Vor
unserer Abreise hatte ich die Teilnehmer informiert, dass ich mir in
unserer gemeinsamen Zeit in Korsika Notizen machen würde. Ich sagte,
dass ich mich über Notizen von TeilnehmerInnen auch sehr freuen
würde, um ein Journal fürs Web zu gestalten.
Dies ist das Resultat. Ich habe von einer Teilnehmerin und von einem
Teilnehmer Material erhalten, das ich mit meinem Notizmaterial und den
zwei Briefen LaoDaos, die er mir geschickt hatte, kombinierte, ohne
das Material selbst zu verändern.
Susannes Notizen sind rot und kursiv, Patriks Notizen sind blau, LaoDaos Einwürfe grün, meine Notizen grau. Viel Spass auf unserer Reise durch ein fernes Land, durch Taiji - und vor allem durch uns selbst!
Herzlichen Dank an diejenigen, die schriftlich etwas beigetragen haben. Und herzlichen Dank an alle, die dabei waren!
31.9. Freitag
Ankunft in Noli, Italien. Mit 25 Grad ist es doppelt so warm wie bei unserer Abreise. Ich bin mit meiner Familie runtergefahren. Es folgen zwei Teilnehmerinnen aus Deutschland, und rechtzeitig zum Abendessen vier Teilnehmer aus der Schweiz.
Endlich sind sie da, die Korsikaferien. Ein aufgestelltes Grüppchen tritt um 13.30 Uhr in Horgen Zürich die Reise nach Noli an. Beste Stimmung, gute Musik und Sonnenschein pur begleitet unsere Reise zu unserer ersten Station Noli, wo uns Martin am Abend erwartet. Müde, freudig und gespannt was uns wohl die Woche in Korsika alles bringen mag, schlemmen wir bei Ankunft in einer gemütlichen Trattoria.
Die
Fähre nehmen wir morgen. Sieben Uhr.
In Bastia, Korsika, werden wir auf die siebte Teilnehmerin stossen.
1.10.
Samstag
Aua,
so früh! 5.40 Uhr. Doch Korsika ruft.
Die Stimmung am Quai ist genial. Eine wunderbare Überfahrt mit
der Expressfähre. Um 8 Uhr fahren wir los. Etwas mehr als drei
Stunden dauert die Überfahrt.
Korsika!
Aus dem Meer entsteigt es,
kraftvoll, urtümlich, elementar,
das Irland des Südens.
Wir sind da!
Nach
einer Stunde Küstenfahrt im Auto Richtung Süden gelangen wir
an unser Ziel Marina d'Oru. Schöne Bungalows, traumhafte Strände
und etwas ganz Spezielles, das in der Luft liegt, erwartet uns.
Einkaufen, dies und das, Lachen, Fröhlichkeit, Ferienstimmung -
das ist das Nachmittagsprogramm.
2.10. Sonntag
Die
Einmaligkeit des neuen Tages sowie der Sonnenaufgang begleitet uns beim
Stretching und beim Qigong am Meer.
07.15 Uhr.
Trotz Müdigkeit fühle ich eine besondere Ruhe in mir.
am Strand
bewegt mich
das Meer
als
es
mich löst
von meinen eigenen Definitionen
wird wieder und wieder
Raum geschaffen
für mein wahres Selbst
Welle
für Welle
lerne ich mich
kennen
indem ich erfahre
wer ich
nicht bin
Nur durch Empfinden können Veränderungen möglich werden.
Nach einem reichhaltigen Morgenessen treffen wir uns um 9.00 Uhr beim Parkplatz. Mit dem Auto fahren wir ca. 10 Min eine holperige, steinige, staubige und ausgewaschene "Strasse" entlang. Am Ende unserer Fahrt präsentiert sich uns ein traumhafter Anblick. Wasser soweit das Auge reicht, klar, blau, ein wunderschöner, weisslicher Muschelstrand und ein riesiger Pinienwald. Dies wird für eine Woche unser Übungsplatz sein. Das muss man erleben und sehen. Einmalig, traumhaft wie der indische Ozean.
