Wie lasse ich los?
LaoDao: Hier zwei kurze und eine lange Antwort. Die kurzen:
Sei zufrieden mit dem, was ist, statt dir zu wünschen, was sein könnte und sein sollte.
Sei geduldig mit dir.
Die lange Antwort: Was denn? Was willst du denn genau loslassen? Es ist wie das Erwachen ohne Wecker - es geschieht. Das soll dich aber nicht daran hindern, zu entspannen, bis es loslässt. In einer gewissen Weise sind entspannen und loslassen sogar miteinender verknüpft, ja, durchaus, obwohl ich einen linearen, kausalen Zusammenhang nicht herstellen würde. Nun denn, wohlan dem so sei es trotzdem, es gibt also viele Arten, loszulassen. Loslassen geschieht, wenn Differenzierung und Integration geschieht. Loslassen geschieht, wenn du dich dem Grösseren öffnest. Loslassen geschieht, wenn du die Vorstellung von Loslassen und Nicht-Loslassen loslässt.
Loslassen geschieht, indem du erkennst.
Auf der körperlichen Ebene kannst du loslassen, wenn die Struktur stimmt - das Skelett, sozusagen. Becken fallen lassen, indem du in die Knie gehst und diese nach vorne bringst. Die Wirbelsäule aufrichten, als wäre sie ein am Himmel befestigtes Seil.
Auf der Ebene der Intention, des Verstandes und der Energie (Emotionen und Lebensenergie), der ganze Bereich, der im Englischen mit mind übersetzt wird, lässt du ebenso durch richtige Struktur los. Struktur haben die Intention und der Verstand. Ist dein Verständnis klar? Das heißt: Nimmst du die Dinge, Menschen und inneren und äußeren Ereignisse so wahr, wie sie sind, oder so, wie du die wahrnehmen möchtest? Siehst du Konflikte, wo keine sind? Hörst du Stimmen, wo keine sind? Nimmst du Vergangenheit wahr, statt die Gegenwart unmittelbar zu erkennen? Muss das Wahrgenommene durch ein internes Spiegellabyrinth, und kommt es verzerrt bei dir an?
Was ist deine Intention? Intention hat mit Klarheit zu tun. Schaffe Klarheit, indem du verwesentlichst. Du verwesentlichst, indem du erkennst, differenzierst, aussortierst und integrierst.
Durch die Klarheit der Intention und des Verstandes werden dein Wirken und deine Wahrnehmung klar. Dadurch werden deine Emotionen klar und deine Lebensenergie voll. Durch mehr Energie kannst du mehr loslassen.
Nimm dich zurück, ohne den Kontakt zu verlieren. Unterbreche das Involviertsein, ohne die Verbindung zu unterbrechen. Frage dich: Wer ist involviert? Wer will loslassen?
Es war einmal ein Mann, der fand seine Brille nicht. Weißt du, warum nicht? Weil er sie auf seinem Kopf trug! Eine unglaublich aufregende Geschichte, nicht wahr? Manchmal müssen wir nichts finden, weil es schon da ist. Wir müssen nur realisieren, dass es schon da ist. Manchmal müssen wir nur einen Schritt zurücktreten, um etwas zu finden.
Wer sagt, loslassen sei einfach? Das nächste Mal, wenn dir das jemand sagt, ziehst du ihm an den Haaren und fragst ihn, ob er sie nicht loslassen wolle, und der ganze Schmerz komme nur von der Anhaftung.
Wer sagt, loslassen sei schwierig? Das nächste Mal, wenn dir das jemand sagt, gibst du ihm eine Ohrfeige und sagst ihm, es sei jetzt aber nicht schwierig gewesen, deine Hand loszulassen.
Ach, weißt du, man sagt ja immer, wie hochkomplex unser Gehirn sei, und wie wenig wir es nutzen. Wenn du mich fragst, ist es vor allem ein komplexer, großer, dummer Filter, den wir zum Schweigen bringen müssen, um Gott oder das Dao zu erkennen.
Wie kann Dynamik in einer Gruppe entstehen, ohne dass jemand die Führung übernimmt?
LaoDao: Ich finde deine Frage sehr gut und wichtig. Sie ist aber auch sehr komplex. Alles, was mit Gruppenenergie zu tun hat, ist sehr komplex. Darum gebe ich dir zwei Antworten darauf, eine kurze, und eine etwas längere. Ok?
Die kurze Antwort auf die Frage, wie eine Dynamik aufkommen kann, ohne dass jemand die Führung übernimmt, ist: durch zuhören, annehmen, aufeinander eingehen. Wenn eine Gruppe dies nicht kann, zeigt sich dies sehr schnell darin, dass sie ein Alphatier braucht. Es ist viel schwerer, zuzuhören, anzunehmen und aufeinander einzugehen, als einfach seine Meinung kund zu tun.
Das ist die kurze Antwort, nicht wahr, ja? Ich hatte einmal einen Onkel, Ni Hao Wu Ming aus dem Dorf Yinyi Lang Dang im Bezirk Gu Shen, ein Schüler des berühmten Lu Chi An Wu Dao Hsing, der jede Antwort mit "zuhören" beantwortete. Ich habe ihn also als Kind vielleicht gefragt: "Was machen die Bienen, wenn sie summen?", oder "Was macht der Regen, wenn er tropft?" oder "Was macht das Wasser, wenn es träumt?" und ich bekam immer dieselbe Antwort. Also, mein Onkel hätte noch eine kürzere Antwort gehabt als ich eben, er möge mir dies verzeihen, bis zu seinem Grad der Meisterschaft habe ich es nicht gebracht, trotz seiner vorzüglichen Schulung.
Die zweite, etwas längere Antwort, will ich folgendermaßen beginnen: Wie kann in einer Gruppe nicht eine selbstorganisierende Dynamik entstehen? Weshalb verbinden sich Atome zu Molekülen, und diese zu Zellen, und diese zu Organismen? Wie bewegt sich ein Vogelschwarm mit hunderten von Vögeln, wenn er plötzlich die Richtung wechselt?
Tatsache ist, dem Universum haftet nichts, aber auch gar nichts Individuelles an. Was eine Gruppe daran hindert, zu einem selbstorganisierenden Organismus zu werden, ist die Illusion, man sei keine Gruppe - und das daraus resultierende egozentrische Verhalten. Sowohl diejenigen, die es lieben, sich zuzuhören, als auch diejenigen, die die Rolle des Alphatieres übernehmen, handeln aus dieser Egozentrik heraus - und sogar diejenigen, die sich zurückziehen.
Man kann sagen, dass zuhören und annehmen manchmal nichts nützt, wenn sich auch nur einer aus der Gruppe zu gerne selber zuhört. Das stimmt teilweise. Es stimmt in dem Sinn, dass ausschliessliches Zuhören nicht hilft. Zuzuhören und anzunehmen heißt ja nicht, nicht einmal einen Impuls geben zu können und einen Narzissten auf seine Selbstverliebtheit aufmerksam machen zu dürfen. Deswegen wird man nicht zum Alphatier, nein, man wird Teil der Dynamik. Zuhören und annehmen heißt nicht, unbedingt einverstanden zu sein oder nichts darauf antworten zu dürfen.
Chaos enthält Ordnung. Diese offenbart sich nur, wenn wir das Chaos zulassen. Lassen wir Chaos nicht zu, verneinen wir die selbstorganisierenden Kräfte und somit die Kreativität des Moments. Vielleicht lassen wir das Chaos nicht zu, weil wir keine wahre Einsicht in das Wesen von Chaos haben. Oder wir können es nicht halten, es ist zu viel für unser Nervensystem.
Die Frage nach Gruppendynamik, die aus sich selbst entsteht und Größeres schafft, ist insofern so sehr wichtig, weil der Schlüssel dazu der Schritt aus der Egozentrik ist. Statt egozentrisch zu handeln, was immer Trennung und Isolation bedeutet, geht es darum, zu einem tieferen Selbst zu erwachen, zu einer soziozentrischen (wörtl. übersetzt etwa: Gruppen-Dantian, Anm. d. Ü.) Sichtweise der Dinge. Seltsame Worte für eine alten Chinesen, nicht wahr? Und ohnehin - wie macht man das?
Man könnte sagen: Lass deine egozentrische Weltsicht los! Womit wir beim Loslassen wären. Wie lässt man los? Man kann nur loslassen, was man erkennt. Der erste Schritt ist also, die eigene egozentrische Sicht zu erkennen - was schon einen Schritt aus der eigenen Egozentrik erfordert, paradoxerweise. Doch es wird dir nicht sehr schwer fallen, wenn du dich, nach einer, sagen wir, missglückten Gruppendynamik genau betrachtest und dich fragst, was dein Anteil an der missglückten Dynamik war. Hast du dich nicht eingebracht, hast du dich zurückgenommen, hast du nicht zugehört, hast du Unnötiges gesagt, hast du die anderen nicht wahrgenommen, hast du eine Führerrolle übernommen, hast du dich ab den anderen aufgeregt, ohne ihnen einen Impuls zu geben, usw. Es geht nicht ohne Selbsterkenntnis, nein, ohne die geht es einfach nicht! Es ist immer sehr leicht, die anderen verantwortlich zu machen. Doch die Welt ist nie so, wie wir sie gerne hätten. Das hindert uns jedoch nicht daran, darin zu fließen, das liegt ganz alleine an uns.
Man könnte auch sagen: Erwache zu einem grösseren Selbst, das integriert, statt zu isolieren! Womit wir beim Erwachen wären. Wenn du schläfst, und erwachst, wie machst du das, so ganz ohne Wecker? Es passiert ganz einfach. Du tust nichts bewusst dazu. Ja, das ist ein wichtiger Teil. Doch das heißt nicht, den Egozentriker rauszuhängen und zu sagen: "Eines Tages erwache ich, wenn die Zeit da ist." Solange man nicht erwacht ist, kann man immerhin sich damit beschäftigen, ein angenehmer Egozentriker zu sein.
Sich in eine Gruppendynamik einzugeben heißt eben gerade nicht, Verantwortung abzugeben - an die Gruppe, an einen Führer, oder an die Dynamik - sondern die gemeinsame Verantwortung für das Ganze zu übernehmen.
Wir können gewisse Hürden unserer Zeit nur noch in der und durch die Gemeinschaft lösen. Darum ist das so wichtig.
Es gibt also ein höheres Prinzip, mit dem man sich befassen kann. Bei uns vom Hinterm Berg heißt es Hao Jan Zi Ch'i, der Ausdehnende Geist. Es ist das, was wohlwollend nach Entfaltung strebt. In eurer Kultur ist das die Seele, andere nennen es das authentische Selbst oder das tiefere Psychische.
So wie im Taijiquan natürliche Bewegung entsteht, wenn alle Körperteile ein Ganzes bilden, in dem ein Arm immer noch ein Arm und ein Bein ein Bein ist, aber eben ein integrierter Arm und ein integriertes Bein, wenn sie losgelassen und integriert werden, und wenn die Bewegung aus der Mitte sich entfaltet, so ist es auch bei einer Gruppe. Wenn die einzelnen Teile (Gruppenmitglieder) loslassen (ihre Egozentrik, ihren Narzissmus, nicht aber ihre Identität und ihre Qualitäten) und sich integrieren (einbringen und in Verbindung sind), dann kann aus der gemeinsamen Gruppenseele heraus, aus dem gemeinsamen Dantian, dem Zentrum, dem Herzen des Chaos, eine wundervolle, kreative Ordnung entstehen.
Das muss geübt werden, natürlich. Man hat mir erzählt, ihr im Westen übt das zum Beispiel mit dem Zusammenstellen von Menüplänen, eine für mich sehr amüsante Idee, hihihi… Aber es ist sicher ein gutes Übungsfeld.
Eine aufregende Reise, fürwahr, eine sehr aufregende Reise!
Wo genau befindet sich der Ort der Stille/Leere?
Überall! Die Wolken, das Wasser, der Wind, die Blumen, die Vögel - sie alle Schreien die Stille hinaus!
Du fällst in die Stille, wie ein Tropfen ins Wasser fällt. Du erkennst die Leere als allem innewohnend, so wie du einmal erkannt hast, dass du atmen musst, um zu leben.
Auch innerer und äußerer Lärm kann uns von der Stille nicht trennen. Auch ein volles, hektisches Leben kann uns von der Leere nicht trennen.
Die Leere und die Stille haben keinen Ort, weil alles ihr Ausdruck ist.
Gibt es einen Zustand der Wunschlosigkeit?
Oh ja! Doch solange du dir Wunschlosigkeit wünscht, gibt es ihn natürlich nicht, nicht wahr?
Genauso wenig nützt es dir, deshalb einen Zustand der Nicht-Wunschlosigkeit zu akzeptieren, denn die Akzeptanz trägt den Wunsch nach Veränderung in sich.
Als Richtlinie gilt: Sei glücklich mit dem, was du hast.
Und: Unterscheide zwischen echten Bedürfnissen, unechten Bedürfnissen und Wünschen. Ein Wunsch ist ein (echtes oder unechtes) Bedürfnis, das in die Zukunft projiziert wird. Erfüllung findest du jedoch nie in der Zukunft. Die Gleichung wenn-dann, wenn ich das habe, wenn das passiert, dann bin ich glücklich, ist immer eine Ungleichung. Zufriedenheit zeigt sich im Jetzt. Du fällst in sie hinein. Du wirst von ihr erfüllt.
Was nicht heißt, dass du sie nicht üben und praktizieren kannst, und sie kommt und geht, wie es ihr beliebt, nein! Richte dich auf das Jetzt aus, immer und immer wieder. Das ist die Praxis.
Kannst du mir etwas über das innere Lächeln erzählen?
Wunderbar, wunderbar! Du kannst nicht todernst Lebensenergie und damit Lebensfreude kultivieren. Deshalb ist in der Praxis das innere Lächeln wichtig. Es öffnet, es lässt fließen, es macht kreativ.
Das geht sehr oft vergessen bei fast jeder Praxis, die sich doch eigentlich mit Lebensenergie und Lebensfreude befasst. Im Westen wird tiefsinnig oft mit schwer und ernst gleichgesetzt, doch das ist eine Verknüpfung, die aus kultureller Konditionierung geschieht. Wenn du jedoch wirklich tiefen Menschen begegnest, wirst du auch ihre tiefe Heiterkeit spüren.
Das innere Lächeln soll in deiner Praxis jedoch ebenso wenig aufgesetzt sein wie ein falsches äußeres Lächeln. Erfreue dich am inneren Lächeln, spüre seine Wirkung, und du wirst es nicht mehr vermissen wollen.
Wie weiss ich, ob ich die Dinge, Menschen, inneren und äusseren Ereignisse so wahrnehme, wie sie wirklich sind? Ich werde sie doch immer nur durch meinen Raster sehen können. Du, grosser Meister, siehst sie durch deinen, sicherlich bewussteren Raster. Was ist Wirklichkeit?
Redest du mit mir?
Ja.
Oh! Wo ist denn hier ein großer Meister? Haha! (Schaut um sich, über sich, hinter sich, unter seine Füße.) Ich jedenfalls bin nur ein klitzekleiner Chinese, der es gerade mal schafft, seinen Hut durch die Gegend zu tragen.
Aber lassen wir das. Was heißt wirklich, was heißt Wirklichkeit? Wie willst du die Dinge und Ereignisse innen und außen nicht wahrnehmen, wie sie sind? Wie willst du den Mond als Quadrat wahrnehmen? Wie willst du Ärger als Freude wahrnehmen? Wie willst du deine Zweifel über die Wirklichkeit deiner Wahrnehmung nicht wahrnehmen?
