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Ebenen der Kampfkunst

Um die Ebenen der Kampfkunst etwas zu erläutern ziehe ich das Modell von Spiral Dynamics bei.
Spiral Dynamics beschreibt die Entwicklung der grundlegenden Wertestruktur des Menschen. Alle Menschen beginnen unten und wachsen durch die Ebenen - bis sie irgendwo stagnieren oder längere Zeit (u.U. Jahrzehnte) pausieren. Die Wertestruktur (oder die Ebene der Entwicklung der Wertelinie) bestimmt das Weltbild und somit in grossem Masse den eigenen Umgang mit der Welt, die Wahrnehmung und das Handeln. Befindet sich ein Mensch auf einer Ebene, sagen wir Orange, dann heisst das, dass er ca. 50% seiner Zeit auf dieser Ebene verbringt, je 25% auf der Ebene darüber (in diesem Fall grün) und 25% darunter (blau). In Stresssituationen (Konflikt, Krieg, Trauma) und eben auch in der Kampfkunst kann man leicht auf weit unter der normalen Ebene liegende Ebenen wechseln. Kampfkunst gibt uns dazu ein Feedback. Ziel der Kampfkunst-Praxis ist einerseits, dass diese Abwärtsbewegung nicht geschieht und dass sich der/die Praktizierende stetig nach oben entwickelt.

 

Rot/Purpur/Beige

Schwerpunkte: Ich (Purpur: Wir)

Instinkte. Gewinnen. Starksein. Freiheitsdrang. Impulsivität. Magie.

Es geht ums Überleben.

Kampfkunst: Kampfkunst heisst kämpfen um zu gewinnen. Es ist Wettbewerb - und mehr: Überleben ist alles (und sei es nur des Egos). Alle Mittel sind recht. Der Partner ist nicht Partner, sondern Feind. Regeln und Fairness spielen keine Rolle, nur das Gewinnen ist wichtig.

Blau

Schwerpunkt: Wir

Wahrheit. Hierarchie. Tradition.

Der Meister ist der Meister. Folge ihm. Das ist der Weg.

Kampfkunst: Es wird exakt nach Meister XY gearbeitet. Der Meister wird nicht hinterfragt. Man praktiziert traditionelles Qigong, das sich über Jahrhunderte bewährt hat. Neues braucht es nicht. Im Taiji ist die exakte Form, so wie sie Meister XY praktiziert, das einzig wahre Kriterium und der einzig wahre Weg. Push Hands wird nach Meister XY geübt. Freies Push Hands wird wenig oder gar nicht praktiziert. Routinen (feste Bewegungsabläufe) sind die richtige Übungspraxis.
Positiver Aspekt: Dem Meister bzw. Lehrer wird Respekt entgegengebracht.

Orange

Schwerpunkt: Ich

Wissenschaft. Struktur und Ordnung. Rationale Analyse. Denkender Verstand. Materialismus. Fortschritt.

Es gibt nur, was erklärt werden kann.

Kampfkunst: Grosses Interesse an der Struktur. Alle Kraft kommt aus der richtigen Körperstruktur. Qi wird erforscht, nicht erfahren. Wissenschaftliche Abhandlungen über alle Aspekte. In unseren Breitengraden sind Menschen mit einem Schwerpunkt auf Orange weniger in Taiji-Kurse zu finden.

Grün

Schwerpunkt: Wir

Die Welt ist Harmonie.

Pluralistisch, multikulturell. Vielfalt wird als solche geschätzt. Die westlichen Übernahmen von Yoga, Taiji, Shiatsu etc. konnten nur wegen dem "grünem Boden" gedeihen, und damit die Öffnung zu subtilen Ebenen des Seins. Harmonie zwischen den Vielfalten ist wichtig. Kann daher zu Harmoniesucht und zu einem oberflächlichen Verständnis von Harmonie werden, in der das Individuum im Kollektiv verschwindet: „Wir sind alles Menschen. Alles ist eins.“ Individuen werden nicht unbedingt geschätzt (ausser friedliebende Menschen wie Gurus, Nelson Mandela, Franz von Assisi etc.). Pazifistisch. Ära der Softies. Empfindet eine Konfrontation als Angriff. Kann mit Konflikt nicht umgehen.

Kampfkunst: Wir sind friedliebend und nehmen kein Schwert in die Hand. Wir machen ein sanftes Push Hands ohne Konfrontation. Der gemeinsame Fluss im und aus dem Herzen ist das wichtigste. Grüne getrauen sich nicht zu pushen. Sie wollen weder angreifen noch weh tun. (Softie-Push Hands, schwebendes Push Hands immerwährender Harmonie).

Gelb

Schwerpunkt: Ich

«Lerne das Schwert zu führen. Lerne es nicht zu gebrauchen.»

Ich erkenne den Wert des gesamten und damit aller anderen Entwicklungsstufen. Ich kann sie in ein stimmiges Ganzes einordnen. Ein gewisser Stressfaktor ist da, weil durch das Erkennen der Entwicklungsstufen auch die Notwendigkeit erkannt wird, dass sich die Menschheit momentan schnell entwickeln sollte.

Kampfkunst: Ich kann andere Künste, Techniken, Perspektiven annehmen und integrieren. Vielleicht kann ich noch nicht damit umgehen, aber ich lerne es. Ich erkenne den Wert verschiedener Stile, verschiedener Menschen für mein Wachstum. Push Hands ist dazu ein ideales Lernfeld. Ich nehme an was kommt und lerne. Ich integriere verschiedene Perspektiven in ein stimmiges Ganzes, so z.B. Auch "traditionelles" Taiji und neue westliche Erkenntnisse.

Türkis

Schwerpunkt: Wir

intersubjektives Potenzial, kollektive Intelligenz bewusst fördern und einsetzen

Kampfkunst: ein gemeinsames Zentrum kreieren, das dynamische Harmonie ermöglicht. Kampfkunst ist ein gemeinsames Lernfeld, um etwas zu erreichen, das mehr ist als die Summe der beiden Partner.