Wie
kann ich erden,
wenn ich Erde bin?
Wie
kann ich mich verbinden,
wenn ich nicht getrennt bin?
Ich
erde,
ich verbinde,
nur um eines Tages zu erkennen,
dass ich
nichts tun muss
weil ich
nichts tun kann
weil ich
nicht bin
und nur bin.
Die Einmaligkeit dieses Ortes und das Rauschen des Meeres gibt mir beim ersten Mal Taiji-Training ein ganz spezielles Gefühl! Ich geniesse diesen Moment, das Spezielle, die Einzigartigkeit dieser Stimmung.
3.10. Montag
Diesen
Tag nehme ich ganz speziell war. Die Gruppe fühlt sich für
mich noch etwas kantig an. Doch ich denke das wird sich schnell ändern.
An unserem Traumplatz stehen wir für eine halbe Stunde. Ich stehe
und spüre den Wind, die Sonnenstrahlen auf meiner Haut, höre
das Rauschen des Meeres, höre die Stille und spüre die Sanftheit
der Natur. Ich bin präsent.
Stehendes
Qigong am Meer,
täglich.
Wie die Figuren der Osterinsel stehen wir da
und blicken in die Ferne
zu uns selber.
Vergesst
alles.
Erinnert euch an alles.
Danach
nehmen wir die Ruhe des Stehens in die Bewegung. Sei es in eine Form,
eine Qigong-Bewegung oder sogar in eine freie Bewegung. Die Bewegungen
nehme ich völlig anders wahr als sonst.
Danach Push Hands: erden, voll werden, Angriffslinien sanft brechen.
Martin hat eine einmalige Gabe, dies zu zeigen und zu erklären.
Es ist wunderbar ihm zu zusehen. Die Lachfalten werden dabei sehr strapaziert.
Zum ersten Mal spüre ich das Pushen völlig anders. Ich begreife
plötzlich, was es überhaupt bedeutet. Genial.
"Werde
ich das jemals können?"
"Na komm schon, das ist nur Push Hands! Ob du das kannst oder nicht,
wird deine Welt nicht retten. Aber was du daraus lernst, aus deinem
Lernprozess, vielleicht schon. Wir sollten uns nicht auf Ziele fixieren.
Glaub mir, auch als Push Hands- Meister kannst du ein sinnentleertes
Leben führen. Wir suchen nicht nach Können, nicht nach Antworten,
wir suchen Wachstum. Es ist viel wichtiger, aus dem Lernprozess zu lernen,
statt ein Ziel zu meistern. Es ist wichtig, dass du aus deinem Lernprozess
über DICH SELBST lernst. Das ist wichtig."
"Was lerne ich aus dem Lernprozess?"
"Du lernst daraus das Maximum, was du daraus lernen kannst."
"Ja, aber was denn?"
"Komm, lass uns pushen."
Mentoring
heisst (und ich bin ein Mentor, kein Lehrer), mir jeden einzelnen meiner
eigenen Lernschritte, die mich in die gegenwärtige Situation im
gegenwärtigen Moment geführt haben, präsent zu halten
und im Gesamtkontext zu sehen.
Nur so kann ich auf Lernprozesse optimal eingehen.
Jeder Lernprozess ist gänzlich anders, und doch folgt er einem
groben Raster. Der Kopf versteht schneller als der Körper (ganz
einfach, weil die Kopf-Ebene weniger komplex ist als das Verkörpern).
Dadurch entsteht Ungeduld. Dadurch entsteht Frustration und die Tendenz,
Fortschritte zu übersehen oder damit nicht zufrieden zu sein. Das
ist also ganz normal.
Nach 5 Std. Taiji fühle ich mich zufrieden, ruhig und voll. Ich spüre die Qualität des Taiji ganz anders als sonst. Wow!
Es
ist meine Hoffnung, dass, wenn wir isolierte Körperteile miteinander
vernetzen, wenn wir uns der Vernetzung von Körper und Geist und
Seele und Nicht-Dualität bewusster werden, wenn wir uns selbst
als vielschichtige, vernetzte Wesen kennen lernen, wir die Welt als
ein vielschichtig vernetztes Wesen erfassen können, uns damit der
Verantwortung bewusst werden, und danach zu handeln beginnen.
