wahr, wo deine Wahrnehmung ist.
Wo beginnen? Es ist so kompliziert, weil es so einfach ist, und es nützt alles nichts, weil alles nützt.
Auf der körperlichen Ebene werden wir still, wenn wir die richtige Struktur einnehmen - besser gesagt, wenn wir in die richtige Struktur entspannen, in sie hineinfallen oder in sie hinein loslassen. Der Atem wird ruhiger, sanfter, fliessender, tiefer, wenn wir mehr und mehr entspannen. Je ruhiger wir atmen, desto besser ist Entspannung möglich. Es ist also eine Wechselwirkung.
Je mehr wir den Beobachter oder den Zeugen herausbilden, desto mehr Stille können wir umfassen und verkörpern. Je mehr Stille wir umfassen können, desto mehr können wir den Beobachter herausbilden.
Der Beobachter: Was ich beobachten kann, bin ich nicht. Ich beobachte meinen Atem - ich bin nicht der Atem. Ich beobachte meine Körperwahrnehmungen - ich bin nicht meine Körperwahrnehmungen. Ich beobachte Gedanken - ich bin nicht die Gedanken. "Meine Gedanken?" Wessen Gedanken? Nur eines kann ich nicht beobachten - den Beobachter. "Ich" "bin" der Beobachter.
Wenn sich der Energiefluss ausgleicht oder einpendelt und frei und ungehindert fliesst, bin ich Gefäss eines unaufhörlichen Flusses. Das ist Stille. Wenn wir stehen, stehen wir zuerst die Sache durch. Die Körperempfindungen (am Anfang vor allem unangenehmer Natur) helfen uns, im Körper zu bleiben, präsent zu bleiben, und nicht in Tagträumereien zu flüchten. Während die Körperempfindungen allmählich verschwinden, verschwindet der Körper nicht - er wird integriert. Unsere Wahrnehmung verlagert, weitet, vertieft, erhöht sich dann ganz natürlich auf eine subtilere Ebene. Zuerst werden wir die Ebene des Qi bemerken - Hitze, Fülle, Kälte, Leere, Fluss und Stagnation. Allmählich, wenn das Qi frei fliesst, werden wir subtilere Formen von Energie wahrnehmen. Die Gefahr besteht darin, sich in diese Energien und den Zustand, der die Wahrnehmungen dieser Energien ermöglicht, zu verlieben. Wenn wir uns so verlieben, können wir das beobachten, früher oder später - und damit unsere Verknüpfung damit lösen. Wir werden mit unserer Wahrnehmung (mit dem Beobachter, dem eigentlich Wesentlichen) immer tiefer sinken oder höher steigen, je nach Interpretationsmodell, in die Ebene des ureigenen Wesens mit seiner subtilen und doch so kraftvollen Energie. Und dann machen wir - "unsere" Wahrnehmung - den Schritt darüber hinaus, über Taiji hinaus. Wir versinken, verschmelzen, lösen uns auf, werden vollständig integriert in das, was unvermeidlich ist, der Urgrund, die Urquelle, die Urleere, das Urpotenzial, Wuji.
Danach tauchen wir wieder auf, und wir stellen fest, dass die lineare Zeit sich aufgelöst hatte. Waren wir eine Minute da? Drei Stunden? Nur die Uhr sagt es uns. Unser Zeitempfinden nicht. Denn wir waren zeitfrei. Zeitfrei, nicht zeitlos. Egofrei, nicht egolos. Wir waren Stille. Nicht Nichts, sondern vollständig eingebettet in der Stille. Nicht-Zwei.
Wenn wir im Push Hands auf die Ebene sinken, in der alles zu jeder Zeit still ist, während oberflächlich ein Sturm tobt, kann nichts passieren. Der Weg zur unvermeidlichen Stille führte über die richtige Körperstruktur zur Fülle von Energie und einer damit verbundenen klaren Wahrnehmung. Der Weg ging weiter durch die Ebene der Intention, welche gereinigt wurde, und von da in die Stille, wo es endgültig keine Trennung mehr gibt. Wie soll es da Verlierer und Gewinner geben?