Wie spiegelt das Wasser den Baum an seinem Ufer? Ist die Spiegelung des Baumes der Baum? Behauptet dies irgendjemand? Der Baum etwa? Oder gar das Wasser? Oder sonst jemand? Ist die Spiegelung subjektiv? Ist sie Interpretation? Oder nicht vielmehr nackte Poesie? Sind die Vögel auf dem Baum, die unentwegt die Wahrheit herausschreien, realer als die Spiegelung der Vögel?
Warum spiegelt das Wasser die Vögel, aber nicht ihren Gesang? Ist das Wasser deshalb selektiv? Folgt es seiner Natur? Behauptet es, den Gesang auch zu spiegeln?
Ist die Stille, die die gespiegelten Vögel aus ihren weit aufgerissenen Spiegelmündern schreien, nicht auch die Wahrheit?
Hat das Wasser eine Wahl? Kann es den Baum von sich aus nicht spiegeln? Hat es einen Einfluss auf die Qualität der Spiegelung, oder sind es nicht eher andere Nicht-Wasser-Einflüsse, die die Spiegelung prägen?
Entschuldige, das waren einige Fragen.
Der Witz ist ja, und es ist ein umwerfender Witz, wenn er einschlägt, dieses Raster auszuschalten. Welches Raster? Denn nicht die Interpretation ist das Problem, sondern ein Anspruch auf die Alleingültigkeit dieser Interpretation! Ein Problem entsteht nur dann, wenn das Wasser der Welt aufzwingen will, die Spiegelung sei der wahre Baum.
Probleme entstehen nur dann, wenn wir der Welt - oder uns selbst! - unsere Wahrnehmung als Wahrheit aufzwingen wollen.
Also zurück zum subjektiven Relativismus? Alles ist Interpretation und subjektiv? Nein, das ist ein trugschlüssiger Kurzschluss! Vielmehr: Alles ist auch Interpretation und subjektiv gefärbt.
Aber es geht noch weiter, dieses ganze Gerede von mir hier gerade jetzt ist immer noch sehr langweilig, weil oberflächlich. Es ist ganz einfach: Es gibt keine getrennten Dinge. Es gibt nicht nur einen Wahrnehmer, und ein Wahrgenommenes. Es gibt die Beziehung zwischen den beiden, und die ist, was auch wahrgenommen wird!
Sobald ich die rein wissenschaftliche Ebene verlasse, und mich nicht mehr darauf beschränke, Chemie und Physik von Wasserspiegelungen und Wasser und Bäumen abzuliefern, entsteht eine Beziehung. Das Problem ist nur, diese Beziehung nicht zu erkennen, denn dann projizierst du die Wahrnehmung der Beziehung auf das Objekt.
Die Wirklichkeit ist dieses Ganze. Es ist das Ich (die Wahrnehmende), das Es (das Wahrgenommene) und das Wir (die Beziehung). Behalte das im Bewusstsein.
Was weißt du über das Qi und seine Beziehung zu den verschiedenen Schwingungsebenen der Aura? Ist Qi die Grundenergie, die sich in den verschiedenen Aurakörpern in unterschiedlicher Schwingung manifestiert? Sind wir in diesem Sinne ein Art Qi-Prisma das die Grundenergie in verschiedene Schwingungen transformiert?
In diesem Fall hat das Qi der Erde das wir beim Qigong durch uns fließen lassen eine bestimmte Schwingung, und wechselt diese im Körper je nach bedarf? Oder ist es ganz anders?!
Nun, mein Lieber, ich würde an dieser Stelle sehr gerne ein Gedicht rezitieren, aber mir fällt gerade keines ein. Darum ist es nun unausweichlich, eine etwas ausführliche Antwort darzubringen. Wir müssen hier, ohne zu intelligent zu wirken, die Sachlage etwas differenziert betrachten und dann zu einigen messerscharfen Schlüssen kommen.
Zum einen denke ich, dass wir die Begriffe zuerst einmal etwas genauer definieren sollten. Was ist Qi? Qi ist Lebensenergie, Energie. Das Qi in unserer Leber und das Qi in den Bäumen ist einerseits dasselbe Qi, andererseits auch nicht. Wenn Qi Energie ist, dann ist es dasselbe, und auch dasselbe, das Planeten und Käfer und Autos bewegt. Es klingt furchtbar, aber es ist so - alles in Manifestation ist Qi. Alles Manifestierte ist Energie. Ein Vitamin ist Energie, ein Quark zum Essen und ein Quark als subatomares Teilchen ist Energie, Liebe ist Energie, Bewegung ist Energie.
Nun hat diese Energie aber verschiedene Qualitäten. Ein Stein hat ganz andere Qualitäten als eine Wolke. Die Leberenergie hat eine andere Energie als die Nierenenergie als die Lungenenergie. Das ist sehr nahe liegend, weil Leber und Nieren und Lungen auch verschiedene Funktionen haben. Also noch ein Kriterium? Genauer gesagt müssen wir noch weiter differenzieren. Qualität heißt Dichte, Schwingung, Effekt, Ausdruck, Funktion usw. Wir können uns darauf beschränken, folgende Kriterien hinzuzuziehen: die Chemie (Dichte, Zusammensetzung usw.), den Effekt (auf einen Beobachter oder die Außenwelt), die Schwingung (Frequenz) und - das Bewusstsein.
Dies sind vier Aspekte der Energie, die das gesamte Spektrum umfassen. Ein Beispiel: Wir können verschiedene Zustände des Menschen als verschiedene Arten der Manifestation betrachten. Der Wachzustand des Menschen hat eine bestimmte Chemie (gewisse Neuronen, Hormone, Hirnregionen, die aktiv sind usw.) Der Wachzustand hat einen bestimmten Effekt auf unsere Umwelt, wir sind zu Interaktion und Kommunikation fähig. Er hat eine Schwingung (im Gehirn etwa Beta-Wellen und Alpha-Wellen) und ein Bewusstsein oder Bewusstseinsfeld: Wir nehmen die Außenwelt wahr, Bäume, Steckdosen, Hitze, Autos, Reishütten und Zahnbürsten, alles grobstoffliche Dinge. Wir nehmen im Wachzustand nicht ausschließlich grobstoffliche Dinge wahr (sondern auch z.B. Emotionen, Liebe, Stimmungen), aber wir nehmen grobstoffliche Dinge ausschließlich im Wachzustand wahr. Im Schlaf nehmen wir keine grobstofflichen Flüsse und Bienen mehr wahr, nicht einmal das Bett unter uns und die Decke auf uns. Wir träumen vielleicht von Schiffen und Felsstürzen, aber sie sind nicht grobstofflich.
Der Schlafzustand hat auch wieder eine ganz andere Körperchemie als der Wachzustand, ebenso einen anderen Effekt auf unsere Umwelt und andere Schwingungen des Gehirns. Und der traumlose tiefe Schlaf schließlich hat noch einmal in allen vier Bereichen ganz andere Qualitäten.
Dies alles sind also verschiedene Ausdrucksformen von Energie. Die verschiedenen Schwingungen des aurischen Feldes sind eben das, verschiedene Schwingungen, so wie rot und violett auch ganz einfach verschiedene Frequenzen sind. Wovon? Es ist ja nicht tatsächlich etwas, das schwingt, sondern Schwingung.
Ob wir nun erden oder Energie aus dem Universum beziehen oder aus Obst oder sie anderen Menschen ruchlos abzapfen, die Energie verteilt sich dahin, wo sie gebraucht wird - und nimmt dadurch andere Schwingungen an. Unser Nervensystem ist tatsächlich sehr intelligent, es weiß meist schon, wo es mit neuer Energie hin soll und was es damit machen soll. Darum bin ich kein Vertreter davon, Energie an diese oder jene Stelle zu leiten oder bewusst ihre Frequenz zu ändern, weder im Eigengebrauch des Qigong noch in der Anwendung bei Heilung. denn nicht nur unser Nervensystem ist intelligent - erinnern wir uns, ein Aspekt von Qi ist Bewusstsein. das ist nicht einfach so eine Art Strom, das ist Bewusstsein! Qi ist intelligent! Wir machen also zum Beispiel medizinisches Qigong und führen der Milz Energie in einer bestimmten Farbe zu, aber was wir eigentlich bräuchten, wäre, etwas Energie in die Lösung eines Beziehungsproblems zu stecken, welches der wahre Auslöser unseres momentanen Leidens ist. Nur ist uns das nicht bewusst. Indem wir die Energie lenken, verhindern wir also unter Umständen in bester Absicht, dass der eigentliche tiefere Kern Energie bekommt, und fokussieren auf das oberflächliche Symptom.
Ja, wir sind eine Art Prisma, obwohl das Prisma natürlich auch nichts anderes ist als Qi. Es besteht keine Trennung zwischen Prisma und der Energie, so wie zwischen einer Schwingung und ihrem Klang keine Trennung besteht. Nicht der Klang schwingt, die Schwingung klingt ganz einfach, wenn sie im hörbaren Bereich liegt. Wenn sie noch höher schwingt, beginnt sie zu leuchten.
Unser Körper ist ganz einfach der dichteste Teil des Energiesystems, dessen willkürliche, in unserem Verstand stattfindende scheinbare Abtrennung vom Ganzen wir dann "LaoDao" nennen, oder "Qinesischer Haubentroll" oder "Apfel". So was, nicht wahr? Ganz erstaunlich! Diese Fähigkeit des Verstandes, die Dinge zu zerstückeln!
Nun ist noch etwas Weiteres zu sagen: Wir Chinesen unterscheiden nicht nur viele verschiedene Arten von Qi, sondern auch Qi in Bewegung als Kraft oder spirituelle Energie, Shen. Auch Yi, die Intention, ist schließlich ganz einfach eine Energieform - und wenn es heißt, Yi führe das Qi, dann heißt das, dass die eine Energie die andere leitet. Und eine kleine Zwischenfrage ist dann: Wer oder was leitet die Intention? Wer setzt die Intention, wenn ich eine Intention setze? Aber das nur als kleiner Impuls, das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.
Das Nervensystem hat natürlich eine gewisse Kapazität, Qi in eine andere Schwingung zu transformieren. Das heißt, es hat auch seine Grenzen. Viele Menschen können nicht Nahrungs-Qi in spirituelle Energie umwandeln, weil ihr Nervensystem nicht die Kapazität dazu hat. Deshalb üben wir auch Taiji und Qigong - um diese Kapazität des Transformators für höhere und auch mehr Energie zu erhöhen.
Ist das eine vorläufige Antwort, ja?
Dazu gleich noch eine Frage: Gibt es einen Zustand von dem man sagen kann: jetzt ist die maximale Aufladung mit Qi erreicht (So wie wenn ein Tank voll gefüllt ist)? Oder gibt es keine Grenze, da der Tank sein Fassungsvermögen unendlich steigern kann?
Wir sind, jedenfalls der Teil von uns, der sich manifestiert hat und deshalb auch mit Qi in Kontakt ist, immer endlich. Alles, was wir tun, produzieren, sagen, denken, ist immer endlich. Eines Tages werden dem Dao sei Dank auch diese Worte enden und wieder vergessen werden. Darum auch unsere Kapazität, Qi oder das Universum in uns aufzunehmen.
Da muss ich auch schnell sagen, dass es natürlich möglich ist, sich ins Unendliche auszudehnen, oder das Unendliche in sich zu umfassen, doch dazu ist der Schritt aus jeglicher Dualität erforderlich. Es ist die vollkommene, unmittelbare Erkenntnis, dass die Erkenntnis und der Erkennende dasselbe sind.
Du steigst aus der Identifikation mit dem ausschließlich Materialisierten aus und erschließt damit die Unendlichkeit.
Doch ja, unser Energiesystem hat eine Grenze, Qi fassen zu können. Doch du wirst sehr, sehr lange brauchen, um auch nur irgendwo in die Nähe dieser Grenze zu kommen. Kein Grund zur Sorge also, nicht wahr?
Dieses Fallenlassen der Identifikation mit der Manifestation bringt mich auf einen weiteren Gedanken: Ist das Phänomen Deja-Vue mit dem Sekundenzeigerstillstand beim Meditieren verwandt?
Bitte sehr?
Wenn ich eintauche in die Meditation, und dann die Augen öffne und auf die Uhr vor mir schaue, steht manchmal der Sekundenzeiger still.
Du trittst aus dem Zeit-Raum-Kontext heraus, der eine allgemeine Abmachung ist, und weiter nichts, und dein linearer Verstand verschwindet, ja. Es ist ja tatsächlich so, dass es nichts gibt außer die Gegenwart, alles andere ist lediglich die Fähigkeit des Verstandes, Ereignisse aus der Vergangenheit zu speichern oder sich künftige Ereignisse auszumalen. Aber Vergangenheit oder Zukunft als tatsächliche Gegebenheit, die sich irgendwo im Universum befindet, gibt es nicht. Leuchtet das nicht ein? Was sollte es anderes geben, als das Jetzt? Sogar Erinnerungen an das, was wir Vergangenheit nennen, geschehen im Jetzt, ebenso Projektionen in das, was wir Zukunft nennen.
Nun gibt es aber diese Ereignisse, die eintreffen, und man ist sich sicher, man hat sie schon einmal gesehen oder erlebt. Oder man kann sogar sagen, was als nächstes passieren wird. Oftmals sind dies vage Erinnerungen an einst geschehene Ereignisse oder Worte oder Stimmungen, die aber so vage bleiben, dass man meint, sie seien die aktuelle Situation, welche die Erinnerungen getriggert hat.
Es gibt aber ganz klar auch die wirklichen Deja-Vues, ich selbst erlebe immer wieder, dass ich doppelt im Raum vorhanden bin, weil ich eine Situation zweimal erlebe.
Wie kann das geschehen? Das Universum besteht aus Möglichkeiten. Nichts ist vorherbestimmt. Leute, die behaupten, die Zukunft voraussagen zu können, sei dies metaphysisch oder statistisch, sehen immer nur von der Gegenwart in eine lineare "Zukunft", in der keine Entscheidungen geschehen. Man sieht immer nur bis zur nächsten Entscheidung. Es ist also nicht so, dass man im Schlaf oder einem veränderten Bewusstseinszustand auf der linearen Strasse der Zeit herumreist, um gewisse Stationen später wieder zu erkennen.
Vielmehr ist das Universum, von dem wir in keiner Art und Weise auch nur im Geringsten irgendwie getrennt wären, ein organisches Ganzes, ein lebendiger Organismus, der sich nicht wandelt, sonder Wandel ist. Immerwährende sich entfaltende Gegenwart, als würde sich eine Blume auf ewig entfalten. Und dadurch, dass in dieser unendlichen Gegenwart die unendliche Gegenwart enthalten ist, ist von unserem endlichen Standpunkt aus im Jetzt die so genannte Zukunft schon als Potenzial mit einer gewissen Entfaltungswahrscheinlichkeit enthalten. Das heißt, dass Deja-Vues nicht unbedingt ein Wiedererkennen eines in der Vergangenheit quasi visionär erfassten zukünftigen Ereignisses sein müssen, sondern ganz einfach ein Durchbrechen des linearen Raum-Zeit-Konstruktes und ein Ausbruch in die Multidimensionalität der Gegenwart, in der durchaus zwei Ereignisse, die sich vollkommen ähnlich oder einigermaßen ähnlich sind, zur "selben Zeit" am "selben Ort" passieren können.