Das ist mir wichtig.
Am
Vortag hatten wir beschlossen, dass wir am Nachmittag gemeinsam einen
Ausflug nach Corte machen. Ein korsisches Städtchen mitten in den
Bergen das uns zum bummeln einlud.
Ein rundum gelungener Taiji-Bummel-Besichtigungstag den wir in einem
Ristorante bei Pizza und süffigem Wein abschlossen.
Taiji
braucht Zeit. Man kann nichts erzwingen.
Haben wir Zeit?
Wie viel Zeit haben wir noch?
Die Zeit zu Handeln ist überfällig.
Ich kann nichts tun, ausser die natürliche Entwicklung fördern.
Seltsamerweise ist das in unseren Tagen ein Wettlauf mit der Zeit.
Und genauso seltsam: Ich ermutige zur natürlichen Entwicklung,
ohne Erwartungen und voller Zuversicht.
Voller Zuversicht, ja Freude! Woher kommt dieser Zustand?
Ich weiss es nicht.
4.10. Dienstag
Qigong
bei Sonnenaufgang.
Das muss man erleben.
Die Müdigkeit verschwindet und ich beginne,
mich zu spüren.
Stille:
ein leiser Hauch aus den Bergen,
das sanfte Rauschen des Meeres.
Die Unberührbarkeit des Morgens
berührt mich immer wieder neu.
Die Vögel haben sich
still und schweigend
auf dem höchsten Baum versammelt.
Ich atme die Weite,
spüre Dankbarkeit.
Das grosse Muster der vielen kleinen Wellen,
es ist Wandel und Sein zugleich.
Mit dem ersten Sonnenstrahl beginnen die Vögel
zu singen, zu rufen, zu jubilieren,
verwandeln das Licht
in Lebensklang.
Sie klingt auch in mir, schwingt,
die Sinfonie meines Körpers und meiner Energie,
eine Sinfonie von tausend Stimmen,
Wandel und Sein zugleich,
wie die Wellen des Meeres,
tiefere Strömungen,
vielschichtig ineinander verwoben
und doch Gesamtklang,
wie das Lied der Vögel
im Rhythmus des Meeres.
Und in der Mitte all dessen,
der Ursprung: die Stille,
alles überstrahlend,
ohne Anfang und Ende.
Ausgedehntes
Stretching an unserem Traumplatz. Das Entspannen fällt mir besonders
leicht.
Dann das stehende Qigong. Wieder anders als gestern spüre ich es
diesmal. Ich spüre meinen Körper viel mehr. Die Gedanken lasse
ich ziehen und halte sie nicht mehr fest.
Völliges Fehlen von Zeit.
Stehe
wie ein Baum.
Bewege dich wie eine Welle.
Die
Übungen der Wellen durch den Körper sind für mich zwischendurch
sehr voll, und ich nehme das Fliessen wahr.
Es folgen Übungen mit dem Gummiseil (gedanklich) vom Ellbogen zum
Dantian. Für mich sehr effektvoll.
Intensive
Prinzipienarbeit.
Wir schiessen Pinienzapfen durch den Pinienwald und studieren die Wellenbewegungen
des Meeres.
Push Hands am Abend. Wir üben jeden Tag ca. 1½ Stunden. Das Pushen war voll mit Lachern, und mit Fröhlichkeit gespickt. Das macht Spass.
Studentinnen
und Studenten geraten in Konflikt, wenn wir die Prinzipien herausarbeiten,
und sie vorher Dinge gelernt haben, durch die sich die Prinzipien nicht
entfalten können.
Und dann kommt die Frage: Was ist authentisch?
LaoDao schreibt. (Woher weiß er, dass wir in Korsika sind?)
Wenn
die Zehntausend Dinge unerschöpflich sind,
was ist dann erschöpflich?
Wie soll es mir dabei langweilig werden?
Wenn
ein Fischschwarm im Wasser schwimmt,
was bewegt sich zuerst,
die Zehntausend
oder das Eine?
