Kampfkunst

Es ist nicht so, dass Integrale Bewegung die Essenz aller Kampfkünste ist. Das zu sagen wäre vermessen, es zu praktizieren würde die Vielfältigkeit der Kampfkünste einebnen. Doch in jeder guten Kampfkunst ist die Integrale Bewegung zu finden. Ja, sie ist der Schlüssel zum Erfolg.
In den Taijiquan-Klassikern heisst es zum Beispiel, man solle «sich bewegen wie eine Perlenschnur». Wir nennen es Golden Wave Training. Das gezielte Training Integraler Bewegung kann Ihnen als Kampfkünstler helfen, die Ihrer Kampfkunst eigenen Qualitäten deutlicher herauszuarbeiten, zu erforschen, zu verstehen und zu integrieren.
Integrale Bewegung bietet Ihnen einen Weg, der für Sie verständlich ist, weil sie die kulturfremden Konzepte (wie Dao, Qi, Tantian, Yi, Shen, Ki etc.) nicht ausschliesst, sondern in einer uns vielleicht schneller vertrauten Herangehensweise integriert (siehe unten).

Gemeinsamkeiten, Unterschiede...

Eine «Gegenüberstellung» Integraler Bewegung und Taiji oder Qigong ist zwar problematisch, da Integrale Bewegung an sich ja keine Form hat und daher auch die Form von Taiji und Qigong annehmen kann. Trotzdem werden uns immer wieder Fragen nach «dem Unterschied» gestellt. Die sinnvolle Antwort ist: Erleben Sie es selbst! Dennoch ist es an dieser Stelle sicher hilfreich aufzuzeigen, wie sich die Methoden der Golden River School und Qigong ergänzen können. Manchmal muss man das Paradoxe tun.

Ursprung

Qigong hat seinen Ursprung in der chinesischen Kultur und Weltanschauung. Daoismus und Qi sind dabei zentrale Begriffe. Qigong beruht auf einem ganzheitlichen kulturell-spirituell-religiös-philosophisch-medizinischen System. Der Ursprung des Qigong liegt tausende von Jahren zurück und es wurde in China reichlich kultiviert. Unterdessen wird Qigong auf vielfältige Art auch «verwestlicht»; es wird «esoterisch» im negativen, d.h. weltfremden Sinn, psychologisch etc. Diese Auswüchse/ Entwicklungen sind jedoch nicht traditionell. Was davon eine echte Bereicherung und was temporäre Modeerscheinung ist, wird sich zeigen.

Integrale Bewegung entstand durch die Beschäftigung mit Qigong, inneren Kampfkünsten, Sport und westlichen Formen der Körperarbeit bzw. der körperorientierten Psychotherapie, verschiedenen Heilformen von Körper und Geist und neueren Erkenntnissen und Ansätzen aus Bereichen wie Sport und Physiologie. Spirituelles und Philosophisches wird nicht explizit als formbildende Kraft vorausgesetzt, sondern ist die natürliche (potenzialdynamische) Folge davon.

Qi

Qigong setzt die Tatsache voraus, dass Qi existiert. Qi wird durch Yi (Vorstellungskraft, Absicht, Wille) gelenkt. Dies ist ein aktiver Vorgang. Qi fliesst in Meridianen, Energieleitbahnen. Körperliche Bewegungen mit oder ohne Vorstellungskraft oder auch rein innere Vorstellungen helfen, das Qi zu nähren und in Fluss zu bringen/ zu halten.