Ja, das Stillstehen der Zeit und diese Wiedererkennungseffekte sind insofern miteinander verwandt, als dass sie durch das Durchbrechen der Illusion einer linearen Zeit geschehen.
Uff. Ich glaube, ich brauche fünf Minuten Pause. Und es soll mir keiner sagen, er hätte es vorausgesehen. und es soll auch niemand sagen, der Sekundenzeiger gehe doppelt so schnell wie normal.
Wenn ich mein Gewicht 100% verlagere, was passiert mit der Hand auf der Seite des leeren Beines? Fließt die Energie in den Fingerspitzen der "leeren Seite"?
Mir scheint, du sprichst hier von etwas, das du selber so erfahren hast?
Ja, die Fingerspitzen der Seite des nicht belasteten Beines sind voll von Energie. Ist das so, oder sollte dies nicht sein?
Aha, so dachte ich mir das. Du erzählst mir also etwas, das du erfährst. Und dann fragst du mich, ob das so sei? Hast du es nicht erfahren?
Natürlich kann man sich viele Dinge einbilden. Doch sich körperliche Empfindungen einzubilden, ist doch eher schwierig. Auf jeden Fall hast du eine Wahrnehmung. Wie könnte sie nicht sein, obwohl du wahrnimmst? Das wäre, als würdest du vor einem Berg stehen und sagen: "Ich sehe einen Berg. Ist da ein Berg? Sollte er da sein? Darf ich ihn sehen? Bin ich befähigt dazu?"
Wie nimmst du das, was du Energie nennst, denn wahr?
Als Fülle und ein Pulsieren in den Fingerspitzen.
Fülle und Pulsieren, gut. Das sind, neben Wärme und Kribbeln und einer gesteigerten Präsenz, Zeichen dafür, dass Energie fließt. Wir können deine Wahrnehmung also guten Gewissens als Energiewahrnehmung interpretieren.
Jetzt, warum diese Empfindung auf der Seite des nicht belasteten Beines ist, da gibt es einige Erklärungen. Ich nehme an, das ist ein direktes, wunderbares Resultat der verzweifelten Versuche deines Taiji-Lehrers, die diagonalen Energieverbindungen durch Übungen der Wellenformen zu öffnen. Darum spürst du jetzt Energie in der linken Hand, wenn du rechts stark mit dem Boden verbunden bist, und umgekehrt. Die energetischen Verbindungen sind also gestärkt und offen! Wundervoll! Und noch dazu: Du nimmst das wahr! Wunderbar, also. (Es kann auch vorkommen, dass Dinge offen oder vorhanden sind oder geschehen, und man nimmt sie nicht wahr. Trotzdem sind sie real).
Wenn ihr dann allmählich die Wellenformen rechter Fuß-rechte Hand und linker Fuß-linke Hand noch stärker einbezieht, wirst du wieder neue Wahrnehmungen entdecken.
Lass also diese Wahrnehmungen zu, vertraue ihnen, genieße sie!
Welche Bedeutung misst du dem Stolz zu? Entspringt er einzig aus der Egozentrik oder gibt es auch einen sozialen Stolz? Wie würde sich ein Mensch ohne Stolz verhalten?
Wir sollten wohl zuerst zwei Begriffe klären, Stolz und Egozentrik, bevor wir zum Schluss kommen, dass ich dem Stolz keine wesentliche oder unwesentliche Bedeutung beimesse.
Zuerst zur Egozentrik. Da müssen wir zuerst das Ego definieren, um zu verstehen, was da im Zentrum sein soll.
Für Ego gibt es viele, viele Definitionen. Zwei sollten uns reichen, um damit arbeiten zu können. Erstens bezeichnet Ego die ordnende Funktion, die da macht, dass ich mich von dir unterscheiden kann. Das ist insofern praktisch, als dass ich weiß, dass mich jemand anspricht, wenn mich jemand anspricht. Auch sonst sind dieser ordnenden Instanz so fabelhafte Dinge zu verdanken wie die Erkenntnis, dass mein Körper Sauerkraut nicht so gut verträgt wie Kürbis, oder dass ich genügend Stille brauche, um mich von meinen Worten zu erholen.
Diese ordnende Instanz genannt Ego fällt auch nicht weg, wenn wir von Erleuchtung sprechen. Auch ein erleuchteter Mensch dreht sich um, wenn man ihn mit seinem Namen anredet. Und er hat sogar Vorlieben und Bedürfnisse.
Das Interessante ist nun, und das führt uns zur zweiten Definition, dass diese ordnende Instanz ein Eigenleben entwickeln kann und sich selbst für eine reale Wesenheit hält. Unglaublich, nicht wahr? Wie kann so etwas passieren? Nun gut, das ist eine etwas andere Frage, die ein andermal beantwortet werden soll. Aber ein Staunen ist dieser Vorgang allemal wert.
Es gibt also den Menschen, nennen wir ihn Fred, und dieser Fred ist ein vollendeter Ausdruck des Universums. Fred beginnt in frühen Jahren zu erkennen, dass dieser vollendete Ausdruck des Universums Fred genannt wird, er beginnt, darauf zu reagieren, und er beginnt, seine natürlichen Neigungen und Vorlieben auch Fred zu nennen. Es entsteht quasi ein Fred-Zwei und dieser Fred-Zwei hält auch die Gedanken, die durch Fred fließen, und seinen kreativen Output für von Fred-Zwei hervorgebrachte Gedanken. Fred-Zwei schafft es sogar, Fred vergessen zu machen, und vergisst ihn sogar selber! Und alles, was übrig bleibt, ist Fred-Zwei. Sowas, nicht wahr? Was für ein raffiniertes Spiel! Wie ein Hollywood-Drehbuch!
Es kommt noch dicker! Fred-Zwei entwickelt Aspekte, die Fred gar nie haben konnte, weil er ein unmittelbarer Ausdruck des Nicht-Selbst des Universums war. Fred-Zwei entwickelt Gier, entwickelt Stolz, entwickelt Endlichkeit! Ja!
Warum macht das Fred-Zwei? Einerseits entstehen diese Aspekte ganz von alleine durch die Illusion einer Trennung vom Universum, die ja die Grundlage für Fred-Zweis Dasein bildet. Andererseits entwickelt - unglaublich! - Fred-Zwei eine Art Schaltkreis, um die universale Energie bei sich zu behalten, sich selbst mit seinem eigenen Output zu nähren, statt das Universum damit zu bereichern. Ich nenne das den Ego-Schaltkreis. Statt dass universale Energie durch ein menschliches Prisma fließt und dann sofort weiter auf die universale Leinwand, um ein wunderschönes Bild der Vielfalt zu zeichnen, fließt Energie durch Fred-Zwei und gleich in Fred-Zwei zurück. Dieser Schaltkreis ist wichtig, sonst würde auf die Dauer der Illusion keine Energie mehr zugefügt werden. Sie muss sich selber ernähren. Sie frisst sozusagen ihre eigene vergoldete Scheiße. Narzissmus ist geboren. Nicht nur, dass Narzissmus für Mitmenschen eine höchst lästige Angelegenheit sein kann, er ist vor allem das Produkt einer Illusion, die sich selber nährt. Und damit der wahren Sache nicht förderlich.
Gleichzeitig würde ich Narzissmus und Stolz und all diese Dinge nicht so sehr verurteilen, wie das gerne in selbst ernannten spirituellen Kreisen gemacht wird. Sie sind vielmehr, was sie sind. Solange sie da sind, sind sie da, wenn nicht mehr, dann nicht mehr.
Dieser Narzissmus wird gedämpft, wenn Fred-Zwei bei seinem Heranwachsen lernt, dass er in Ordnung ist. Wir nennen das ein gesundes Selbstvertrauen. Und die Gesamtheit Fred + Fred-Zwei ist glücklicher und wird in späteren Jahren ihr Potenzial (das durch Fred + die ordnende Instanz ohne wesentliches Eigenleben fließt) leben können, wenn auch Fred genährt wird. Dies geschieht durch bedingungslose Liebe, und das ist, was Eltern ihren Kindern geben können.
Teil Zwei dieser unglaublichen Geschichte ist, dass dieser Narzissmus-Kreis durchbrochen werden und die Illusion als solche erkannt werden kann. Auch das ist ein wirklich unglaublicher Vorgang! Bedenken wir, dass die Illusion alles tut, um sich selbst aufrecht zu erhalten! Und plötzlich - bumm! - oder allmählich - hhhhhh - ist sie weg. Das sind die zwei Arten des Erwachens. Das Bumm ist, wie ich es auch schon genannt habe, ein Erwachen ohne Wecker. Es geschieht, wenn die Zeit dafür da ist. Das Hhhh ist ein Erwachen, das mehr durch Expansion geschieht. Und zwar eine unauffällige Expansion von Fred, wodurch Fred-Zwei einen schwindenden Stellenwert im Gesamtkontext kriegt und sich allmählich ganz auflöst. Es gibt Schulen, die streiten sich darüber, ob Bumm oder Hhhh das wahre Erwachen ist. Ich meine, beide haben recht und unrecht, und vor allem ist es belanglos. Wenn jemand wach ist, dann spielt die Art des Erwachens nicht wirklich eine Rolle.
Nun zurück zum Stolz. Stolz ist also eine dieser Eigenschaften des narzisstischen Egos. Sobald du erkennst, dass es keinen Denker deiner Gedanken gibt außer Gott oder das Dao oder das Universum, sobald du erkennst, dass alles, was durch dich entsteht nicht deine Produkte sind, sobald du Zeuge der Kreativität wirst, die sich durch dich entfaltet, statt zu meinen, du seiest ihr Ursprung, fällt jeglicher Stolz weg. Wer sollte worauf stolz sein? Es gibt nur das Universum.
Stolz ist ein Ausdruck dieses sich selbst nährenden Schaltkreises.
Nun erwähnst du den sozialen Stolz. Der Mensch ist kein Einzelwesen, sondern vielmehr ein Atom oder Molekül eines größeren Organismus. Es gibt zum Beispiel den Nationalstolz, eine kollektive Form des Stolzes eines größeren Organismus. Und damit die kollektive Form eines kollektiven Narzissmus. Wie überall gibt es auch davon krankhaftere und weniger krankhafte Formen. Wenn die Sportler deines Landes an einem wichtigen Spiel eine Medaille gewinnen - dann ist Stolz nicht weit. Obwohl - warum bist du dann stolz? Hast du etwas zum Erfolg dieser Menschen beigetragen? Wohl kaum. Warum dann Stolz? Es ist ein rein kollektiver. Wir Chinesen! Wir Schweizer! Wir Amerikaner! Diesen Stolz kann man vermutlich noch nicht narzisstisch nennen, und vielleicht ist Stolz sogar das falsche Wort dafür. Vielleicht wäre Freude der bessere Ausdruck. Genauso kannst du Freude empfinden und auch zeigen, wenn dein Kind eine Leistung erbringt - es laufen lernt, es ein schönes Lied singt oder was auch immer. Ob dies stolz ist, ist davon abhängig, wie sehr diese Freude dich selbst in einem narzisstischen Sinn nährt. Fließt die Freude durch dich zu deinem Kind und weiter ins Universum, oder hältst du dich daran fest, brüstest du dich damit, brauchst du sie zur Rechtfertigung deiner Überzeugungen? Nährt sich Fred-Zwei damit selbst?
Nun, ich sage nicht, du dürfest keinen Stolz empfinden. Wenn du Stolz empfindest, empfinde ihn. Das ist wunderbar! Wenn dein Kind eine Nationalhymne singt und du empfindest Stolz, dann ist das so. Wir können sagen, dass Stolz, wie alle narzisstischen Egofunktionen, mit fortschreitender vertikaler Entwicklung immer kleiner wird. Solange du dich auf einer Ebene befindest, die dich Stolz gegenüber deinem Vaterland empfinden lässt, so wie es zum Beispiel viele Amerikaner tun und ausdrücken, dann ist das so. Es ist, wie es ist. Nicht gut, nicht schlecht. Eine Wertung kann höchstens daraus entstehen, was dieser Stolz oder allgemein der Narzissmus mit seiner Umwelt anrichtet. ja, eine Wertung soll da sogar entstehen! Doch innerhalb der eigenen vier Wände, da darf doch jeder tun und lassen, was er will?
Man kann sich entschließen, sich weiter zu entwickeln und sich etwa von einer nationalistischen auf eine weltzentrische Ebene auszudehnen. Dann erfreust du dich daran, dass sich Menschen an ihren Leistungen erfreuen, seien es Portugiesen oder Chinesen. Doch auf diesen Entschluss kannst du nur stolz sein, solange du nicht erkennst, dass nicht du ihn gefasst hast, sondern er durch dich wirkt.
Ein Mensch ohne Stolz empfindet in Situationen, in denen andere Menschen oder Nationen oder soziale Gruppierungen Stolz empfinden, zum Beispiel Freude, Dankbarkeit, Heiterkeit. Er ist sich bewusst, dass er das Gefäß ist für die Strömungen des Universums, ein Prisma für das göttliche Licht, und nimmt weder Leistungen noch Misserfolge persönlich. Eine Gießkanne ist nicht stolz auf das Wasser, das durch sie Blumen nährt. Ja, ja, natürlich, eine Gießkanne hat gar nicht die Möglichkeit, Stolz zu empfinden! Diese Möglichkeit hat nur Fred-Zwei. Ist Fred-Zwei einmal abgelegt, so wie man einen illusionären Rucksack voll fremdem Gepäck, das niemand vermisst, ablegt, und Fred ist wieder unverhüllt, ist er wie eine Gießkanne - auch er hat keine Möglichkeit mehr, Stolz zu empfinden, auch wenn er die kognitive Fähigkeit dazu im Gegensatz zu einer Gießkanne durchaus hätte. Aber Mitgefühl, Freude, Dankbarkeit kann er empfinden. Genauso wie Schmerz und Traurigkeit, doch niemals Gram gegen sich selbst.
Ich bin nicht stolz auf diese Worte. Sie sind weder sonderlich klar, noch sonderlich einleuchtend, noch sonderlich hilfreich. Das liegt im Wesen der Sache. Doch vor allem sind sie nicht von mir. Eine Frage kommt, eine Antwort kommt. Die Frage geht, die Antwort geht.
Braucht man den Verstand? Ist er lebensnotwendig?
Wer fragt hier? Wer will das wissen? Hahaha! Umwerfend, nicht wahr? Der Verstand fragt, ob er gebraucht wird! Möchte er in die Ferien? Ist er sich seiner selbst müde? Oder meint er, er könne abtreten weil er nicht gut genug sei?
Die Frage ist zuerst: Was ist der Verstand? Ist darunter die ordnende Egofunktion gemeint? Oder die kognitive Intelligenz? Oder meinst du ganz einfach das Verstehen? Rationales? Intuitives?
Wenn du damit die ordnende Instanz meinst, die dem Geist-in-Aktion-Organismus-in-aktueller-Manifestation-genannt-Laodao hilft, sich als kleiner Chinese mit großem Hut in einer kleinen Welt mit großem Universum zurecht zu finden, dann ist diese Instanz entweder überlebensnotwendig oder auf Hilfe eines anderen Geistes-in-Aktion-Organismus-in-aktueller-Manifestation-genannt-Irgendwie angewiesen, auf einen Ersatz-Verstand also.