Oder das Eine, das die Zehntausend ist?
Was bewegt sich nicht?
Was ist ein Schwarm ohne Fisch?
Die Abende sind meistens sehr ruhig. Heute gibt es vorzügliche Pasta.
Beim
Abendessen unter korsischem Sternenhimmel - so klar, so rein! - sprechen
wir über Intention. Sie ist nicht bloss Absicht, sie ist nicht
Wille. Sie ist mehr als Imagination. Absicht entspringt der Persönlichkeitsebene,
Wille ist die treibende Kraft der Persönlichkeitsebene. Imagination
ist ein Hilfsmittel auf dem Weg der Intention in die Manifestation,
aber nicht die Intention selbst.
Die Intention ist Geist (spirit), der eine Richtung einnimmt. Gerichteter
Geist. Sie entspringt auf der dünnen "Linie" von Wuji,
das zu Taiji wird, wird in der Seelenebene konkret, erhält Qualitäten,
steigt auf in die Persönlichkeitsebene, wo sie auf günstige
oder ungünstige Umstände trifft, auf Widerstand oder Unterstützung.
Der Wille ist der Diener der Intention, dadurch, dass er nicht autonom
arbeitet, kann er sich auch nicht erschöpfen. Wir kommen auf das
Persönlichkeitstraining zu sprechen. Potenzial, Vision, Intention,
sie alle entspringen derselben Ebene und sind Aspekte desselben. Vision
ist Potenzial, das projiziert wird, um erkannt zu werden und Kraft zu
entfalten. Intention ist Potenzial in Bewegung hin zur Manifestation.
Einmal mehr wird mir auch klar, was schon lange klar ist: Dass der Taiji-Unterricht
des Taiji nicht auf der energetischen Ebene (geschweige denn auf der
physischen, bei der Struktur, und schon gar nicht bei Formen, aber auch
nicht bei energetischem Push Hands) aufhören darf, sondern die
intentionale Arbeit einbeziehen muss, Taiji ist in seinem Kern Arbeit
mit der Intention, und bezieht daher ganz klar die tiefen Dimensionen
des Menschen mit ein.
Bis es auch diese hinter sich lässt... Wohlgemerkt, differenziert
und transzendiert, nicht überspringt... Doch das ist eine andere
Geschichte, und soll ein andermal erzählt werden...
5.10. Mittwoch
Heute Mittwoch ist Freitag. Nanu? Das heisst, die Mitte des Kurses ist frei. Die TeilnehmerInnen brauchen Integration. Wir besuchen Bonifacio, oder sie uns
Eine
wunderschöne Stadt mitten auf Klippen gebaut. Rundherum Meer und
diese endlose Weite macht das Ganze einmalig.
Ich geniesse diese Aussicht und den Augenblick.
und einen Traumstrand, oder er uns, oder beides.
Baden
an einem der wunderschönen Strände von Korsika.
Seychellen pur!
Den Abend runden wir bei einer Pizza in Porto-Vecchio ab. Nein, nein,
es gibt nicht nur Pizzas auf Korsika. Doch die sind halt so fein!
Heute habe ich das Gefühl, dass sich die Gruppe langsam zu formen beginnt.
Ein solcher Ferienkurs soll Ressource sein. Ich gebe weniger vielschichtige und mehr spezifische Impulse als in einem klar strukturierten Aufbaukurs. Die Vielschichtigkeit übernimmt der Morgenwind, das warme Meer, das Licht, die Berge, die Wellen, die Bäume, der Boden, das Zusammensein, das Zurücktreten aus dem Alltag.
Donnerstag 6. 10.
Heute ist ein müdes Aufstehen. Die ganze Gruppe ist müde. Doch das Qigong hilft mir sehr, diese Müdigkeit etwas zu dämpfen und den Körper zu wecken.
Durch die Erweiterung meines Empfindens wird mir bewusst, dass mein Körper mein Peiniger und somit auch Lehrer sein kann. Er zeigt mir, dass etwas nicht so ist, wie es sein sollte. Seine Sprache sind unter anderem die Schmerzen. Der Körper sagt mir, was bei mir nicht stimmt und verlangt er nach Veränderung.