Die grosse Leistung im Push Hands ist nicht, verwurzelt zu bleiben. Die Leistung ist auch nicht, effektiv stossen zu können. Die wahre Leistung ist, ein gemeinsames Zentrum zu erschaffen. Ein Zentrum der Nicht-Zweiheit, welches jegliche Dynamik ermöglicht. Das ist eine wahre Beziehung.
Ich sage nicht es sei keine Leistung und nicht wichtig, verwurzelt zu bleiben etc. usw. und so fort. Ich sage nur, es sei nicht eine wahnsinnige Leistung.
Ich sage auch nicht, die wahre Leistung sei ein gemeinsames Zentrum, weil man dies leisten müsste. Man muss ihm nur nicht im Weg stehen. Das ist eine wahre Leistung.
Je mehr wir die Stille des Taiji in Bewegung verkörpern, desto unspektakulärer wird der ganze Prozess und auch das Taiji selbst. Grossartige Bewegungen gehen in wunderbare Empfindungen von Energie über. Überwältigende energetische Erlebnisse münden in eine ungeahnte Klarheit der Intention. Diese Klarheit mündet in die Stille. Die Stille ist. Sonst nichts. Und das ist schon zu viel gesagt.
Mit Stille gewinnen wir keine Meisterschaften, im Gegensatz zu grossartigen, virtuosen Bewegungen. Mit Stille gewinnen wir keinen Kampf, auch wenn wir kämpfen und nicht verlieren. Stille ist wahre Meisterschaft, die nichts zu bieten hat. Nicht einmal sich selbst. Und damit alles.
Wir fallen in die Intentionsebene, wir fallen in die Intentionslinie, die uns von innen her aufrichtet, erhebt, inspiriert, öffnet, ausdehnt, zentriert.
Auf der physischen Ebene fallen wir nach oben, als würde uns die Schwerkraft aufrichten. Die einzelnen Körperteile fallen ins Lot. Der Körper wird zur dynamischen Einheit.
Auf der energetischen Ebene werden die einzelnen Zellen vernetzt. Es entsteht ein vernetztes Kommunikationssystem und ein freier Fluss darin. Die körpernahen Energien, die wir, bzw. die Chinesen, unter Qi und Jing zusammenfassen, die subtileren Energien, die wir (bzw. ich) innere Potenziale nennen, und die Energie des spirituellen Geistes verbinden sich zu einer lebendigen Ganzheit von Körper, Mensch und Himmel, von Erde, Seele und Grossem Geist, von Himmel und Erde und einem dynamisch-interaktiven Wesen, das dies verkörpert.
Wenn wir so fallen, und dazu braucht es Vertrauen, fallen wir in unser eigentliches Wesen - und siehe, es war gut. Und wir fallen in das, was jenseits unseres Wesens ist, und gleichzeitig, was unser Wesen, unsere Intention, unsere Energie, unseren Körper ganz durchdringt und nichts anderes ist als all das.
Das alles ist keine grosse Sache, sondern der ganz natürliche Zustand. Wenn wir ihm nicht im Wege stehen. Und auch das Im-Weg-Stehen gehört zum ganz natürlichen Zustand.
Was ist Taiji? "Ooch, no big deal, man lässt einfach immer mehr Unnötiges weg."
"Ach, und wer entscheidet, was unnötig ist?"
"Niemand. Es zeigt sich."
Gleichgewicht entsteht nicht durch Nivellierung, sondern durch freie, kreative Dynamik.
Eine lebendige Verbindung von Himmel und Erde zu sein, das bedeutet auf der einen Ebene oben und unten zu verbinden, vielmehr jedoch, Leere und Form, Nicht-Manifestation und Manifestation, Wuji und Taiji, Nirvana und Samsara, Geist (spirit) und Körper zu verbinden.
Und: Wir verbinden nicht, wir realisieren nur das Unvermeidliche - die Nicht-Zweiheit. Es ist, als würde jemand seine Brille suchen, bis er merkt, dass er sie auf der Nase trägt: "Ach, da ist sie ja." No big deal.
Als erstes, wenn wir uns wirklich mit Taiji befassen, sollten wir uns vergegenwärtigen, was Harmonie tatsächlich bedeutet.