Wenn du damit deine kognitiven Fähigkeiten meinst, dann ist es in der alltäglichen Welt als geerdete Wesen doch auch wichtig, gewisse Fähigkeiten zu besitzen. Du musst dir den Fahrplan deines Zuges merken können, kontrollieren können, ob die Kassiererin richtig Wechselgeld gibt und so weiter. Nicht wahr?
Ob das Verstehen universaler Zusammenhänge wichtig ist für, sagen wir, spirituelles Erwachen, ist wieder eine andere Frage. Ich habe schon vorher von den Bumm-Schulen und den Hhhh-Schulen gesprochen. Bumm-Schulen befürworten und fördern das plötzliche Erwachen, Hhhh-Schulen das graduelle.
Die Methode der Bumm-Schulen ist es, den Verstand ad absurdum zu führen, mit so intelligenten Fragen wie: "Was war dein Angesicht vor dem Urknall?" Oder: "Wo bist du jenseits des Universums?" Oder ganz einfach: "Was ist die allerdringlichste Aussage?"
Solche Aufgaben dienen nur dem Zweck, den Verstand so an seine Grenzen zu führen, dass die Grenzen des Verstandes erkannt werden - und das, was jenseits des Verstandes ist.
Die Hhhh-Schulen fordern dagegen viel mehr auf, den Verstand bis über die Grenzen des Universums auszudehnen. Nicht, indem mehr und mehr Wissen angesammelt wird, sondern mehr und mehr Verstehen der Vernetzung und Nicht-Zweiheit aller Manifestation und Unmanifestation. Viele Physiker der neueren Zeit zum Beispiel waren/sind auch Mystiker, und zu diesem Zustand sind sie durch Ihren Verstand gekommen.
Wenn wir von verstehen reden, ist die Sache etwas einfacher: Ja, es ist wichtig, gewisse Zusammenhänge zu verstehen, Vernetzungen zu erkennen, sich danach auszurichten. Für spirituelles Wachstum genauso wie für psychologisches. Sonst bleibst du immer in deiner eigenen kleinen Welt gefangen. Doch ob dieses Verstehen intuitiv oder rational geschieht, spielt keine Rolle. Wichtig ist, wahres Verstehen nicht mit dem Verstehen von Worten gleichzusetzen.
Manchmal ist es wichtiger, zu erfahren, als zu verstehen. Andererseits geschieht differenzieren und integrieren durch wirken lassen und verstehen. Zusammenhänge erkennen. Sinn erkennen. Das ist auch Verstehen. Auch das ist wichtig.
Alles geschieht zu seiner Zeit. An einem Tag können wir Hilfe annehmen, an einem anderen nicht. Es geschieht. Wachstum geschieht, sobald wir uns dazu entschließen. Doch der Entschluss geschieht. Jenseits des Verstandes.
Viele Menschen wollen verstehen, aber sie wollen nicht sehen. Sie versuchen, das Außen zu verstehen, doch verschließen die Augen vor sich selbst. Oftmals ist es wichtiger, nach innen zu schauen, um das Außen zu verstehen.
Verstehen, erkennen, hat ganz oft damit zu tun, die volle Verantwortung für sich zu übernehmen. Ehrlich zu sich selbst zu sein.
Doch auch das geschieht, wir können es nicht erzwingen.
Welche Farbe hat Qi?
Welche hättest du denn gerne? Jede, die du willst. Qi ist Qi. Energie ist Energie. Welche Farbe hat der Strom? Der Wind? Die Kraft, die sich als Welle durch den Ozean bewegt? Diejenige Kraft, die dich davor bewahrt, vom Fahrrad zu fallen?
Ich sage jede, die du willst, weil du der Energie mit deiner Intention ganz beliebige Qualitäten geben kannst. Und darum auch Farben. Sobald deine Intention klar ist, kannst du das, und viele andere Sachen, machen. Das braucht man hin und wieder bei Heilungen, jedenfalls nach gewissen Methoden, oder in therapeutischem Qigong.
Dazu ist auch noch zu sagen, dass die Erdenergie natürlich auch von sich aus eine andere Frequenz und damit Farbe hat als zum Beispiel Herzenergie oder Angst oder eine Gedankenform oder ein Hirntumor. Qi erstreckt sich über das gesamte Spektrum des Regenbogens.
Wie erkenne ich, ob ich Schwingungen von anderen Menschen oder meiner Umgebung erhalte, oder ob es meine Projektionen sind? Wie halte ich diese verschiedenen Empfindungen auseinander?
Du meinst diese verschiedenen Wahrnehmungen? Du sagst sehr richtig, es sind verschiedene Empfindungen, und doch fühlen sie sich unter Umständen gleich an! Unglaublich! Da kommt etwas von außen, und es fühlt sich gleich an wie das, was von innen kommt! So was, nicht wahr? Was hat man sich dabei gedacht? Man sollte mal nachfragen, ob da eigentlich kein Update geplant ist, vielleicht würde das einer von euch mal übernehmen, ja? Freundlicherweise?
Danke. Aber bis es uns in einer besseren Version gibt, müssen wir uns mit uns selbst zufrieden geben. Ist ja auch keine so schlechte Sache, eigentlich, wenn man es bedenkt, nicht wahr? Also, trotzdem: Die Frage ist sehr wichtig. Ja, unter Umständen sogar lebenswichtig. Wer war nicht schon einmal verliebt und der Überzeugung, der Auslöser oder die Auslöserin dieser starken Empfindung müsse dasselbe empfinden, anders ginge das ja gar nicht, nur um dann festzustellen, dass das eine ganz gewaltige Projektion war, ein peinlicher Irrtum, ein schmerzlicher Fehler. Als ich in meiner Jugend, also damals, dieses Mädchen, Hu Niu Lang im Reisfeld erblickte, war ich so hin und… Nun ja. Das ist eine andere Geschichte.
Jedenfalls: Es gibt viele Antworten auf diese Frage, und trotz all diesen Worten habe ich dir noch keine gegeben, also will ich das jetzt nachholen. Der sicher wichtigste Punkt, jedenfalls aus meiner bescheidenen Sicht unter meinem Hut hervor, ist, dass du dir eben diese Frage immer und immer wieder stellst! Dass du sie nie vergisst! Dass sie zu einer Grundfrage deines Grundfragenkatalogs wird, immer bereit, zuzupacken, dich zu rütteln und zu schütteln! Ohne, natürlich, ohne das kreative Momentum zu opfern.
Diese Frage kommt aus dem Beobachter und schult den Beobachter. Der Beobachter ist die einzige Konstante in unserem Leben, ob wir jetzt Auto fahren, Häuser bauen, in erotischer Ekstase glühen oder in tiefster Trauer sind, ja, mit Übung sogar, ob wir wach sind, träumen oder im Tiefschlaf oder tiefster Entspannung uns von all dem verabschiedet haben - der Beobachter bleibt. Ganz einfach darum, weil er außerhalb von uns ist - oder besser gesagt, weil er das Einzige ist, was wir tatsächlich sind. Aber das ist ja jetzt nicht so wichtig. Hauptsache ist, dass diese Frage vom Beobachter her kommt.
Nun, wie man innere und äußere Empfindungen unterscheidet, obwohl sich von außen kommende auch innen zeigen. Denn unser Körper ist ja eine wunderbare Antenne für sowohl Inneres als auch Äußeres! Erstens hältst du diese Frage also omnipräsent. Zweitens lernst du deine Art, auf die Dinge und Menschen und Umstände zu reagieren, mit ihnen in Kontakt zu treten, sie abzuwehren, über sie nachzudenken, zu entscheiden, sie zu empfinden im weitesten Sinne, ganz genau kennen. Lerne deine offensichtlichen und subtilen Muster kennen! Wahrnehmungsmuster, Denkmuster, Handlungsmuster, Reaktionsmuster undsoweiterundsofort. Dann kannst du beginnen zu unterscheiden, was von dir kommt, und was von außen. Die Empfindungsqualität bleibt dieselbe, doch so kannst du differenzieren.
Niemand sagt, das sei ein einfacher Weg, aber ich würde auch nicht sagen, er sei schwierig. Und vor allem ist er spannend!
Wie man das lernt, meinst du? Ich glaube, du weißt es… Oder kam das jetzt aus meinem Innern? Kann ich mal ein Glas Wasser haben?
Stimmt es, dass alles in der Natur hierarchisch aufgebaut ist und deshalb auch die Menschen nicht ohne Hierarchie leben können?
Ob das stimmt? Wer hat dir denn das erzählt? Beginnen wir ganz vorne.
Protonen, diese lustigen kleinen Teilchen, haben so kleine noch kleinere Teilchen, ob sie auch noch lustiger sind, weiß ich nicht genau, jedenfalls haben sie einen lustigeren Namen: Quarks, jedenfalls also, zwei davon oben und eines unten, und das Neutron hat zwei davon unten und eines oben. So was. Ist es nicht interessant, dass da Dreierbeziehungen am Werk sind? Was noch lange nicht heißt, dass Dreierbeziehungen im menschlichen Leben im gegenwärtigen Stand seiner Entwicklung auch eine unkomplizierte und fruchtbare Sache wären, nur um auf die Gefahr hinzuweisen, gleich Parallelen zum Menschen aufzuzeigen. Aber wir sind auf einer Reise, also, Protonen und Neutronen, das gibt also den Atomkern, und drum herum schwirren Elektronen (die bis heute nicht aus Quarks und auch sonst aus Nichts-Kleinerem) bestehen, das gibt ein Atom. Atome schließen sich zusammen zu Molekülen, Moleküle zu Zellen, Zellen zu Organismen. So weit, so gut, nicht wahr? Es geht dann sogar noch weiter. Organismen schließen sich zusammen zu Gemeinschaften, Gruppierungen, oder zum Beispiel Nationalitäten usw.
Wir haben hier also tatsächlich ein hierarchisches System. Atome schließen sich nicht zu Hunden zusammen, und Quarks erst recht nicht zu nationalen Gruppierungen. Hunde und nationale Gruppierungen enthalten Atome, doch sie bestehen nicht einfach so aus ihnen. Ich kann lange eine Schachtel mit Atomen schütteln, da kommt nie ein Hund raus, und auch keine nationale Gruppierung mit einem Manifest und einem Rechtssystem, nicht einmal dann, wenn ich sehr lange schüttle.
Genauso besteht ein Text aus Abschnitten, die Abschnitte aus Sätzen, die Sätze aus Wörtern, die Wörter aus Buchstaben, da gibt es nicht viel zu rütteln.
Denn diese Einheiten werden immer komplexer. Worte sind mehr als Buchstaben, Sätze mehr als Wörter. Moleküle umschließen Atome, sind aber mehr als nur Atome, Zellen umschließen Moleküle, Organismen Zellen und so weiter. Ja, sogar ein Haufen Zellen machen noch keinen Hund! Ein Hund ist einfach komplexer als die Ansammlung seiner Zellen.
Warum? Weil die Komplexität immer höher wird, von Stufe zu Stufe. Also können wir sagen, diese Entwicklungsstufen die da aufeinander folgen, das ist eine Hierarchie. Nun hat der Name Hierarchie natürlich so einen mittelalterlichen Beigeschmack, denn er bedeutet ja eigentlich ein Herrschaftsverhältnis. Davon können wir, die dem Mittelalter doch wenigstens zum Teil schon ein wenig entstiegen sind, uns lösen. Denn wir erkennen sofort und messerscharf, dass Moleküle nicht über Atome herrschen, sondern sich in ihnen ja schlussendlich der Atome Sinn entfaltet. Auch herrschen Zellen nicht über Moleküle, und ein Organismus genannt Hund unterdrückt auch nicht seine Zellen in peinigender Knechtschaft.
Wir könnten einen neuen Begriff einführen, der dieses Echo des Mittelalters umschifft, und das wurde auch getan: die Holarchie. Doch statt nun auch noch einen neuen Begriff erklären zu müssen, bleiben wir mal bei der Hierarchie und definieren sie als ein Zunehmen von Komplexität, nicht von Knechtschaft.
In diesem Sinn kannst du als Mensch nicht ohne Hierarchie leben, nicht wahr? Denn dein Organismus ist so aufgebaut. Und nicht nur dein Organismus, selbst dein Geist! Jeder, der schon einmal ein Kind gesehen hat, und ich glaube, das sind viele, hat gemerkt, dass das Kind nicht als fertiger Erwachsener zur Welt kommt. Nein, es entwickelt sich durch verschiedene Stufen hindurch zum Erwachsenen. Wir können diese Stufen menschlicher Entwicklung zum Beispiel vor-egoisch, egoisch oder egozentrisch, und nach-egoisch nennen. Am Anfang hat das Kind kein Bewusstsein seiner selbst, erst durch einen langsamen Ablösungsprozess lernt es, dass es ein von der Mutter getrenntes Wesen ist, und entwickelt eine Identität. Das gipfelt im egozentrischen Stadium, welches dann wiederum sehr lange anhalten kann, weit bis ins Erwachsenenalter. Und die anwachsende Komplexität oder Hierarchie können wir im folgenden Beispiel sehen: Menschen entwickeln sich von egozentrisch (ICH!) zu soziozentrisch (Familie) zu ethnozentrisch (Land, Gruppierung, Rasse etc.) zu weltzentrisch (die Menschheit) zu kosmozentrisch oder integral (der Kosmos als ein lebendiges, vernetztes System zunehmender Komplexitäten). Dies sind Stufen. Niemand springt von egozentrisch zu integral, ohne die anderen Stufen zu durchlaufen. In den verschiedenen Stufen gibt es verschiedene Identifikationsmodelle, und jedes ist komplexer als das Identifikationsmodell der vorherigen Stufe.
Ja, und das ist sogar bei Frauen so! Männer denken ohnehin hierarchisch, also in solchen Stufenmodellen, sie nehmen auseinander, analysieren. Frauen tendieren dazu, vernetzend zu denken, also nicht so sehr in diesen Stufen. Und doch entwickeln sie sich ebenso wie die Männer und alle Lebewesen und der ganze Kosmos in Stufen! Wunderbar, nicht wahr?
Nun, in deiner Frage schwingt, so scheint es mir, noch ein anderes Element mit. Wir haben also gesehen, dass Menschen wie alle Lebewesen sowohl physisch als auch psychisch und sozial sich in Hierarchien entwickeln. Doch das heißt natürlich nicht, dass sie in politischen (oder privaten) Herrschaftssystemen leben müssen. Je nach Entwicklungsstand (egozentrisch, soziozentrisch und ethnozentrisch) fördert das Bewusstsein natürlich ein gesellschaftliches und politisches Herrschaftssystem. Womit wiederum auch gleich gesagt werden muss, dass nicht jeder Mensch, der in einem solchen Herrschaftssystem lebt, sich auf dieser Entwicklungsstufe befindet. Lediglich der Grossteil der Menschen in einem solchen System befindet sich dort. Ebenso ist es ja nicht so, dass jeder Mensch, der in einer demokratischen Welt lebt, welche aus soziozentrischen, ethnozentrischen und weltzentrischen Stufen entsteht, in einer dieser Stufe ist. Es gibt jedoch genug Grund zur Annahme, dass ko-kreative, kollektiv-intelligente Gesellschaftsstrukturen auf einer breiteren Basis möglich sind. Natürlich erst, wenn eine breite Bevölkerungsschicht sich auf dieser Ebene befindet.