An
unserem Traumplatz angelangt, stehen wir für eine halbe Stunde.
Auch heute eine andere Wahrnehmung. Ich bin völlig zentriert, geerdet,
nehme alles wahr. Plötzlich der Gedanke: "Bin ich eingeschlafen,
weg, oder sonst wo?"
Mir wird bewusst, wie man alles herum wahrnehmen und doch völlig
bei sich bleiben kann.
Es ist anders, dies im Freien, am Meer, in der Natur, im Sand zu praktizieren
und zu geniessen.
Stille.
So-Sein.
Ist
Stehen anstrengend?
Es ist nicht anstrengend, den korsischen Boden, die Wellen, den Himmel,
die Spannungsmuster im Körper, die Emotionen, die Gedanken wahrzunehmen.
Wahrnehmung ist nicht anstrengend.
Es ist nicht anstrengend, das zu erreichen, was man nicht verhindern
kann.
Die
Stille.
Das So-Sein.
Wenn
ich in die Gesichter der anderen Gruppenmitglieder schaue, macht sich
hier und dort eine Veränderung bemerkbar. Sei es ein anderer Gesichtsausdruck,
ein anderer Blick, eine andere Hautstruktur. Spannend.
Ich stelle eine Veränderung im Erden, Zentrieren, Loslassen fest
das begleitet wird durch eine innere Zufriedenheit.
Neue Haltungsmuster werden durch Taiji gefördert und gefestigt. Der Körper wird zum Weg zu neuem Bewusstsein.
Taiji
ist wirklich einfach.
Das wird mir immer wieder von neuem klar.
Es ist der ganz natürliche Zustand im Austausch mit der Welt.
Doch wenn man dieses Einfache einmal zu erklären beginnt, gibt
es zehntausend Aspekte zu erklären. Auch in einer ganzen Woche
behandeln wir nur einen ganz kleinen Bruchteil davon.
Und doch ist es richtig, zu erklären. Denn das Beruhigende ist:
Diese zehntausend Dinge geschehen von selbst, wenn man sich der natürlichen
Entfaltung mit Klarheit und Kraft öffnet. Und dieses Öffnen
geschieht, indem wir einen Bruchteil der zehntausend Aspekte zusammen
erforschen.
Es geht darum, sich diesem Prozess zu öffnen.
Nur darum.
Die
Push-Handsstunde ist ulkig. Situationen, die bei Push-Hands-Wettkämpfen
auftreten, besprechen wir und führen sie auch aus. Mein Gott haben
wir alle gelacht!
Eine tolle Gruppendynamik entstand. Toll!
Täglich
bringen wir die gesamte Prinzipienarbeit in die Begegnung durch Push
Hands.
Ganz geerdet und entspannt sein, was auch passiert.
Immer in einem tiefen Kontakt sein.
Mit den Händen hören,
mit dem Herzen stossen,
mit dem ganzen Sein neutralisieren,
kraftvoll und doch flexibel,
flexibel und doch strukturiert,
strukturiert und doch frei,
frei und doch präsent,
präsent und doch leer,
leer und doch geerdet,
geerdet und doch in Bewegung,
in Bewegung und doch still,
still und doch dynamisch,
dynamisch und doch zentriert,
zentriert und doch in Kontakt,
in Kontakt und doch eigenständig,
eigenständig und doch gemeinsam,
gemeinsam und doch ohne Absicht,
ohne Absicht und doch klar,
klar und doch weich,
weich und doch bestimmt,
bestimmt und doch zulassend,
zulassend und doch fokussiert,
fokussiert und doch umfassend.
Stehe
wie eine Welle,
bewege dich wie ein Baum.
Wer die Prinzipien nicht in den freien, dynamischen Austausch bringt, entgeht dem Taiji.
Ein ruhiges Nachtessen, das wir mit einer plötzlichen Stille abschliessen. Diese Stille wird von einer Diskussion von zwei Teilnehmern eingeleitet.
Jede und jeder wird auf sich selbst zurückgeworfen.