Als zweites sollten wir diese Erkenntnis in aller Konsequenz leben. Das ist Taiji.
Grossartig am Taiji ist seine Art der Transformation durch Integration. Wir können uns nicht energetischen Ebenen zuwenden und die körperliche vernachlässigen. Wir können uns nicht intentionalen Ebenen zuwenden und dabei die energetischen vergessen etc. Wir können uns nicht in Spiritualität flüchten, um der Realität zu entfliehen. Das macht Taiji unschätzbar wertvoll.
Ob die Tradition des Taiji (zumindest im Westen) eines Tages verschwinden wird? Ich halte es für möglich (aber nicht zwingend). Einerseits ist die Verflachung frappant. Andererseits ist Integration essentiell. Beide Tendenzen können dazu führen, dass Traditionen verschwinden.
Warum ahmen die Menschen einen Meister nach, statt das zu suchen, was er gesucht hat - die eigene Essenz, die eigene Bestimmung - und statt das zu verwirklichen, was er verwirklicht hat - das ureigene Potenzial?
Vielleicht ist die Frage falsch gestellt. Ich sollte vielleicht fragen: Warum vermitteln so viele Meister ihre eigenen Entdeckungen an andere, statt sie zu lehren, selber zu entdecken?
Vielleicht nimmt der Meister sich zu wichtig?
Vielleicht ist er sich nicht bewusst, was er tut?
Vielleicht beides, oder nichts von beidem?
Meine jetzigen Notizen mögen etwas abstrakt erscheinen. Mit einer guten Portion Übung und Erfahrung sind sie jedoch konkret nachvollziehbar.
Sie entstehen durch Push Hands und erfüllen Push Hands.
Sie entstehen durch das Leben und erfüllen das Leben.
Der Weg:
erfahre dich durch den Körper,
erfahre dich durch die Psyche,
erfahre dich durch die Seele,
erfahre dich durch den Geist.
Danach lass jegliches Konzept von dir los.
Immer und immer wieder.
Auf Taiji bezogen:
Erfahre dich durch die körperliche Ebene,
die energetische,
die intentionale
die kausale.
Dann lass jegliches Konzept von dir
und von Taiji los.
Immer wieder.
Dynamik entsteht durch Herausforderung.
Nicht durch Überforderung, nicht durch Unterforderung.
Flüssige Bewegungen, aber keine überflüssigen Bewegungen.
Das gilt für Form, Qigong, freie Bewegung, Push Hands - das gesamte Spektrum.
Techniken im Push Hands sind verhängnisvoll. Denn sie sind durchschaubar. "Techniken anwenden" klappt also nicht - das heißt nicht, dass man sie nicht übt. Schlussendlich gibt es jedoch nur Fülle, Präsenz und Kontakt.
IET heißt Intentions- und Energietraining, also ins Chinesische zurück übersetzt Yiqong und Qigong. Jahrelange Erfahrungen im Unterricht haben gezeigt, dass die Kultivation von Energie (und damit einhergehender körperlicher Flexibilität und Vitalität) und die Kultivation innerer Klarheit weder zu trennen sind, noch es sinnvoll ist, einen dieser Aspekte im Unterricht zu vernachlässigen.
IET ist nun ein ganz einfaches Übungssystem, das sowohl in sich geschlossen dieses gesamte Spektrum kultiviert, als auch offen ist für die Einbettung in andere Übungen, andere Stile, andere Bewegungskünste usw.
Wenn du Taiji siehst, töte es!
Ich gebe den Kommentar wohl am besten gleich selbst dazu...
Wenn du "Taiji siehst", siehst du ein Konzept. Taiji ist kein Konzept.
"Was ist es dann?"
"Töte es!"
Taijiquan ist die Verkörperung (quan) des Taiji. Taiji ist die Dynamik von Yin und Yang. Das Taiji-Symbol zeigt den absoluten Idealzustand eines dynamischen Gleichgewichtes in völliger Symmetrie. Dieser Zustand wird, so wage ich zu behaupten, nirgendwo im Universum jemals erreicht, jedenfalls nicht solange, wie es existiert. Es gilt diesen Zustand anzustreben, doch erreicht wird er nicht.