Lustigerweise ist also ein nicht-hierarchisches System (wie es die Gesamtheit Hund ja zum Beispiel auch ist), eine logische Stufe im hierarchischen Entwicklungssystem. Bis das auf einer nationalen oder gar globalen Ebene der Fall ist, können wir alles dafür tun, in unserem persönlichen Umfeld, in kleinen, aber offenen Gruppen, in unseren Beziehungen, in unserer Familie, an unserem Arbeitsplatz, in Organisationen, Firmen dieses Bewusstsein zu ermöglichen. Ich sage ermöglichen, und meine damit ermöglichen. Wir können es nicht erzwingen. Aber wir können es mit aller Kraft ermöglichen! Der Mensch muss durch die verschiedenen Entwicklungsstufen hindurch, das muss er, er kann nicht einige überspringen, so wie sich kein Hund explosionsartig aus einer Atom-Versammlung bildet. Das ist was, sage ich dir, diese Entwicklung ermöglichen! Wenn du dich ihr widmest, in dir selbst und deinem Umfeld, wird es dir nie langweilig werden! Und du bist an diesem wunderbaren, wunderbaren Platz, an dem du nichts erzwingen kannst, niemandem deinen Willen aufzwingen kannst, darum auch keine Erwartungen an die anderen - oder dich! - haben kannst, darum niemals enttäuscht wirst, und mit aller Kraft und deinem ganzen Wesen zur Ermöglichung von Evolution beiträgst, und in den schönsten Stunden, in den ergreifendsten Momenten dann erlebst, dass Evolution sich entfaltet, dass Entwicklung aus sich selbst heraus passiert, das Wachstum geschieht, Menschen sich ändern, auf wunderbare, wundersame, wunderschöne Art und Weise, auf wunderlichen Wegen, plötzlich erblühen Blumen, wo vorher nichts war, erwächst Erkenntnis, wo vorher Ignoranz war, erscheint Licht, wo Dunkel war, zeigt sich Richtung, wo Verwirrung waltete, strahlt Liebe, wo Unverständnis war, atmet Freiheit, wo enge Grenzen regierten, ja, und als Zeuge dieser Wunder, ja, Wunder sind es, bist du erfüllt von unendlicher Dankbarkeit und lachst aus vollem Herzen, und du bist dir bewusst, dass auch dies eines dieser Wunder ist, du bist Teil und Ganzes, und du kannst nicht anders, als zu lieben, leidenschaftlich und mitfühlend, die ganze Schöpfung, dankbar, als Teil der Evolution, die Evolution hervorbringt.
Es gibt nichts zu tun. Packen wir's an.
Wie befreie ich mich von sich ständig wiederholenden Reaktionsmustern?
Reaktionsmuster zeigen wir ja auf den verschiedensten Ebenen - körperlich, emotional, mental. Unsere Wahrnehmung läuft in Mustern, unsere Interpretation der Wahrnehmung läuft in Mustern, unsere Umsetzung der Interpretation in eine Reaktion verläuft in Mustern. Beängstigend, nicht wahr? Zumal die Muster im Verhältnis zu dem was tatsächlich ist, willkürlich und irrational erscheinen können.
Ganz gleich, auf welcher Ebene oder in welcher Phase wir ein Reaktionsmuster erkennen, und meistens ist dasselbe Reaktionsmuster nicht nur auf einer Ebene anzutreffen, ist der erste Schritt, dieses bewusst wahrzunehmen. Dann können wir es genauer betrachten, der männliche Geist analysiert es sogar: Wenn das passiert, reagiere ich so und so.
Doch mit der Wahrnehmung und Analyse an sich ist es nicht getan, nicht wahr? Schön zeigt das diese lustige Form im Westen, über sich selber zu reden, die Psychoanalyse und auch viele Formen der Gesprächs-Psychotherapie. Was man da vor allem lernt, ist, über seine Probleme zu reden - doch eine Veränderung ist damit noch keinesfalls garantiert.
Was ist also das fehlende Element, fragt man sich? Vielleicht sind es mehrere Elemente: Der erste Schritt ist meiner Meinung nach, ganz die Verantwortung dafür zu übernehmen. Weder irgendjemandem noch der Vergangenheit die Schuld dafür zuzuschieben, sondern ganz und gar, voll und ganz dafür verantwortlich zu sein. Was dann geschieht, ist, dass man aufhört, sich über die Muster zu nerven, die man zwar erkannt hat, die aber frisch und fröhlich weiter wirken und walten. Damit lässt man von der Opferrolle los. Dann bist du nicht mehr das Opfer eines Musters. Sobald du dich von etwas distanzierst, bist du es nicht mehr. Das ist ein grundlegender Schritt für Veränderung.
Der zweite Schritt ist, eine ganz bewusste Entscheidung zu treffen. Will ich Gefäß für dieses Muster sein, oder will ich das nicht?
Im Falle dass du das nicht willst, wovon ich jetzt mal ausgehe, nicht wahr, ist der dritte Schritt, eine klare Intention zu setzen. Eine klare Intention ist jetzt aber nicht, ganz klar dem Universum mitzuteilen: "Ich will nicht nach diesem Muster handeln. Ich will nicht Gefäß sein für dieses Muster." Denn die fatale Eigenart des Universums ist, dass es das Wörtchen ‹nicht› nicht empfängt. Und dann kommt es verkehrt raus! Es ist ganz wichtig, sich ganz genau klarzumachen, was man will, nicht, was man nicht will. Du sagst dir also zum Beispiel: "Ich will kreativ und frei auf Situationen reagieren können." Oder: "Ich will geerdet und verwurzelt sein, was auch passiert."
Der vierte Schritt ist, dass du deine Intention in den Körper bringst, damit das keine Kopfsache bleibt. Bringe es in den Körper, die Zellen, durchtränke sie damit. Wie man das macht? Stell es dir vor! Stell es dir so lange vor, wie diese Intention in jede Zelle ausstrahlt, bis du es in deinem Körper spürst! Bis sich zum Satz eine körperliche Empfindung einstellt.
Taiji und Qigong und diese wunderbaren Dinge helfen, Intentionen in die Zellen zu bringen. Das ist eine gute Übungspraxis.
Der fünfte Schritt ist, dir sowohl diese Intention als auch das Muster im Bewusstsein zu halten. Wohlgemerkt, du behältst das Muster auch im Bewusstsein, weil wir nicht an der Realität vorbei einfach ein bisschen positiv denken, sondern um unsere Lernerfolge feststellen zu können, aber du nährst das Muster nicht mit Energie. Es darf noch da sein, aber du lädst es nicht zu Tee und Kuchen ein.
Der sechste Schritt ist, geduldig zu sein. Erzwingen wollen bringt nichts.
Der siebte Schritt ist Übung.
Dazu ist auch noch anzufügen, dass das Muster eventuell eine Botschaft ist. Vielleicht ist es ratsam, die Botschaft zu erkennen, dann braucht es den Boten nicht mehr. Wie das geschieht? Lausche achtsam. Achte auf Zeichen, verbal, nonverbal, Körperempfindungen, Gedanken, Bilder, Energieflüsse - weite deine Wahrnehmung.
Sieben Schritte, um ein Müsterchen loszulassen? Eigentlich sogar acht, wenn man das Erkennen des Müsterchens dazu zählt? Ist das nicht ein wenig übertrieben? Das mag man sich hier durchaus fragen. Nun, denn, wohlan, man kann es auch kürzer fassen: Richte dich mit deinem ganzen Wesen darauf aus, Fluss zu werden, Gefäß zu werden, jeden Moment neu erschaffen zu werden, kreative Quelle zu sein. Das klappt auch prima. Wenn es klappt.
Ich versuche folgendes von Meister Nakamura Temp und Chuang Tse zu verstehen:
Die normale Konzentration - Die Dinge führen, der Geist folgt. Der Grund dafür liegt darin, dass wenn der Geist von den Dingen angezogen wird, im Geist Vorstellungen von diesen Dingen entstehen und man in einen unfreien Zustand gerät. Das nennt man "Konfrontation, einen Feind herstellen".
Die andere Möglichkeit -Dharana Dhyana Samadhi- ist: Der Geist wird von den Dingen nicht gestohlen, er führt, die Dinge folgen. In diesem Zustand ist man frei, "Ohne Konfrontation gibt es auch keinen Feind".
Meine Meinung war bisher, dass stets das Denken, der Geist, voran geht und so die Begegnung mit den Dingen entsteht. Vielleicht kannst du mir mit einer Zusatzerläuterung weiter helfen?
Nun, also, gut. Wohlan. Eigentlich wäre es weise, nichts dazu zu sagen, sondern dich zu ein paar einfachen Übungen anzuleiten. Denn nicht Übungen stiften Verwirrung, sondern Gesagtes. Aber ich sage jetzt trotzdem etwas, um die Verwirrung Zukünftiger noch etwas zu unterstützen, vielleicht, wer weiß, jedenfalls in der Hoffnung, dass sich deine Scheinverwirrung löst, denn ja, das ist sie, keine wahre Verwirrung, da du dir die Antwort auf deine Frage schon selbst gegeben hast. Was die Meister hier unter "normaler Konzentration" verstehen, sollten wir vielleicht eher die "allgemein übliche Art der Wahrnehmung und Lebensführung" nennen, denn es ist nicht wirklich eine Konzentration, im Gegenteil, und was ist schon normal? Jedenfalls, diesen Weg, dass die Dinge führen und der Geist folgt, kennen wir alle. Die Werbung führt, der Konsument folgt. Werbung ist nicht das einzige, aber ein gutes Beispiel. Sie stellt eine Welt vor, die nicht existiert, uns aber vorgaukelt, sie sei kaufbar. Wir entwickeln eine Vorstellung von Leben, doch sie orientiert sich nicht am Leben oder der Kultur oder der sozialen Struktur, sondern der Marktwirtschaft. So geraten wir in einen unfreien Zustand, wir sind fremdbestimmt. Daraus ergeben sich früher oder später Konsequenzen, Konflikte, innen und außen.
Die zweite Möglichkeit, die die Meister hier beschreiben, Dharana, Dhyana, Samadhi, ist demnach die Unübliche. Dharana ist die Konzentration, Dhyana die Meditation, Samadhi die Einswerdung. Dieser Gesamtzustand zeigt sich dadurch aus, dass wir weniger re-aktiv werden, weniger fremdbestimmt, mehr zentriert, besonnen. Nun, dies alles ist nur ein Effekt von vielen, die uns diese Dreiheit bescheren. Aber wir konzentrieren uns hier darauf. Es ist dann also durchaus so, dass die Dinge nicht mehr führen, sondern einfach wahrgenommen werden. Der Geist wird nicht mehr von den Dingen gestohlen, weil er in sich ruht. Dann führt der Geist, und die Dinge folgen.
Nun, zu deiner Meinung, ist sie deine Meinung? Woher kommt sie? Wohin führt sie?
Jetzt kommen wir in die unausweichlichen Begriffsdefinitionen, was ist "Denken", was ist "Geist". Dass stets das Denken vorangeht, ist etwas eng gefasst. Denkt ein Baby, denkt ein Meerschweinchen? Auf jeden Fall begegnen sie Dingen, nicht wahr? Windeln und Brüsten und Löwenzahn und Heu. Doch was heißt "begegnen"? Begegnet ein Baby der Brust? Und wenn wir rechnen, wie viel Meerschweinchenzaundraht Hans nun kaufen muss, wenn das Quadrat zur Hypotenuse und so weiter, ist es dieses Denken, das Energie lenkt?
Und was ist "Geist"? Denken ist nicht Geist, sondern eine Funktion des Geistes, des kleinen Geistes, könnten wir sagen, englisch "mind", im Gegensatz zum großen Geist, "spirit". Welcher Geist führt nun? Der kleine, der große?
Und wenn ich nun einen anderen Begriff einführe, den der Intention, dann gilt es diesen zu erklären, warum dass Intention nicht Absicht ist, und so weiter.
Was ich damit will, ist nicht noch mehr Fragen, die ich gerade stellte, beantworten, dies führte hier entschieden zu weit. Darum meinte ich auch, es wäre weiser, nichts zu sagen, doch ich möchte ja nicht so tun, als wäre ich weise, und dich damit an der Nase herumführen. Darum habe ich bis jetzt gesagt, was ich bis jetzt gesagt habe. Doch es zeigt auch ganz schön, dass wenn man einmal zu denken beginnt, das unter Umständen länger dauert, als man es sich wünscht, vor allem über solche etwas feinstofflicheren Dinge. Nicht, dass die Fragen da oben nicht ganz eindeutig zu beantworten wären, doch die Frage ist: Was nützt es?
Darum jetzt etwas, das vielleicht nützt. Achte in deinem Leben darauf, wie viel du agierst, und wie viel du re-agierst. Wie viel du kreativ bist, und wie viel du re-aktiv bist. Re-agieren und re-aktiv sein heißt nicht nur, auf einen Umstand oder eine Person zu re-agieren, sondern oft auch, die Vergangenheit zu re-agieren, also zu wiederholen, als wäre sie präsent.
Stell dir das Leben, jeden einzelnen Minimoment, dich selbst, alle Leute, alle Situationen, alles, als eine sprudelnde Quelle vor (weil dies so ist, übrigens). Alles wird von Moment zu Moment unaufhörlich geschaffen und kann deshalb kreativ gestaltet werden. Beginne, mit jedem einzelnen Moment, in jeder Millisekunde, kreativ zu sein, und es wird keine Konfrontation geben, und damit keinen Feind. Alles wird zum Anlass zu unaufhörlicher, spontaner Kreativität, die sich aus dem gegenwärtigen Moment nährt, nicht aus der Vergangenheit, nicht aus der Hoffnung auf eine Zukunft, die da von alleine kommen möge.
Das ist die ganz einfache Übung, die ich dir zu deiner Frage bieten kann, immer und immer wieder, in jedem Moment.
In der Umgangssprache gibt es eine Redewendung, dass sich Gegensätze anziehen. Aber ein Gesetz des Universums besagt, dass Gleiches Gleiches anzieht.
Was stimmt nun?
Gleich und gleich gesellt sich gern, wenn es um Geselligkeit geht, nicht um Dynamik. Menschen mit gleichen Interessen gesellen sich, mit gleichen Hobbys, mit gleichen Wertesystemen, mit gleichen Denk- oder Wahrnehmungsmustern, um zusammen zu sein.
Wenn es aber um Dynamik geht, um Wachstum, um Evolution und all diese anderen großartigen Dinge, dann braucht es Polarität, Gegensätze.
Wir Menschen brauchen beides. Nur der denkende Verstand teilt auf in entweder-oder. Wir brauchen das Zusammensein, und wir brauchen polare Dynamik. Beides zusammen in einem freien Fliessen macht eine gute Beziehung aus, eine gute Gemeinschaft, in der man sowohl so sein darf, wie man ist, als auch sich verändern darf und soll zu dem, was man sein kann.
Was ist wohl effektiver auf die Dauer: Wenn dir jemand einen Fisch zu essen gibt, oder wenn er dich lehrt, zu fischen? Vergiss vor lauter Fischen die Angel nicht!
Sind Hoffnungen Illusion? Ist das Leben Illusion? Wie entlarve ich sie? Wann nützen sie, wann schaden sie? Kann der Mensch ohne sie leben?
Zuerst zu den Hoffnungen, dann zum Leben. Hoffen ist eine menschliche Fähigkeit. Sie ist nicht entweder-oder. Hoffnung kann das Schiff sein, das dich zur Insel der Illusion bringt. Sie kann aber auch der Rettungsring sein, der dich am Leben erhält.
