Die vier Hauptaspekte

Warum «ungeahnte Kräfte» nicht kennen und im Alltag einsetzen?

 

Die vier Hauptaspekte ergeben sich aus den Prinzipien. Die Hauptaspekte führen uns zu vielen Möglichkeiten, wie wir die Prinzipien in unsere Bewegungspraxis und den Alltag integrieren können (geschweige denn in eine Kampfkunst, in Ausdruckstanz oder eine manuelle Therapieform). Sie beschreiben das, was wir aus dem Leben gut kennen – beziehungsweise es vermissen: Zum Beispiel fällt ein Kind anders als ein Erwachsener. Und bricht sich weniger dabei. Wir kennen auch vage Geschichten von Menschen, die in Notsituationen ungeahnte Kräfte entwickeln. Die Arbeit mit den vier Hauptaspekten erspart es uns, zuerst etwas zu brechen, bevor wir uns unseres Körpers bewusst werden, oder eine Notsituation zu brauchen, um ungeahnte Kräfte zu entwickeln. Warum die «ungeahnten Kräfte» nicht kennen und im Alltag einsetzen?

Die vier Hauptaspekte gliedern sich in zwei Stärke- und zwei Kraft-Aspekte. Das mag etwas maskulin betont klingen, ist es jedoch nicht, wenn wir die Begriffe Kraft und Stärke in ihrer wirklichen Bedeutung verstehen und bedenken, dass wir hier von sehr wirkungsvollen, aber dennoch sehr subtilen Kräften reden.

Kraft ist das, was unser Tun effektiv macht. Muskelkraft ist das anschaulichste Beispiel dafür (und ist ein Beispiel für äussere Kraft, siehe unten).
Stärke ist das, was unser Sein effektiv macht.

Kraft ist relativ kurz einsetzbar. Denn sie ist ein dynamischer Vorgang. Und für Muskelkraft gilt: Muskeln ermüden.
Stärke kann dauern, ist ein Zustand. «Jemand zeigt Stärke». Bindegewebe «ermüdet» nicht, da es sich nicht anstrengt.

Die vier Hauptaspekte sind:


Innere Stärke: Struktur und öffnen (= passive Ausdehnung)
Innere Kraft: Wellendanymik (entspannte Koordination, aktiv ausdehnen)
Rezeptive Stärke: Struktur und absorbieren (in sich aufnehmen, integrieren, umfassen, «containing»)
Rezeptive Kraft: dynamisch loslassen, freisetzen von Kraft durch öffnen und ausdehnen

Bevor wir diese vier Hauptaspekte nähern betrachten, müssen wir klären, was das «Innere» innerer Kraft und innerer Stärke ist:

Innen und aussen


Um das «Innere» zu klären, beginnen wir mit dem Aussen, denn es ist seiner Natur nach leichter sichtbar: Äussere Kraft ist Muskelkraft, die sich in mehr oder weniger grossen Muskeln zeigt. Innere Kraft ist die Kraft des Bindegewebes (Faszien, darum auch «fasziale Kraft» als eine mögliche Bezeichnung). Bindegewebe umschliesst Muskeln, Knochen und Organe. Unser Körper ist ein dichtes Netz aus diesem Bindegewebe. Unsere Knochen sind darin erstaunlich locker eingewoben, wenn man von der Vorstellung loskommt, Knochen seien aufeinander gestapelte Bauklötze. Das Netz ist von aussen nicht gleich sichtbar wie starke Muskeln. Es ist jedoch genauso deutlich sichtbar, wenn man den Fokus auf die Struktur verlagert: Ein vernetzter Körper ist aufrecht, im Lot, entspannt, präsent.

Klicken Sie auf die Bilder rechts, um mehr zu den einzelnen Aspekten zu erfahren.