Rezeptive Kraft: dynamisch loslassen
Wenn wir das Bild vom Netz, das den Zirkusartisten auffängt (siehe rezeptive Stärke), noch weiter verfolgen, dann sehen wir folgendes: Der Artist wird aufgefangen, das Netz wird nach unten gedrückt, nimmt die Energie in sich auf – und, je nach Spannungsverhältnis, wirft den Artisten wieder nach oben wie ein Trampolin.
Dasselbe Prinzip finden wir im Bogen, der gespannt wird. Durch das Loslassen wird die Kraft freigesetzt und der Pfeil schiesst weg.
Grundlage der Rezeptiven Kraft ist das Aufnehmen, Speichern und Wieder-Loslassen von Energie. Damit dies geschieht, muss ihr fasziales Netz locker und geschmeidig sein und im richtigen Spannungsverhältnis zu Fixpunkten (den Knochen) stehen. Dies nennen wir Elastizität.
Der Effekt rezeptiver Kraft wird am deutlichsten im Taijiquan demonstriert. Man nennt diese Kraft dort Fajing. Der Punkt dabei ist, dass in die kompression hinein losgelassen bzw. geöffnet wird. Damit Kompression geschieht, muss bereits eine Öffnung da sein. Die Öffnung in die Kompression hinein setzt dann die rezeptive Kraft frei. Dies ist das (für den denkenden Verstand) grösste Paradox innerer Kampfkünste, und nur wenige können es wirklich verkörpern.
Die rezeptive Kraft trainieren wir in der Golden River School mit dem Spring Training und verfeinern und verankern sie im IIT).