In Integraler Bewegung an sich gibt es kein Konzept von «Qi», von Meridianen oder von einem Willen, der Qi lenkt. Es gibt die Wahrnehmung subtiler Phänomene wie «Fluss und Stagnation», «Fülle und Leere» etc., es gibt die Unterscheidung von Achtsamkeit und Aufmerksamkeit, das Subtilisieren der eigenen Wahrnehmung und das Fremdwort «Intention», womit ein Seinszustand gemeint ist, aus dem sich Potenzial ungehindert entfalten kann (Intention ist Klarheit in Aktion). Und vor allem gibt es den «Empfindungs-Wahrnehmungs-Zustand».
Integrale Bewegung geht davon aus, dass man körperliche Bewegung so sehr «subtilisieren» kann, dass äusserlich keine Bewegung mehr sichtbar sein muss, um einen Effekt nach aussen zu zeigen, was sich im Push Hands am besten darstellen lässt.
Während Qigong/ Taiji diesen Effekt mit «Qi» (bzw. «Jing») erklärt, erklärt Integrale Bewegung ihn mit subtilen körperlichen Pinzipien gepaart mit Bewusstsein. Heilendes Bewusstsein (bzw. heilende Energie) wird nicht kanalisiert und gezielt eingesetzt/ gelenkt. (Integrale Bewegung kann jedoch in solche Therapieformen integriert werden). Im IET etwa gehen wir davon aus, dass das System des Menschen selber weiss, was es mit Energie und Bewusstsein tun soll.
Integrale Bewegung reduziert aber das Spektrum des Menschen nicht auf den Körper. Es geht vielmehr davon aus, dass es förderlich ist, das eigene Erleben subtiler Wahrnehmungen zu ermöglichen, ohne dafür zuerst ein ganzes System oder zumindest ein Fremdwort (und damit ein Konzept) einzuführen. Der Rest ergibt sich von selbst in natürlichem Wachstum.

Yi

«Yi» wird als Wille, Absicht und Vorstellungskraft bezeichnet. Yi führt im Qigong das Qi.
«Intention» ist in Integraler Bewegung ein Aspekt des Wahrnehmungs-Empfindungs-Zustandes. Aus diesem Seinszustand heraus entfaltet sich Bewegung.

Kontextuelles Üben

Qigong bezieht Hilfsmittel wie Farben, Tiernamen, Jahreszeiten, Planeten, Bäume etc. ein. Dabei sind einige Aspekte wie etwa mythologische Tiernamen (Drache) suggestiv, andere Tiernamen (Kranich, Gottesanbeterin etc.) illustrativ, wieder andere empathisch (das heisst eine reale Quelle der Kraft, wenn ich mich in dieses Tier hineinversetzen kann, wie z.B. Tiger).
Im Qigong wird in einen aktiven energetischen Austausch mit der Natur getreten, (z.B. Baum-Qigong), die tatsächlichen Kräfte der Natur werden genutzt (z.B. Frühling), die mythologischen Kräfte werden berücksichtigt (Jahreszeiten), und manches mag fast nur mit einem magisch-animistischen Glauben zu erklären sein (Planeten-Qigong).
Die Chance dieser Fülle ist, die Gelegenheit zu haben, mit ganz verschiedenen Energien in Kontakt zu treten. Die Gefahr ist, dass man eine leere Übung macht und sich eine Kraft «zusammenbastelt», statt sie wirklich zu erfahren.

Die Methoden der Golden River School beziehen Hilfsmittel wie Tiernamen und Natur nur am Rande ein (Golden Eagle - suggestiv, Bär - illustrativ, Tiger beruhigen - illustrativ, Golden Wave Training - illustrativ). Damit schliesst es die Natur, Tiere etc. jedoch nicht aus. Das Golden Wave Training etwa kann explizit nur in der Natur vermittelt werden. Anders jedoch als z.B. ein Qigong, das den Praktizierenden in den energetischen Austausch mit einem Baum bringt, betrachtet das Golden Wave Training die Prinzipien, die in der Natur wirken, und setzt diese konkret im eigenen Körper um. Ein energetischer Austausch mit der Natur kann die Folge sein, ergibt sich aber spontan (aus einem WIR heraus, d.h. aus der spontanen Einswerdung von Mensch und Natur, statt «eine Übung zu machen»).