Dankbarkeit ist eine wesentliche, vielleicht die wesentliche, Kraft im Leben. Ich meine eine Dankbarkeit, die alle Ebenen durchdringt - die persönliche, die spirituelle, geistige, seelische, mentale, energetische, physische Ebene, einfach alle. Aus dieser Dankbarkeit erwächst dieses Gefühl, dass das eigene Leben auf eine ganz einmalige, einzigartige Weise sinnvoll ist, und dass es nicht getrennt, sondern auf eine ebenso einmalige Weise mit allem Leben verbunden ist. Diese Art von Dankbarkeit ist nicht primär kausal ("ich bin dankbar, weil ich etwas bekommen habe"), und nicht gerichtet (auf jemanden oder etwas), sondern feldförmig. Sie ist ein Seinszustand. Sie erlaubt es uns, anzunehmen, was kommt, und das Geschenk darin zu erhalten. Dankbarkeit entsteht nicht, weil das Leben einem etwas schenkt. Sie ist, und dadurch wird das Leben zum Geschenk.
Was hat nun ausgerechnet Dankbarkeit mit Taiji und Kampfkunst zu tun? Kampfkunst als Kunst der Begegnung, bringt die Prinzipien und Wirkkräfte des Geistes nicht nur in die Manifestation, sondern steuert direkt den Kern an, wo diese am meisten gebraucht werden - in potenziellen Konfliktsituationen. Es ist eine Sache, geistige Ideale auf dem Meditationskissen zu leben, im Fliessen einer vorgefertigten Taiji-Übung oder auch im Umfeld mit gleich- und wohlgesinnten Menschen. Eine andere Sache ist, diese Prinzipien dahin zu tragen und wirken zu lassen, wo sie nicht akzeptiert sind und ignoriert werden. Kampfkunst wirft sich also voll ins Geschehen. Sie bringt Licht und Bewusstsein dahin, wo diese am meisten benötigt werden.
Ab einem gewissen Grad hat Meisterschaft nicht mit Beherrschung von Techniken zu tun, nicht mit Präzision in der Bewegung oder mit Geschwindigkeit, sondern einzig und allein mit der Fähigkeit, Gefäss zu sein für die geistigen, universalen Prinzipien. Meisterschaft wird zum Dienen. Ein Weg dazu ist das Kultivieren der oben beschriebenen Dankbarkeit.