Da darf ich viel lernen und in mich hineinhorchen. Eine tolle Erfahrung für jeden einzelnen.
Die
Stille ist voll.
Die Stille ist wertvoll.
Sie zu benennen, würde sie zerstören.
Ein
toller Tag, der bei mir sehr viel bewirkte.
Jeden Moment könnte ich losheulen.
Doch auch das ist OK für mich.
7.10. Freitag
Der letzte Taiji Tag in der ganzen Gruppe.
Stehen.
Ein letztes Mal stehen wir am Strand, dehnen uns aus in unsere Mitte.
Die
Gruppe hatte sich im Lauf der Woche entwickelt. Es bildete sich eine
Einheit.
Wir lachen heute sehr viel. Das ist herrlich.
Am vorigen Tag stellte ich eine Veränderung in mir fest. Und heute
spüre ich sie. Ich empfinde sie als tolles Gefühl. Ich spüre
von Zentriertheit, öffnen, zulassen, finden. Emotionen kommen und
gehen.
Es war "nur" eine Taiji-Woche, die so viel bewirkte, mit einem
wunderbaren Coach.
Martin zeigt uns, wie sich eine Form oder eine freie Bewegung anfühlen
kann, wenn wir verwurzelt sind und die Energie vom Boden durch die Beine
ins Dantian fließt, ohne dass sich der Oberkörper und Arme
von sich aus bewegen. Die Energie fliesst durch die Arme in die Hände.
Die Arme heben sich automatisch.
Freie
Bewegung.
Alles, was wir in dieser Woche erarbeitet haben, was wir als Samen gesetzt
haben, was wir in uns von Moment zu Moment neu entdecken, bringen wir
in die Improvisation.
Ich bin berührt von der inneren und äusseren Schönheit,
die sich da in Bewegung verkörpert. Jedes Mal bin ich überrascht
vom Fortschritt, den diese Arbeit in kurzer Zeit mit sich bringt. Nun
wird das Taiji authentisch, es wird wahr, erfüllt, sinnvoll, echt,
schön, tief, energetisch, kraftvoll, präsent.
Wenn
wir unsere Bewegung befreien, befreien wir unser Wesen.
Ich bin dankbar.
Unsere innere Einstellung findet ihren äußeren Ausdruck in unserem Körper,
Auch die letzte Push-Hands-Stunde gehört in die Kategorie des Lachens. Wir spüren, dass Lachen sehr gut tut und sehr befreiend wirkt.
und darin, wie wir Handeln und unsere Lebensenergie und Kreativität in Aktivität umsetzen.
LaoDao, schon wieder, diesmal per Flaschenpost!
Voll,
offen, mutig und klar -
das ist die Sprache des Herzens.
Kannst du still sein,
wenn du redest?
Kannst du wirken,
einwirken, auswirken,
indem du nichts tust?
Kannst du im Tun nichts tun?
Kannst du in voller Absicht,
voll, offen, mutig und klar, zulassen?
Will
dein Wille,
oder dient dein Wille?
8.10. Samstag
Wir
vier vom Jahreskurs haben noch die letzten 5 Stunden an unserem Traumplatz,
während drei andere Teilnehmer heute früh gereist sind.
Das letzte Qigong am Meer. Es ist noch spezieller als die vorigen Male.
Bilder, Stimmen, Ruhe, zentriert und verwurzelt mit der Erde von Korsika.
Ich geniesse die letzten Sonnenstrahlen auf der Haut, den Wind, die
Stille und das Rauschen des Meeres.
Dann setzen wir uns im Kreis und reden über unsere Erfahrungen,
und uns selbst.
Man
hat nie ausgeerdet.
Man kann immer noch mehr erden.
Nach unten loslassen ist nur der erste Schritt.
Eine wirkliche Beziehung zur Erde aufzubauen, sie zu lieben wie eine
Geliebte, von ihr geliebt zu werden, der zweite.
Sich selbst als Erde zu erkennen, und dies tatsächlich, der dritte.
Sich und die Erde als derselbe unmittelbare Ausdruck der grossen Quelle
zu erkennen, und dies wahrhaftig, der vierte.