Ich weiß nicht, ob man Hoffnungen "entlarven" muss. Man kann sich aber genau hinterfragen, ob die Hoffnung Illusion nährt, oder sich an der Realität orientiert. Sei diese auch noch so fern. Und manchmal für den rationalen Verstand auch noch so unmöglich.
Kann der Mensch ohne sie leben? Ich frage: Muss der Mensch ohne sie leben? Sie ist ja nicht a priori schlecht.
Ich würde als einfache Regel vorschlagen: Solange die Hoffnung dich zu Eigenverantwortung führt und zu Eigeninitiative einlädt, ist sie förderlich. Sobald dich die Hoffnung isoliert, von dir selbst, von Freunden, von deinem sozialen Gefüge, von tieferen Gefühlen, ist sie genauer zu betrachten.
Ist das Leben eine Illusion?
Solange du lebst nicht.
Lieber LaoDao, wie begegnest du Menschen, die mit ihrer Religion, ihrem Gott missionieren wollen, davon überzeugt sind, dass ihr Gott der allein-seligmachende auch für dich ist?
Nun, es kommt drauf an. Je nach Lust und Laune. Nicht wahr? Manchmal ist die Frage für mich: MUSS ich diesem Menschen jetzt unbedingt begegnen? Oder kann ich mich distanzieren? Falls dieser Mensch in ein Umfeld gehört, in dem ich mich bewege, kann ich mich fragen: Ist dies das richtige Umfeld für mich?
Falls eine Begegnung unausweichlich oder sinnvoll ist, nützt es manchmal, wenn ich ganz klar sage, dass ich im Moment nicht errettet werden will, vielleicht ein andermal, und dass ich dann auf dich (die absolutistische Person) zukomme, herzlichen Dank für das Mitgefühl.
Wenn wir die Frage noch etwas weiter betrachten und sie formulieren als: Wie begegne ich einer anderen Bewusstseinsstufe, dann ergibt das eine komplexe Antwort, wenn sie umfassend sein soll. Doch meine kleine bescheidene Antwort ist: Ich nehme sie als das an, was sie ist. Ich missioniere nicht selber, sondern finde den wahren Teil darin - jede Bewusstseinsstufe hat einen wahren Kern. Diesen Wert anerkenne ich, diesen Teil in den Ansichten der Person nehme ich ernst. Über diese Wahrheit kann ich mich dann mit der Person wunderbar unterhalten.
Bin ich das Bewusstsein oder bin ich das Gefährt des Bewusstseins? Diese Frage las ich in einem Buch und möchte sie gerne an dich weitergeben.
Als Einleitung möchte ich gerne eine ungemein lustige Geschichte loswerden:
Ein Bewusstseinsexperte wurde gefragt, was Bewusstsein sei. Er antwortete:
"Ich weiss es nicht."
(Pause. Stille.)
Umwerfend, nicht wahr? Ist es nicht?
(Stille.)
Nun, wohlan dem so sei es. Wir müssen wohl zuerst "Bewusstsein" definieren, um zu einer annähernd intelligente Antwort auf diese Frage zu finden, was
ich mir nicht anmasse. Und da nicht einmal der Experte Bewusstsein definieren kann, gestaltet sich die Frage beziehungsweise die Antwort wohl etwas schwierig.
Ich möchte zeigen, wie man an eine solche Frage herantreten kann: Es ist eine Entweder-Oder-Frage. Die erste Frage bei Entweder-Oder-Fragen ist immer, ob wirklich eine Entweder-Oder-Frage vorliegt, oder ob nicht auch eine Sowohl-Als-Auch-Frage möglich wäre. Der denkende Verstand bevorzugt natürlich Entweder-Oder-Antworten, ja und nein, schwarz und weiss. Doch dem denkenden Verstand geht es nicht um Wahrheit, sondern um Sicherheit. Wir wollen hier aber ein Quäntchen Wahrheit herausfiltern, nicht eine vermeintliche Sicherheit. Die Sache mit der Wahrheit ist, dass sie nicht unbedingt auch Sicherheit gibt, noch fühlt sie sich zwangsläufig gut an oder leuchtet ein.
Um zu der Frage zurück zu kommen, ist es so: Wenn mit Bewusstsein das All-Bewusstsein, Wuji, Gott, Gottheit, Lila, der Grosse Geist gemeint ist, dann bist du sowohl das Bewusstsein als auch das Gefährt des Bewusstseins. Denn "All-Bewusstsein" schliesst per definitionem alles ein.
Das ist die erste Antwort. Du bist beides.
Jetzt, in einem zweiten Schritt, müssten wir wohl "Ich" definieren. Nehmen wir hier "Ich" als Person, also ein definierter Organismus mit Körper, Enotionen, Gedanken, Vorlieben etc., und einem Namen wie Thorsten oder Heidehilde oder LaoDao. Wenn wir nun Bewusstsein als All-Bewusstsein in der Manifestation einer Seele definieren, welche nicht mehr ALLES ist, aber auch nicht das Ego oder die Persönlichkeit, und welche allenfalls reinkarniert und so eine Persönlichkeit (inklusive Körper) zwar mitformt, aber diese doch immer wieder wechselt, also von deiner jetzigen Definition von dir selber relativ unabhängig existiert, dann ist "Ich", oder bist du, sicher nicht das Bewusstsein (All-Bewusstsein als Seele), sondern in einem gewissen Sinne das Gefährt.
Das ist die zweite Antwort. Du bist das Gefährt.
Alles klar?
Wir haben also eine Entweder-Oder-Antwort, als auch eine Sowohl-Als-Auch-Antwort.
Schliesslich zielt die Frage darauf ab, ob das Ich isoliert von Gott existiert. Das Ich als LaoDao oder sonstige Definition tut das, ja. (Nun ja, es ist gleichzeitig isoliert als auch in Gott. So wie wir immer im Universum sind,
was wir auch tun, und wie einsam wir uns auch fühlen). Die Definition eines Ich ist eine beliebige Beschränkung Gottes oder des Kosmos auf ein definiertes Individuum, welches dann eine scheinbare Eigendynamik annimmt und scheinbar eigenständig denkt und handelt und fühlt etc. usw. und so fort. Wir können dies das "kleine Ich" nennen. Das "grosse Ich" hingegen ist der ewige Fluss
des Bewusstseins in Gestalt von Thorsten und Heidehilde und LaoDao, und darum grenzenlos. Wir sind sowohl sehr beschränkte als auch grenzenlose Wesen.
Doch die Grenzenlosigkeit muss erfahren werden, sonst ist sie ein blosses Konzept. Und Konzepte sind nicht unbedingt die Grundlage für eine freie, natürliche Entwicklung.
Um eine kurze Antwort noch länger und erschöpflicher zu machen, können wir eine weitere Definition von "Ich" definieren, und zwar das All-Bewusstsein in der Manifestation des Ego, mit all seinen Absonderlichkeiten, Schattenseiten etc. Ist das All-Bewusstsein auch im absonderlichsten Schattenbereich des Menschen? Wenn es allgegenwärtig und alldurchdringend ist, dann muss es ja auch da sein. Oder exakter formuliert: Es ist auch der absonderliche Schatten.
Also, um eine dritte Antwort zu geben, bist du beides und keines zugleich, weil du das Ganze bist. Und dies, obwohl wir "Ich" jetzt anders definiert haben.
Du bist also sowohl ein "Ich" (das Gefährt), als auch ein "Es" (das Bewusstsein) , als auch ein Wir (Nichts von beidem und beides). Lustig, nicht?
Zum Schluss dieser überaus verwirrenden Antwort will ich sagen, dass bewusst-sein dahin führt, wo solche Fragen sich auflösen. Doch der wichtigste Schritt ist, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Obwohl auf einer absoluten Ebene ohnehin alles eins ist und so weiter, fahren wir gut, wenn wir für alles, was wir tun, lassen, sagen, fühlen, denken, die volle Verantwortung
übernehmen. und auch für alles, was sich durch uns denkt, sagt, tut etc. Nicht, weil wir allmächtig sind, sondern weil wir erwachsen sind.
Schau dir das Wort an: er-wachsen. Wie er-kennen. Er-blicken. Alle diese Wörter haben mit einem Bewusstsein zu tun, das bezeugt. Bezeuge deine Gedanken. Bezeuge deine Gefühle. Bezeuge deine Gefühle über deine Gedanken. Bezeuge deine Gedanken über deine Gefühle. So dehnst du dich aus in dich selber.
Und du erkennst: So ist es.
Was ist eine Wertung? Wann ist eine Wahrnehmung eine Wertung?
Also: Eine Wahrnehmung ist eine Wahrnehmung, und eine Wertung ist eine Wertung.
Das ist die kurze und richtigste Antwort. Trotzdem noch ein paar Ausführungen: Man kann die Wertung wahrnehmen, also ist die Wertung an sich keine Wahrnehmung. Wahrnehmung an sich kann sich selbst nicht wahrnehmen. Etwa so, wie Präsenz nicht noch mehr präsent sein kann, oder Wasser noch nasser.
Eine Blume wahrzunehmen ist keine Wertung. Aber, und hier kommt das Aber, die Wertung folgt zugleich. Eine schöne Blume, eine hässliche Blume, eine Ist-Mir-Egal-Blume. Oftmals nehmen wir nicht die Dinge an sich wahr, sondern unsere Wertung davon, und diese Wertung halten wir dann für das Ding an sich.
Verstehst du? Und vielleicht ist es das, was in dir Verwirrung stiftet. Wenn du fragst, ob Wahrnehmung eine Wertung ist, kann man auch so antworten: Deine Wahrnehmung ist subjektiv. Weil deine Wahrnehmung durch dich geschieht, und du ein Subjekt bist, ein einzigartiges Individuum. Wir könnten also auch sagen, deine Wahrnehmung sei einzigartig. Auch das ist richtig. Wir sehen hier vielleicht schön, wie wir sachliche Dinge werten. "Deine Wahrnehmung ist subjektiv" kann sehr schnell einen negativen, etwas herablassenden Beigeschmack bekommen - und zwar durch eine Bewertung, die subjektiv ist. "Deine Wahrnehmung ist einzigartig" ist eine ebenso sachliche Feststellung, doch hat das Ganze schnell einen anerkennenden Touch, nicht wahr?
Deine subjektive Wahrnehmung ist begrenzt. Das liegt in der Natur des Menschen. Sie ist immer auch - nicht ausschließlich, aber auch - eine ganz subjektive Interpretation. Also ist geschieht auch die Wertung aus einer subjektiven, begrenzten, persönlichen Sicht - und auch falls sie mit gegenwärtiger Ethik und Moral und allgemein akzeptierten Verhaltensregeln übereinstimmt, heißt dies noch nicht, dass sie nun mit einer "reinen Wahrnehmung" verwechselt werden sollte und als "Wahrheit" benannt werden darf. Eine Wertung ist keine Wahrheit. Ich sage auch nicht, dass eine Wertung eine Nicht-Wahrheit ist, aber wiederum sollte man Wertung und Wahrheit nicht gleichsetzen, so wie man Wertung und Wahrnehmung nicht gleichsetzen kann.
Wertungen geschehen auf mentaler Ebene ("Arroganter Kerl."), auf emotionaler Ebene ("Er macht mich ganz aufgeregt."), auf energetischer Ebene ("Seine Präsenz fühlt sich bedrohlich an. Ich spüre Schärfe."), auf intuitiver Ebene ("Ich habe ein ganz seltsames Gefühl") usw. Sie können positiv oder negativ sein. Sie können einen kreativen Fluss fördern oder hemmen. Und sie können differenziert wahrgenommen werden.
Es geht wirklich darum, Wahrnehmung und Wertung (und Wahrheit) klar auseinander zu halten.
Wertung ist nicht schlecht. Aber Wertung ist Wertung. Und Wahrnehmung ist Wahrnehmung.
Sobald man beginnt, über Wertungen nachzudenken, beginnt man, sie als solche wahrzunehmen. Dabei werden sie vielleicht ein wenig mehr davon gelöst, für Wahrheiten gehalten zu werden. Wunderbar!
(PS: Ob ich wohl noch kurz auf "Wahrheit" eingehen muss? Wie jedes Wort, das auf -ung,-heit oder -keit endet, ist sie nicht so einfach fassbar, nicht wahr? Wir müssen verschiedene Arten von Wahrheit unterscheiden: Es gibt absolute Wahrheit und subjektive Wahrheit. Absolute Wahrheit gibt es nur im absoluten Bereich, sprich, in dem Bereich, der nicht in der Manifestation ist, also nicht im Taiji, sondern im Wuji. Alles andere ist subjektive Wahrheit. Auch Gedanken, Emotionen, Intuition etc. sind in der Manifestation, also immer auch - nicht ausschließlich - subjektiv. Und nun kommt das Lustige: Wahrnehmung ist absolut, sobald sie das Wahrgenommene als solches erkennt. Wirklich und Wahrhaftig. Das macht das Wahrgenommene nicht absolut, aber die Wahrnehmung ist absolut. Lustig, nicht wahr? Also sind deine Wertungen absolut? Nein!
Deine Wahrnehmung ist es. Je mehr du deine Wahrnehmung weitest, desto mehr erkennst du, was du nicht bist. Du bist nur Wahrnehmung. Aber das muss man erlebt haben, darüber nachdenken bringt nichts. Außer, dass es sich anbietet, das Nachdenken und die Wertungen davon wahrzunehmen.
Noch ein letztes Wörtchen zu Wahrheit: Alles, was du wahrnimmst, ist zur selben Zeit wahr, in der es auch subjektiv ist und vielleicht nichts mit einem "realen" Auslöser zu tun hat.
Wer soll werten, welche Auslöser relevant sind und welche nicht? Wenn du Freude spürst, dann ist diese Freude jetzt und da wahr und präsent, ob sie nun einen kausalen Zusammenhag mit einem Ereignis, das sich jetzt gerade ereignet, oder das sich vor zehn Jahren ereignet hat, oder das sich nur in deiner Phantasie ereignet, oder gar keinen ersichtlichen Grund zu haben scheint. Ebenso mit Ängsten, mit Gedanken etc. Es geht nicht, zu sagen: "Diese Emotion wurde in meiner Kindheit getriggert, und das ist schon lange her, und darum muss ich mir nur klar werden, dass damals damals und heute heute ist, und dass ich heute anders reagieren kann." Das hat auch seinen großen wahren Kern, aber wenn du eine Emotion JETZT spürst, dann ist JETZT die Zeit, sich damit auseinanderzusetzen, sie jetzt zu befreien, indem du sie nicht wegrationalisierst, nicht bewertest, sondern voll und ganz wahrnimmst, oder zumindest, alle Rationalisierungen und Bewertungen auch voll und ganz annimmst.)
Was ist der Grund, dass man eine Person nicht spürt? Zum Beispiel bei einer Umarmung oder bei Push Hands.
Die Antwort ist ganz einfach. Die Person will sich nicht zeigen oder kann sich nicht zeigen. Wir können zwar physisch im Raum sein, aber beliebige Aspekte von uns abkapseln und damit verstecken. Bewusst oder unbewusst. Man muss nur auf der Hut sein, die versteckten Aspekte nicht zu vergessen!
Wie gesagt, das läuft sowohl bewusst als auch unbewusst. Es ist nicht per se schlecht oder gut. Es kann ein sinnvoller Schutzmechanismus sein. Es kann auch verletzend eingesetzt werden. Wieder, bewusst und unbewusst.