Das ist keine philosophische Spekulation, obwohl es ein Leichtes ist, eine daraus zu machen, sondern die Beobachtung des tatsächlichen Lebens.
Durch ihre Gegensätzlichkeit ziehen sich Yin und Yang an. Gleichzeitig ist da auch immer ein potenzieller Konflikt. Das Yang braucht die Fülle des Yin, das Spektrum, die ganze Blumenwiese mit den tausenden von Blumen und ihren Düften und Farben, um heil (also ganz) zu werden. Das Yin braucht die gerichtete Präsenz, die Intention, die Missionskraft des Yang, um heil zu werden.
Yang strebt immer der Leere zu, der Stille, dem Tod. Yin nimmt hingegen auf, nährt, gebärt. Diese Gegensätzlichkeit ist immer auch Konfliktstoff, so wie "Harmonia" die Tochter der Liebesgöttin Aphrodite und des Kriegsgott Ares ist. (Nebenbei waren die beiden aber nicht etwa ein Paar, sondern Aphrodite hatte ihren Mann Hephaistos betrogen. Harmonia wurde also in einer hochpotenziellen Konfliktsituation erschaffen).
Das "Ziel" des Taijiquan als die Verkörperung des Taiji kann also erstens nicht sein, in einen Scheinfrieden immerwährenden Wohlklanges zu versinken, damit würde die Dynamik ersterben. Ziel kann aber auch nicht sein, den Idealzustand des Taijisymbols zu erreichen, denn diesen gibt es nicht. Die Folge ist Enttäuschung und Resignation. Die einzige Schlussfolgerung, die uns also bleibt, ist, dass Taiji uns mehr und mehr befähigt, die Dynamik zu verkörpern, die potenziellen Konflikte zu umfassen, zu halten, damit umzugehen.
Jeder, der auf einer Reise ist, die das eigene Menschsein beinhaltet, kann bestätigen, dass das Leben nicht einfacher wird, wenn man sich mit sich selbst beschäftigt, wenn man Potenzial verwirklicht, wenn man Yin und Yang in sich und um sich differenziert und integriert. Das Leben wird intensiver, vielschichtiger, dynamischer, als es im naiven Urzustand war. Und gleichzeitig, und das ist der Punkt, steigert sich die Fähigkeit, diese Fülle, diese Intensivität, diese Tiefe, diese Weite zu verkörpern, zu umfassen, zu leben.
Je klarer wir im Taiji Yin und Yang differenzieren, je klarer wir dadurch uns selber erfahren, desto mehr fördern wir diesen Prozess.
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Nicht einmal der Zen-Meister malt eine Kalligrafie ohne Intention. Oftmals wird gerade in östlichen Traditionen die Absichtslosigkeit betont. Doch Absicht und Intention sind nicht dasselbe. Der Zen-Meister malt nicht ein Bild oder schiesst einen Pfeil oder spielt auf seiner Flöte, um etwas damit zu bewirken. Es ist vielmehr eine Praxis, durch die der Geist durch ihn und sein einzigartiges Wesen sich manifestiert. Es ist eine Intention vorhanden, es ist ein Wesen vorhanden, und es ist der Geist vorhanden, der sich durch das Wesen manifestiert. Ein Haiku von Basho ist zutiefst von seinem Wesen geprägt, und das ist es, was uns darin so berührt, diese Reinheit des Wesens, nicht etwas irgendeine absichtslose Leere jenseits jeden Wesens, das lediglich ein Faktum von sich gibt. Es ist das Transpersonale, das uns darin so berührt, nicht das Nicht-Personale. Sonst müsste uns eine Gebrauchsanweisung einer Kaffeemaschine zutiefst spirituell erfüllen. Das Transpersonale umfasst das Wesen und damit auch die Persönlichkeit, und stellt es in einen grösseren Kontext.
Man kann rein physiologische (gar nicht zu reden von energetischen) Aspekte vermystifizieren, so wie man geistige Aspekte auf Physiologie zu reduzieren können meint.