Aus der Erkenntnis einen Dauerzustand zu machen, der fünfte.
Darum wahren wir den Anfänger-Geist. Stagnation entsteht dadurch,
dass man meint, man hätte etwas begriffen. Im Taiji untersuchen
wir Dynamik und hüten uns daher davor, zu meinen, wir hätten
etwas voll und ganz erfasst.
darum empfiehlt es sich, nie ausgeerdet zu haben.
Erst durch die Erdung macht auch spirituelle Arbeit, in welcher Form
auch immer, Sinn. Was nützen mir spirituelle Erkenntnisse, wenn
ich sie nicht manifestieren kann?
Und wir erden weiter, der sechste Schritt:
Im täglichen Leben Wurzeln schlagen, damit es erblühen kann.
Verantwortung übernehmen.
Sieben: In der Kultur Wurzeln schlagen, um sie endlich zu festigen und
nicht nur durch Un-Kultur zu ersetzen.
Acht: Im eigenen Wesen Wurzeln schlagen, die Persönlichkeit im
Potenzial verwurzeln und das potenzial in der Persönlichkeit erden.
Neun: Schritt 1-8 in Konfliktsituationen bringen (ohne sie zu suchen).
Konflikt ist Veränderungspotenzial. Geerdeter Konflikt ist positives
Veränderungspotenzial.
Ein
tolles Gefühl, Taiji auf diese Weise zu praktizieren. Eine wunderbare
Woche.
Leuchtende Augen, Ruhe, entspannte Menschen, einfach eine tolle Erfahrung.
Abschied.
Strahlende Wesen,
verändert,
losgeschüttelt, aufgewühlt, integriert,
begegnen sich.
Ja, es war eine gute Woche.
Um 18.00 Uhr treten vier fröhliche, geerdete, zentrierte Taijimenschen ihren Heimweg an. Um 23.15 Uhrnehmen wir in Bastia die Nachtfähre nach Savona.
Der
krönende Abschluss ist die geniale Überfahrt mit der Fähre.
Bei angenehmen Temperaturen liegen wir auf dem Mitteldeck im Liegestuhl
und plaudern noch bis 01.00Uhr.
Dann ziehen wir uns zurück in unser "Schlafgemach". Der
Schlafsack wartet geduldig am Boden vor dem Speisesaal, bis wir müde
und mit einem vollen Ressourcenrucksack uns einkuscheln und von dieser
einmaligen Woche in Korsika zu träumen beginnen.
Ich möchte dir, Martin, für deinen Einsatz und Bereitschaft danken, uns an deinem Wissen, Erkenntnissen, und vielleicht auch an deiner Erleuchtung, teilhaben lässt, in der Hoffnung dass du weißt, wie wertvoll dies ist.
Ich glaube, dass jeder, wirklich jeder von uns, einen Schritt vorwärts getan hat.
Durch unser intensives Studium sind mir einige Offenbarungen widerfahren, die nur durch Taiji an mich gelangen konnten.
Taiji
in Korsika muss man erlebt haben. Diese Insel hat etwas ganz besonderes.
Beim Abschied flüstert sie einem zu: komm doch einfach wieder!
Und wie Martin sagt: Wer Taiji in Korsika nicht vermisst, kennt es nicht.
Ich darf einen ganzen Werkzeugkoffer mit nach Hause nehmen.
Korsika hat eine eigene Energie, und die sollte man erfahren.
Korsika!
So viele Schönheiten gibt es noch zu entdecken,
so viele Stimmungen zu erleben,
Strände zu geniessen,
Stimmen zu hören!
Berge zu erklimmen, Aussichten zu bewundern,
Hügel zu durchwandern!
Alte Kulturen,
Tausende von Jahren
in sagenhaften Plätzen,
Hunderte von Jahren
in römischen Türmen
und alten Kirchen mit ihren mehrstimmigen Gesängen,
die Gegenwart
im Selbstbewusstsein der Menschen,
der blühenden Natur,
der sanften Brise des Meeres.
Korsika, urtümliches Gebirge im Meer der Zeit.