Je mehr wir von uns zur Verfügung haben, das heißt bewusst gemacht haben, differenziert und integriert haben, desto mehr haben wir für andere zur Verfügung. Und umgekehrt - je weniger integriert ist, desto weniger können wir einbringen.
Oder aber, um diese Perspektive auch noch zu beleuchten: Es kann sein, dass DU dich verschließt, und die Empfindungen nicht zulässt. Dann spürst du auch nichts von der anderen Person. Weil du dich aber nicht bewusst verschließt, projizierst du dieses Nicht-Spüren auf dein Gegenüber und meinst dann, er sei verschlossen…
Das ist in ungefähr, was ablaufen kann in einer solchen Situation. Im Detail ist dann die Situation von Fall zu Fall zu betrachten.
Sehr geehrter LaoDao, wenn ich ZanZhuang stehe, weiss ich manchmal nicht mehr, wer da eigentlich steht. Wenn ich es aber nicht weiss, wer ist es dann?
Ja, wunderbar!
Das ist die erste Antwort für den sehr geehrten Fragesteller.
Die zweite: Wer weiß nicht, wer da steht? Wer ist dieses Ich, das nicht weiß? Wer ist das Ich, das Nicht-Wissen wahrnimmt? Wer fragt sich, wer da im Nicht-Wissen steht?
Das sind die kurzen Antworten. Lass mich trotzdem noch etwas mehr dazu sagen: Je tiefer du sinkst, je mehr du loslässt, desto mehr Trennungen verschwinden - beziehungsweise die Illusion von Trennung löst sich auf, bis sich auch das Ich auflöst und die Unterscheidung in Wahrnehmenden und Wahrnehmung und Wahrgenommenem nicht mehr existent ist. Dieser Satz birgt in sich viele Abers. Lass ihn mich darum so formulieren, um ein anderes Licht auf die Aussage zu werfen: Je mehr du dich weitest und je mehr du dich integrierst, desto mehr Trennungen verschwinden. Und ich muss sofort ergänzen: Das Ich löst sich nicht wirklich auf. Es macht nur diesen Anschein, wenn wir die Dinge von der ursprünglichen Ebene her betrachten. Genauso wenig löst sich ja dein Körper auf, obwohl dies von der ursprünglichen Ebene betrachtet absolut wahr und richtig ist. Aber während du stehend in einen ursprünglichen Zustand sinkst oder expandierst, in dem es keine Trennung gibt, und somit kein isoliertes Ich oder einen isolierten Körper, kann dich jemand fotografieren, und er wird nicht Nichts oder Alles fotografieren, sondern einen stehenden Menschen. Wir können - ja müssen! - eine wichtige Unterscheidung machen: ich-los und ich-frei. Psychotiker und klitzekleine Babys sind ich-los. Klitzekleine Babys sind wir nicht mehr und werden wir auch nicht wieder werden, und psychotische Zustände sind auch nicht das, was wir erreichen wollen.
Ich-frei heißt, dass du mehr bist als dein kleines Ich.
Es wird während des Sinkens oder der Expansion ausser der Illusion von allgemein gültiger Trennung nichts losgelassen, nicht einmal transformiert, sondern lediglich integriert. Das Ich wird nicht zerstört (was zerstört wird, sind Überidentifikationen mit dem Ich, das Anhaften, das krampfhafte und verzweifelte Festkrallen des Ich an sich selbst, aber diese Zerstörung ergibt sich durch die Einbettung in ein grösseres Ganzes), es wird auch nicht in göttliches Licht transformiert (obwohl es zu leuchten beginnt, jedoch nur dadurch, dass es in das Strahlen des Wuji eingebettet ist, wobei zu sagen ist, dass Wuji an sich nicht strahlt, aber auch nicht nicht-strahlt, dass Wuji-in-Manifestation jedoch strahlt, wobei zu sagen ist, dass natürlich alles Wuji-in-Manifestation ist, das Strahlen jedoch daher kommt, dass eben dies auf möglichst vielen Ebenen bewusst erlebt und gelebt wird, also Wuji-in-Manifestation, welches sich des Wuji [in und ohne Manifestation] bewusst ist, strahlt), sondern es wird integriert, eingebettet in das, was tatsächlich und unausweichlich ist.
So, und jetzt hole ich erst mal Luft. Atmen! Atmen!
Ja, wer steht da eigentlich? Sowohl du selbst mit all deinen Qualitäten und Eigenarten, mit Körper, Psyche, Seele, und gleichzeitig steht da etwas, das sich jeder Definition und auch der Bezeichnung "etwas" entzieht.
Wer sich da fragt, wer da steht, ist der Betrachter oder Zeuge oder Beobachter, welcher ebenso Nicht-Du ist als auch Alles - also auch Du. Diesen Beobachter kannst du weiten und den Fragesteller beobachten.
Lustig, nicht? Ich wünsche dir weiterhin frohes Stehen jenseits jeglicher Konzepte, inklusive beziehungsweise exklusive diesen hier.
Gibt es etwas, was nicht ist?
Sobald etwas etwas ist, ist es. Auch solange Nichts nichts ist, ist es. Und wenn nichts etwas ist, ist es ohnehin. Sobald du daran denkst, ist es.
Ist ein Vakuum? Ein Vakuum, das sich ausgerechnet durch ein Fehlen von etwas auszeichnet? Ja, auch ein Vakuum ist. Ein Quantenvakuum zum Beispiel hat zu allem dazu noch eine ungeheure Energiemenge - ist also nicht etwas, das nicht ist. Dazu ist auch gleich zu sagen, dass das Quantenvakuum in der Manifestation ist, also nicht im Wuji, sondern im Taiji. Sonst liesse es sich nicht errechnen, oder beobachten, oder erahnen. Viele halten das Quantenvakuum für Gott oder das Dao, doch Gottdaowujinirvana lässt sich nicht berechnen. Denn jede Berechnung findet in der Manifestation statt und ist somit Manifestation. Kein Wunder ist das Dao, das man benennen kann, nicht das Dao, und Gott hat auch gewusst, weshalb er den Leuten geraten hat, sich kein Bildnis von ihm zu machen.
Es gibt ja diesen lustigen Sachverhalt der Antimaterie, und sogar die ist. Materie, die explizit nicht ist, ist. Lustig, nicht?
Alles, was in der Manifestation ist, ist. Es muss nicht gleich ein steinharter Stein sein, ein Gedanke, ein Empfinden, eine Ahnung, all dies ist in der Manifestation.
Was jenseits der Manifestation ist, oder inseits, lässt sich nicht beschreiben, weil jegliche Konzepte und Worte Manifestation sind. Das ist, als würdest du mit Bauklötzen eine Sinfonie beschreiben wollen. (Das ist jetzt ein Vergleich in der Manifestation, hinkt also).
Nun denn, sobald - oder spätestens wenn - wir es benennen oder auch nur erahnen, ist es. Da kommt die Frage auf: Wenn ein Mann alleine im Wald etwas ruft, und seine Frau, die nicht da ist, protestiert nicht, hat er dann recht? Oder, wenn irgendwo im All zwei Sterne kollidieren, und niemand weiß davon oder hat etwas gesehen oder gehört, und man hat diese zwei Sterne auch vorher nie gesehen und sieht nun keine Folgen eines Zusammenstosses, existiert das ganze Szenario? Sobald wir uns diese Frage stellen, ja. Zumindest als Option oder Wahrscheinlichkeit oder Potenzial, doch als was auch immer, das ist ganz gleich, weil: Wir als manifestierte, also existierende, seiende Wesen, stellen uns diese Frage, welche eine Ausdrucksform von Manifestation ist.
ist das eine Antwort oder eine Anti-Antwort? Auf alle Fälle existiert sie.
Gibt es eine Frage, auf die es keine Antwort gibt? Wenn ja, wie lautet sie?
Nun, wir müssen da etwas unterscheiden: Es gibt viele Fragen, auf die es keine richtige Antwort gibt, also eigentlich keine Antwort, und es gibt viele Fragen, auf die es nur unvollständige Antworten gibt.
Des Weiteren gibt es Fragen, auf die es nur eine subjektive Antwort gibt, auf die sich Antworten also scheinbar widersprechen können.
Und wir müssen nach dem Sinn von Fragen fragen. (Ob eine solche Frage wohl nach einer Antwort verlangt?)
Fragen, auf die es keine richtige Antwort gibt, sind diejenigen Fragen, die sich mit dem Absoluten befassen, mit Wuji, Gott, dem Numinosen, dem Unbeschreiblichen. Da Wuji absolut ist, Taiji (Manifestation) aber relativ, das heisst unperfekt, sich dauernd wandelnd, und somit auch eine Antwort relativ, weil sich dauernd wandelnd, ganz einfach aus dem Grund, weil sie im Taiji entsteht und vergeht, ist eine Beschreibung des Absoluten immer ein Witz.
Unvollständige Antworten gibt es auf komplexe Fragen, etwa "Was ist Liebe?".
Die Frage nach Liebe lässt sich auch, aber nicht nur, subjektiv beantworten. Viele Materialisten reduzieren Liebe auf Chemie. Auch eine solche Antwort ist in einem gewissen Sinne subjektiv - und widerspricht sich damit selbst, da sie Objektivität beansprucht. Jeder Reduktionismus ist subjektiv und relativistisch. Lustig, nicht?
Und die Frage "Was löst dieses Gemälde in dir aus?" verlangt nach einer gänzlich subjektiven Antwort. Diese Antworten können dann sehr unterschiedlich sein. Und lustigerweise entstehen dann Diskussionen, als sei ein subjektiver Eindruck etwas Objektives, Diskutierbares. Aus einer scheinbar objektiven Perspektive können subjektive Antworten also falsch sein. Das bekommst du bei voreingenommenen Psychologen zum Beispiel zu spüren, wenn du ihnen nicht die Antwort über dein inneres Empfinden lieferst, die sie haben wollen.
Nun, zum Sinn von Fragen, möchte ich dir einen Witz erklären:
Die Struktur dieses Witzes ist eine von Frage und Antwort. Zuerst wird eine wohl nicht alltägliche, doch wohl fragbare Frage gestellt. Darauf wird eine absurde Antwort gegeben. Sie beinhaltet zum einen die scheinbare Tatsache, dass alle Krokodile in der Nähe von Zwetschgenbäumen leben. Des weiteren wird behauptet, dass diese Tiere darunter Schutz suchen, sich nämlich verstecken. (Hier wird auch impliziert, dass alle Krokodile in freier Natur darauf angewiesen sind, sich verstecken zu müssen, eine Behauptung, die dem biologischen Laien vielleicht Fragen wie die folgenden aufwirft: Vor wem? Warum?) Die eigentliche Pointe, der Höhepunkt des Witzes ist nun, dass behauptet wird, Krokodile seien nur darum so flach, weil die Elefanten, die sich in den Zwetschgenbäumen aufhielten, auf sie herunterfielen. Eine absurde Behauptung also, die jeder Grundlage entbehrt und in sich komisch wirkt, weil der Zuhörer unweigerlich darauf verwiesen wird, sich ein Bild von einem Elefanten in einem Zwetschgenbaum zu machen. Daraufhin stellt er sich dann auch noch vor, wie der Elefant auf das Krokodil fällt. Die ganze Antwort an sich gewinnt noch an Reiz, weil sie die Lösung der vorangegangenen Fragestellung darstellt, warum Krokodile flach seien. Ausserdem wird mit dieser Antwort indirekt auch darauf hingewiesen, dass Krokodile nicht flach geboren werden, ein weiteres komisches Moment.
Nun, nach dieser kleinen Einleitung, bist du, falls du mir aufmerksam gefolgt bist, sicher bereit, den Witz zu lesen:
"Warum sind Krokodile so flach?"
"Weil sie sich unter Zwetschgenbäumen verstecken, und dann fallen die Elefanten auf sie."
Na? Hast du gelacht? Nicht? Oder nur ein ganz kleines bisschen? Dabei ist doch der Witz so umwerfend! Anscheinend scheint die vorhergehende Analyse, wenn auch unvollständig, abrissartig, skizzenhaft, dem Witz selbst die Pointe, die Würze, das Überraschungsmoment, die Möglichkeit zur unmittelbaren Erfahrung zu nehmen. Nun ja, versuchen wir es andersherum:
"Warum können sich Elefanten so ausgezeichnet auf Zwetschgenbäumen verstecken?"
"Weil sie blaue Augen haben."
Hast du gelacht, geschmunzelt, einen Laut von dir gegeben oder sonst ein Zeichen der Erregung, das signalisierte, dass du den Witz verstanden hast? Gut! Soll ich ihn noch erklären? Nein, warum auch, du hast ihn ja verstanden.
Hast du nicht gelacht, weil du ihn nicht verstanden, die Pointe offensichtlich nicht erfasst hast? Also, ich will dir den Witz erklären: Er hat wieder die Struktur von Frage und Antwort. Diesmal wird eine schon absurde Frage gestellt. Oder hast du schon jemals einen Elefanten auf einem Zwetschgenbaum gesehen? Oder von jemanden gehört, der einen Elefanten auf einem Zwetschgenbaum gesehen hat? Jeder Biologe wird dir bestätigen, dass diese Frage absurd ist. Elefanten klettern nicht auf Bäume. Auch nicht auf Zwetschgenbäume. Nun weist diese Frage aber nicht nur darauf hin, dass der sie Stellende nicht nur davon ausgeht, dass Elefanten auf Zwetschgenbäume klettern, sondern auch, dass sie auf diesen Bäumen besonders gut getarnt sind. Auch diese Annahme per se, nämlich, dass ein Elefant auf einem Baum gut getarnt sein soll, ist wieder bar jeder vernünftigen Weltanschauung. Die Frage wirft also, abgesehen von weiteren Fragen, die dem Zuhörer unweigerlich im Unbewussten kitzeln - zum Beispiel, wie ein Elefant auf einen Zwetschgenbaum hinaufkommt, oder, wie ein solcher Zwetschgenbaum beschaffen sein muss, um das Gewicht des Elefanten zu tragen - insgesamt ein Bild auf, auf das es rational gar keine oder nur eine falsche Antwort geben kann. Die Antwort indes verblüfft, indem sie die Tarnfähigkeit eines Elefanten auf einem Zwetschgenbaum damit begründet, dass er blaue Augen hat. Die Antwort ist also, dass das riesige Volumen eines Elefanten in einem Zwetschgenbaum vernachlässigbar klein ist, weil seine doch relativ kleinen Augen ein wenig aussehen wie Zwetschgen. (Was an sich schon wieder ein Fragezeichen aufwirft). Die Antwort wird jedoch nicht begründet, die Parallele von Elefantenauge und Zwetschge muss selbst gefunden werden. Sie zielt auf die einzige annähernd mögliche Gemeinsamkeit zwischen einem Elefanten und einem Zwetschgenbaum ab und ist daher, wenn ansonsten auch absurd, die möglichste, die richtigste aller unmöglichen und falschen Antworten. (Abgesehen davon, dass dem zoologischen Laien eventuelle Zweifel aufkommen können, ob Elefanten wirklich blaue Augen haben). Darin besteht also die Pointe des Witzes. Er beantwortet eine falsche Frage mit der richtigsten Antwort.
Bist du nun befriedigt? Hast du jetzt herzhaft gelacht? Wohl kaum. Es zeigt sich, dass die kurze Erläuterung des Witzes den Witz selber nicht ersetzen kann.
Einen Witz verstehen heisst ihn zu erfahren, nicht rational, sondern paradox. Diese Erfahrung kann nicht ersetzt oder nachgeliefert werden durch eine Erklärung, durch einen Vermittler. Sie ist unmittelbar. So ist es mit aller Erfahrung. Worte können sie in keiner Weise ersetzen.
Und das ist der Sinn von Fragen: Wir suchen nicht Antworten, wir suchen Wachstum.
Ob das wohl eine Antwort ist?
Lieber LaoDao, kürzlich wurde ich von einer Japanerin gefragt, ob Schamanismus dasselbe sei wie der Animismus in Japan. Was kann ich ihr antworten? (Ausser, dass ich es nicht weiss...)
Nun, müsste ich hier wohl sagen, und: wohlan.
Es wird wohl, fürchte ich einmal mehr, eine etwas lange Antwort werden.
Nichtsdestotrotz ist hier anzufügen, dass ich nur ein klitzekleiner Chinese bin, kein Japaner, und auch kein vergleichender Religionswissenschaftler, weder ein chinesischer noch sonst einer. Zwar weiß ich einiges aus meiner Erfahrung über die genannten Ismen, das spezifisch Japanische daran kommt mir jedoch eher spanisch vor, ohne Fachchinesisch zu sprechen.
Allgemein gesprochen unterscheiden sich Ismen, deshalb sind sie es auch, ich glaube nicht, dass zwei Ismen dieselbe Sache sind. Wir kommen wohl nicht umhin, die beiden Ismen etwas klarer zu umreissen, um anschliessend Unterschiede und Gemeinsamkeiten herauszuschälen, und schlussendlich, auch wenn das gar nicht die Frage war, den Bezug zu Taiji und Qigong zu machen.
Animismus leitet sich her von "anima", was Seele bedeutet. Animismus sieht alles als beseelt an - Steine, Pflanzen, Tiere, Menschen, Elemente, und auch feinstofflichere Wesenheiten ohne Körper. Es gibt für Animisten keinen Gott wie etwa in der Christenheit, dem Judentum oder im Islam. Alles ist beseelt, ist göttlich. Animismus ist streng genommen keine Religion, wenn wir diese als Institutionalisierung bezeichnen, sondern ein Glaube, oder noch genauer, das Weltbild und Wahrnehmungsmuster einer bestimmten (der magisch-mytischen) Bewusstseinsstufe. Animismus ist somit Grundlage vieler Religionen.
Schamanismus geht auch von der Beseeltheit aller Dinge aus. Das "Problem" mit der Definition von Schamanismus ist ein wenig, dass es auf der ganzen Welt Schamanen gibt, und daher ein breites (breiteres als beim Animismus) Spektrum an Schamanismus. Ein Schamane ist ein Reisender zwischen verschiedenen Ebenen der Realität und macht deren Verknüpfung bewusster und somit für den Menschen und die Natur heilsamer. Das ist die grundlegende Definition. Der Schamane ist also mehr Praktiker als Gläubiger. Den meisten Erscheinungsformen von Schamanismus ist gemeinsam, dass in eine obere, mittlere und untere Welt eingeteilt wird. Es gibt jedoch weitere Ausprägungen des Schamanismus, die nicht auf der ganzen Welt anzutreffen sind, wie etwas das Medizinrad, welches auf umfassende Weise die zwei Reisen des Menschen beschreibt (siehe dazu auch Martins Artikel über das Medizinrad in Schamanismus und Märchen).
Womit wir bei den Gemeinsamkeiten angelangt wären: Animismus und Schamanismus betrachten Materie als beseelt. Im Schamanismus gibt es jedoch einen großen Geist, einen Gott. Während der Animist eher Gläubiger ist, ist der Schamane eher Praktiker. Diese Aussage zeigt Tendenzen, zeigt, wo sich der Schwerpunkt bewegt.
Animismus entspricht der Evolution der Wahrnehmung auf der magisch-mythischen Bewusstseinsstufe. Es kann also keinen integralen Animismus geben, wohingegen integrales Bewusstsein das animistische Bewusstsein in sich aufnimmt und in einen umfassenderen Kontext stellt. So ist im Gegensatz zu Animismus ein integraler Schamanismus möglich; und hier zeigt sich auch, wie Animismus und Schamanismus verwechselt werden, wenn Schamanismus als "primitiv" bezeichnet wird (was er sein kann, auch der Neo-Schamanismus unserer Zeit, aber nicht sein muss). Ausserdem verfügen manche schamanische Traditionen über das umfassende, integrale Modell des Medizinrades, welches sich deutlich vom Animismus abhebt.
Um noch einige Ismen beizugeben: Auch der Buddhismus mit seiner Aussage, alles sei Buddha-Natur, ist in diesem Sinne animistisch (obwohl natürlich Buddha-Natur und Seele nicht dasselbe ist, obwohl natürlich Seele nicht Nicht-Buddha-Natur ist, da alles Buddha-Natur ist, aber Buddha und Manifestation sind nicht getrennt, und das ist der animistische Punkt hier), jedoch weit mehr als magisch-mythisch-animistisch. Ebenso spricht der Daoismus davon, dass alles Dao sei (was so gesagt irreführend ist), oder das Dao in allem (was falscher ist als die erste Aussage), also auch das Element des Göttlichen als Manifestation aufweist. Hier können wir zudem unterscheiden zwischen institutionalisiertem und ursprünglichem Daoismus, was wir auch als Daoismus als Religion und Daoismus als Erfahrung bezeichnen können. Daoismus als Religion weist viele animistische Züge auf.
Aber auch in anti-heidnischen, anti-materiellen Religionen (oder ihren Verfremdungen) wie der Christenheit (bzw. die katholische Kirche) finden wir in den mystischen (also auf Innenschau beruhenden Traditionen, nicht zu verwechseln mit mythischen Bewusstseinsebenen) Wurzeln animistische Züge: etwa die Erzengel, welchen Elemente (oder welche Elementen, Stichwort Huhn und Ei) zugeordnet werden.
Am Anfang, oder jedenfalls näher am Anfang als jetzt, war ein Bewusstsein, welches Welt und Seele als Einheit wahrnahm. Im Laufe der Evolution entwickelten sich von da aus verschiedene Methoden, Philosophien, Praktiken (und keine Ismen, die kamen erst später, im wissenschaftlichen Weltbild zu ihren Titeln). Eine Ausprägung war Schamanismus, ein anderer Qigong, später Taiji. Es ist kein Zufall, dass es Stile gibt, die Tiere nachahmen, oder Positionen, welche im Namen Elemente tragen. Der Taiji-Meister und der Schamane gewinnen ihre Kraft aus derselben Quelle: aus der Beziehung zur manifestierten Unendlichkeit. Der Taiji-Meister erfährt die Dinge ebenso wie der Schamane als nicht getrennt von sich. Er ist in Beziehung zum Wesen aller Dinge, sei das in Steinen, Pflanzen, Tieren, Menschen, sei dies in Donner und Licht, Wasser und Wind, Feuer, Erde, Regen, in Flüssen, Seen, Bergen, weiten Ebenen, dunklen Höhlen… Dadurch, dass er in Beziehung zum Wesen aller Dinge ist, erfährt er sie als nicht getrennt von sich, denn es ist sein eigenes, ureigenes Wesen, das in Beziehung mit dem ureigenen Wesen der Dinge ist, und diese Wesen sind nicht getrennt; er verkörpert das, was innen ist, und das, was außen ist, wobei sich die Illusion einer Trennung von innen und außen auflöst, sich die Nicht-Zweiheit zeigt, das Wesen, das Wesen, ja.
Ich wundere mich, wie viel Kalorien ich verbrenne, wenn ich dies alles sage, und ob man vom reden Hunger bekommt, nun ja, es kommt mir so vor, nicht wahr?
Lieber LaoDao, wie kann sich Fred (siehe das Thema "Stolz") als "Grosser" selber nähren, wenn er in der Kindheit zuwenig bedingungslose Liebe bekommen hat?
Siehst du, hier kommt all das ins Spiel, was wunderbar ist, nicht wahr? Das evolutionäre Potenzial, das vorwärts strebt und eine Kraft besitzt (bzw. eng mit einer Kraft verknüpft ist, oder besser gesagt die Kraft selber ist), die vorwärts drängt, die einem immer und immer wieder aufstehen lässt. Der ausdehnende Geist, der nie zu wachsen aufhört, der erforscht, erfährt, und so genannte Rückschläge als Wachstumspotenzial ansieht. Die heilende Kraft, die aus sich heraus ganz macht, differenziert und integriert. Dies sind die wunderbaren Kräfte, und sie sind Teil von uns, oder besser, wir sind Teil von ihnen.
Wir sind auch Teil von ihnen, und sie wirken auch, wenn wir dies nicht wahrnehmen oder es nicht wahrhaben wollen.
Niemand hat dir je Macht und Kraft rauben können, das ist nur eine hartnäckige Illusion. Du hast deine Kraft immer noch in dir, und du hattest sie immer in dir. Weit innen weißt du das, sonst wärest du nicht hier und würdest diese Frage stellen. Die Kraft ist in dir, und noch viel mehr, du bist IN der Kraft, und noch umfassender, di BIST die Kraft und die Kraft ist du, und sie ist dies bedingungslos und gerade jetzt in diesem Moment, und in diesem auch, und in diesem auch usw. Was du (bzw. Fred) also einmal nicht hattest erfahren können, kannst du JETZT erfahren, und damit kannst du dich nähren, jetzt und jeden Tag. Lasse zu, dass du neue heilende Erfahrungen machst, und du wirst sie machen.
Und, abschliessend, ist noch anzumerken: Groß-Fred ist nicht alleine auf der Welt, und du auch nicht, und man muss nicht alles alleine machen, Groß-Fred wird von anderen Menschen angenommen, wie er ist, wird genährt, und so ist es auch mit dir.
Es gibt in der Esoterik immer wieder Erklärungen, warum Krankheiten entstehen etc. Meine Beobachtung ist, dass sehr oft gerade die wirklich liebevollen Menschen schwer krank werden. Da sind diese oberflächlichen esoterischen Erklärungen sehr bald an ihrer Grenze. Gibt es eine Erklärung für Krankheit, Leid, Schmerz?
Oh ja, nicht? Eine Erklärung gibt es immer, die Frage ist nur, ob sie richtig ist. Die meisten Erklärungen sind richtig - aber nur teilweise. Verhängnisvoll wird es immer dann, wenn eine Erklärung absolut gesetzt wird. Zum Beispiel eben, Krankheit sein eine Selbstverschuldung und habe damit zu tun, dass das menschliche Wesen, das nun krank ist, noch nicht vollständig erleuchtet sei und jetzt besser etwas vorwärts mache damit. Nun, ich bin nicht erleuchtet, würde ich sagen, da mir Worte auf -ung wie Erleuchtung zu abstrakt sind, aber mein kleiner Zeh tut mir trotzdem weh. Ich hatte da einen Onkel, She Chuan Li Ming Hing Zhi, der war, würde ich sagen, erleuchtet, weil man mit ihm in keinem Raum eine Lampe brauchte, und der starb schlussendlich an seltsamen Wucherungen auf seiner Haut. Und auch alle anderen Erleuchteten, die sich so auf der Erde tummeln, sterben. Die einen an Krebs, die anderen am Alter, aber alle sterben.
Die esoterische Sichtweise, man sei allein und einzig für den eigenen Gesundheitszustand verantwortlich, ist eine Gegenreaktion auf eure westliche Medizin, die das Ersatzteillager Mensch mit allen möglichen Medikamenten heilen kann. In der westlichen Medizin kommt Heilung von aussen, in der Esoterik kommt sie, wenn sie denn kommen würde, den Esoterik ist ja bei euch im Westen nicht viel mehr als ein Wohlfühl-Konzept, jedenfalls, sie käme von innen. Die esoterische Idee versucht also lediglich, die traditionell westliche Idee auszubalancieren, und Balance ist ja immer wieder eine gute Sache. Nur ist das Problem, wenn die neue Idee dann absolut gesetzt wird, nicht wahr? Und diese Ausschliesslichkeit wollen wir vermeiden.
Nun, eine etwas umfassendere Sichtweise erkennt, dass sie, Gesundheit, sowohl von innen und aussen kommt, und dass ebenso Krankheit, Leid und Schmerz von innen und von aussen kommen können. Es spielt da so viel mit! Krankheit kann einen rein körperlichen (und zum Teil vererbbaren Aspekt) haben (was Esoteriker natürlich auf Karma reduzieren, und Karma reduzieren sie auf Schuld) einen psychischen, einen seelischen, aber auch einen individuellen, einen sozialen, einen kulturellen, einen ökologischen, einen ökonomischen. Ihr lebt im Westen (und natürlich ist das unterdessen auch im Osten in weiten Teilen so) in einer Welt, in der sich das Individuum nicht entfalten kann, weil es gezwungen ist, seine Grenzen aufzugeben, weil viele gezwungen sind, über ihre Ressourcen zu leisten; in einer Welt mit giftiger Luft und vergiftetem Essen ohne wahre kulturelle Werte, ohne den Sinn für echte Inhalte, von dem die breite Masse durchtränkt und inspiriert wäre. Wie soll man da nicht früher oder später krank werden? Das alles einzig und allein auf das Individuum zu reduzieren ist so einfältig wie jeder andere Reduktionismus auch. Ob man nun den Mensch auf ein Ersatzteillager oder auf ein esoterisch-allmächtiges autonomes Wesen beschränkt, es wirkt dieselbe Engstirnigkeit.
Das mag eine kleine Erklärung für esoterische Sichtweisen sein, aber für Krankheit, Leid und Schmerz ist es natürlich noch keine. Wenn ich nun diese Zustände erklären soll, muss ich auf irgendein Weltbild zurückgreifen. Das Spektrum der Erklärungen reicht von "Es gibt keinen Gott" bis "Alles ist der göttliche Plan", wie man im Westen vielleicht sagen würde.
Ich würde am ehesten sagen: Es ist, wie es ist, und etwas anderes gibt es nicht. Der Mensch hat aber zudem die Gabe, Sinn zu sehen, zu spüren, zu manifestieren, und das ist eine grosse Gabe, glaube ich. Er kann Sinn jenseits von oberflächlichen Erklärungen finden, auch in einer Krankheit, im Leid, ohne sich dabei auf irgendwelche Weltbilder stützen zu müssen, ein gefühlter, empfundener Sinn; und diese Fähigkeit ist die kreative Kraft des Jetzt, die aus sich selbst heraus entsteht.
Soll man Fragen an andere stellen, die man selbst beantworten kann?
Nein! Um Himmels Willen!
Die essentiellen Fragen musst du ohnehin alleine beantworten. Und wenn eine Frage wirklich beantwortet ist, verschwindet sie, da brauchst du keine Zweitmeinung.
Es sei denn, du willst entweder den Leuten zeigen, wie schlau du bist, oder du willst sie mit deiner Frage auf eine Reise schicken, weil es sich ganz deutlich so anfühlt, dass sie auf eine Reise geschickt werden wollen…
Ich frage mich hier auch immer wieder, warum mir die Leute so viele Fragen stellen. Seltsam, nicht? Ich finde.
Und da ich mich diese Frage frage, und ich mir mit einer eigenen Antwort antworte, nehme ich das gleich als Gelegenheit, mich zum Hintern Berg zurück zu ziehen und mich wieder einmal etwas der Stille zu widmen. In ihr liegen alle Antworten.
Es war schön, mit euch geplaudert zu haben!
(Und da ging er).